4.095 Oberes Steinach

 

NSG-Atlastext:

Landkreis Tübingen, Stadt Rottenburg

Universitätsstadt Tübingen, Gemarkung Bühl

Geschützt seit 1982

Naturraum Schönbuch und Glemswald

Größe: 7,5 Hektar

Top.Karte 7519

Das Naturschutzgebiet "Oberes Steinach" liegt in der weiten, etwa 330 Meter hoch gelegenen Talebene des Neckars zwischen Rottenburg und Tübingen, der sogenannten Tübinger Stufenrandbucht. Seit 1937 wird dort in größerem Umfang Kies abgebaut, und je größer der Baggersee wurde, desto bedeutender wurde er als Brutgebiet für zahlreiche Vogelarten und als Rastplatz für Durchzügler. Schon 1969 zählte man hier übers Jahr 181 verschiedene Vogelarten. Seit dieser Zeit wurden die Bemühungen immer intensiver, den See unter Schutz zu stellen. Trotzdem war es nicht zu verhindern, daß die damalige Kiesgrube mit Abraummaterial aus dem Gleisbau der Bundesbahn vollständig zugeschüttet wurde. In der Folgezeit begleiteten zwar Rekultivierungspläne den weiteren Kiesabbau, gleichzeitig wuchs aber das Problem, daß immer mehr Leute den Baggersee als Badesee nutzen wollten. Als der intensive Freizeitbetrieb eine seit 1973 heimische Brutkolonie der Uferschwalbe bedrohte, wurde im Jahr 1979 die Ausweisung des Oberen Steinach als Schutzgebiet eingeleitet. Das Verfahren mündete 1982 in eine Verordnung, die ein Reihe von Verboten enthält. So ist es in dem Schutzgebiet beispielsweise untersagt, zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen und andere Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, mit Booten auf den See zu fahren, Feuer zu machen und Düngemittel im Gebiet einzubringen. Auch die Jagd auf das "Federwild" (ausgenommen Stockente, Fasan und Rebhuhn) ist nicht mehr zulässig. Das Fischen wurde räumlich und zeitlich eingeschränkt. So ist zu hoffen, daß der See für die Zukunft als international bedeutender Rastplatz für Kormoran, Gänsesäger, Rohrweihe, Flußuferläufer und als Brutbiotop für Nachtigall, Teichrohrsänger, Zwergtaucher, Drosselrohrsänger, Uferschwalbe und zahlreiche weitere Arten erhalten bleibt. Der Pflegeplan sieht vor, daß das Schilfröhricht auf der aufgeschwemmten Halbinsel erhalten wird. Dazu ist es notwendig, regelmäßig die Weiden aus diesem Bereich herauszureißen. Außerdem soll das Schilf auf den Schlickflächen gefördert werden, die durch die Wassereinleitung aus dem Kieswaschbetrieb ständig neu entstehen. Der bereits etablierte Weidenwald soll sich ungestört weiterentwickeln, und die Steilufer müssen als Brutbiotop für die Uferschwalben erhalten werden. Auf längere Sicht ist die Erweiterung des Schutzgebietes auf den gesamten See anzustreben.