4.157 Burglehen

 

NSG-Atlastext:

Landkreis Tübingen, Stadt Rottenburg Gemarkung Rottenburg und Tübingen

Geschützt seit 1989

Naturraum Schönbuch und Glemswald

Größe: 16,3 Hektar

Top. Karte 7519

Wie das Schutzgebiet "Oberes Steinach" liegt diese Kiesgrube mit Schlammabsetzbecken in der weiten Talebene des Neckars zwischen Rottenburg und Tübingen, allerdings nicht südlich des Flußlaufs, sondern gegenüber in der nördlichen Talhälfte im Rottenburger Gewann Burglehen. In den weichen Ton- und Mergelsteinen des Gipskeupers konnte der Neckar das Tal zwischen dem langgezogenen Spitzberg und dem Rammert leicht ausräumen, um es in der nachfolgenden Eiszeit wieder mit Schotter anzufüllen. Dieser Kies wird heute in großem Umfang in der etwa 330 Meter hoch gelegenen Ebene zwischen Tübingen und Rottenburg ausgebaggert. Bis ins 18. Jahrhundert mäandrierte der Neckar frei und in weiten Schleifen durch diesen Talabschnitt, der deshalb von zahlreichen Schlingen und Altwasserarmen, von Uferabrissen und Aufschüttungen geprägt war. Zudem wurden im Frühjahr weite Bereiche des Tales regelmäßig überschwemmt. An diesem nahrungsreichen Flußlauf orientierte sich seit prähistorischen Zeiten der Vogelzug in die Brutgebiete des Nordens und zu den Winterrastplätzen im Süden. Von 1779 bis 1966 führten allerdings die Begradigung des Neckarbetts sowie der Bau von Stauwehren und Kraftwerken zum Verlust dieses natürlichen Flußsystems. Erst mit der Anlage von Baggerseen weiteten sich die Wasserflächen im Tal wieder aus, und damit nahm auch dessen Bedeutung für die Vogelwelt wieder zu. Außer der freien Wasserfläche bietet der Baggersee Burglehen Kies- und Schlickflächen, zum Teil steile Lehm-, Sand- und Schotterufer, Inseln, Ruderalfluren und Schilfbestände. Damit ist dieses Gebiet für Brutvögel im Sommer sowie für Durchzügler im Herbst und im Frühjahr ein idealer Nahrungsbiotop. Hier konnte sich beispielsweise eine Kolonie Uferschwalben in den Steilufern einnisten, die 1983 immerhin 125 Paare umfaßte. Zuvor hatte man seit 1914 in der Umgebung Tübingens keine Bruten mehr festgestellt. In letzter Zeit wird allerdings die Uferschwalben-Kolonie am Burglehen-See eher wieder kleiner. Diesem Schwund will man nun mit einem Pflegeplan und seiner Ausführung begegnen. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen die internationale Bedeutung der beiden Baggerseen Burglehen und Oberes Steinach - hauptsächlich für die 60 Vogelarten, die dort brüten, und für weitere 60 Arten, die das Gebiet als Rastplatz benötigen. Die Untersuchungen zeigen aber auch, daß diese Biotope aus zweiter Hand Lebensraum für gefährdete Amphibien, Reptilien und zahlreiche Insekten sind. Bedroht wird der Artenreichtum vor allem von Badegästen und Anglern, insbesondere Anglern ohne Angelschein, die die Vogelbrut in Schilf und Gebüsch stören, und von der Jagd auf Federwild. Deshalb ist es im Schutzgebiet verboten, zu baden, zu zelten, zu lagern, die Wasserflächen mit Booten zu befahren, Feuer zu machen und Lärm zu verursachen. Die Jagd auf Federwild und die Fischerei wurden räumlich und zeitlich eingeschränkt.