4.288 Taubenried

 

NSG-Atlastext:

Landkreis Sigmaringen, Gemeinde Ostrach, Gemarkung Burgweiler

Naturraum: Donau-Ablach-Platten

Geschützt seit 1939

Größe: 47,29 Hektar

Top. Karte 8021

Zwischen den Hochmoorgebieten des Schwarzwaldes und der oberschwäbisch- oberbayerischen Hochebene zieht sich im Bodenseegebiet ein Streifen von Flach- und Zwischenmooren mit hochnordischen Lebensgemeinschaften hin. Dazu gehört auch das nordwestlich von Pfullendorf liegende Taubenried, das Teile des Harbachtales und des Andelbachtales umfaßt. Wegen seines ursprünglichen floristischen Reichtums und seiner Nähe zum Pfrunger Ried mit dessen typischen Hochmoorgesellschaften ist es von besonderem pflanzengeographischen und historischen Interesse. Darum wurden bereits im Jahr 1939 gut 47 Hektar im 635 Meter hoch gelegenen Taubenried als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Bei dem Moor handelt es sich um ein typisches Versumpfungsmoor: Hier verursachte eiszeitliches Bodenfließen große Rutschungen, die mit ihren Erdmassen den Andelbach zu einem See aufstauten. Nach dem Abschmelzen der Gletscher lief dieser See wieder aus, nun speisten Quellen das Gelände mit soviel Wasser, daß es nach und nach versumpfte. Aufgrund massiver menschlicher Eingriffe ist heute nur noch an wenigen Stellen die natürliche und weitgehend ursprüngliche Vegetationsgliederung erkennbar: zum Beispiel der Flachmoorverband der Braunseggengesellschaft (Caricion fuscae), der im wesentlichen durch die den Zwischenmooren sehr nahestehende nordische Gesellschaft der Fadensegge (Caricetum filiformis) vertreten ist. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Gebiet stark geschädigt. Weite Teile des Moors wurden aufgeforstet oder fielen der natürlichen Verbuschung und Bewaldung anheim. Die Riedwiesen wurden von den Bauern so intensiv bewirtschaftet, daß wichtige Standorte seltener Pflanzen und Pflanzengesellschaften verschwunden sind. So sind zum Beispiel auch die ehemals üppigen Bestände der Strauchbirke (Betula humilis), einem ausgesprochenen Eiszeitrelikt, auf wenige kümmerliche Vorkommen zusammengeschrumpft. Bislang steht nur der zentrale Bereich des Moors unter Naturschutz. Rund um dieses Gebiet tragen zahlreiche Entwässerungsgräben und flächenhafte Abtorfungen dazu bei, daß die Flora trockener Standorte die ursprüngliche Vegetation verdrängt. Trotz der menschlichen Eingriffe konnte sich aber im Taubenried manche botanische Rarität halten, und auch die Tierwelt weist hier noch immer ein breites Spektrum von Arten auf: 47 verschiedene Vögel, darunter so gefährdete Arten wie zum Beispiel der Neuntöter, rund 40 Tagfalterarten, 16 Heuschrecken- und sechs Libellenarten wurden bislang in diesem wertvollen Lebensraum nachgewiesen. Um ihre Biotope langfristig zu sichern, betreuen und pflegen ehrenamtlich arbeitende Helfer von Naturschutzverbänden das Schutzgebiet.