4.264 Rappenberg

 

NSG-Atlastext:

Landkreis Tübingen, Stadt Rottenburg Gemarkungen Dettingen und Weiler

Naturraum: Schönbuch-Glemswald

Geschützt seit 1995

Größe 40,12 Hektar

Top. Karte 7519

Wie die "Vollmershalde" liegt das gut 40 Hektar große Schutzgebiet "Rappenberg" am südwestlichen Rand des Rammert, dort wo der Keuperhöhenzug in die Ebene der Oberen Gäue übergeht. Und auch hier lassen die kleinparzellierten Strukturen erkennen, daß der Hang früher intensiv für den Acker- und Weinbau genutzt wurde. Im letzten Jahrhundert wurden die Flächen im oberen Hangbereich dann größten- teils zu Wiesen umgewandelt, unterhalb davon pflanzte man bis zum Ortsrand zusätzlich noch Streuobstbäume. Daraufhin stellten sich Halbtrockenrasen mit großem Orchideenreichtum ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ jedoch auch das Interesse an dieser Nutzungsform nach. Seither kann man beobachten, wie die Rappenberghalde von der Oberkante her zunehmend verbuscht. Diese Entwicklung konnte auch die hier etablierte Pferdebeweidung nicht aufhalten. Das sich ausbreitende Schlehengebüsch bedroht immer mehr die noch vorhandenen Salbei-Glatthaferwiesen mit ihrer ungewöhnlichen Fülle an verschiedenen Orchideen. Um diese Wiesen und die Trockenrasen langfristig zu erhalten, hat die Tübinger Bezirksstelle für Naturschutz eine detaillierte Pflegekonzeption für das Gebiet erarbeitet. Danach soll der obere Hangbereich in nächster Zeit gründlich entbuscht werden - möglichst bis zur "historischen" Waldgrenze. Nach diesem ersten Eingriff sollen die gesamten Flächen künftig regelmäßig im Frühsommer gemäht werden. Eine zweite Mahd oder auch eine Nachbeweidung ist für den Spätsommer vorgesehen. Im unteren Hangbereich wächst ein ökologisch hochwertiger Streuobstbestand, der nicht nur während der Obstblüte, sondern auch in der nachfolgenden Blütezeit der Wiesenblumen farbenprächtig das Landschaftsbild prägt. In diesen Baumwiesen finden zahlreiche Höhlenbrüter wie Spechte, Meisen, Kleiber, Rotschwanz und Fledermäuse ideale Lebensräume. Das gleiche gilt für ihre Beutetiere, für Insekten, Feldmäuse oder Regenwürmer, die sich in den bunten Salbei-Glatthafer- Wiesen individuenreich entfalten können. Besonders in der Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel und in der Aufwuchs- und Blühphase der Wiesen würden hier von einem intensiven Freizeitbetrieb erhebliche Störungen ausgehen. Deshalb wurde das Lärmen, Zelten und Lagern sowie das Verlassen der Wege in der Aufwuchszeit verboten. Ziel der Schutzverordnung ist es keineswegs, die hier wirtschaftenden Menschen zu vergraulen, wie häufig während des Ausweisungsverfahrens befürchtet wird. Ganz im Gegenteil: Die Kulturlandschaft ist auf eine regelmäßige und nachhaltige Pflege angewiesen. Deswegen soll die extensive Bewirtschaftung des Schutzgebiets finanziell gefördert werden, damit sich das Mähen und Entbuschen der steilen Lagen für die Grundstücksbesitzer wieder lohnt. Dasselbe gilt für das Pflanzen junger Obstbäume. Allerdings zeigt die Erfahrung, daß in einem verdichteten Siedlungsbereich wie dem mittleren Neckarraum der Trend zur Übernutzung der Freizeit-Landschaft mit Wochenendhäuschen, Zäunen, Rasenmähern und Blaufichten auch vor ländlich strukturierten Gemeinden nicht Halt macht - es sei denn, eine Naturschutz-Verordnung trifft exakte und verbindliche Regelungen.