1.006 Reiherhalde Morstein

 

Verordnung über das ”Naturschutzgebiet Reiherhalde bei Morstein” in der Gemeinde Dünsbach, Kreis Gerabronn (Regierungs-Anzeiger für Württemberg vom 1. März 1938).

 

Auf Grund der §§ 4, 12 Abs. 2, 13 Abs. 2, 15 und 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. 1 S. 821) sowie des § 7 Abs. 1 und 5 der Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBl. 1 S. 1275) wird mit Zustimmung der obersten Naturschutzbehörde sowie mit Ermächtigung des Reichsjägermeisters auf Grund des § 36 Abs. 6 der Ausführungsverordnung vom 27. März 1935 (RGBl. 1 S. 431) zum Reichsjagdgesetz - in der Fassung vom 5. Februar 1937 (RGBl. 1 E. 179) - folgendes verordnet:

 

§ 1

 

Die rund 100 Meter westlich von Morstein in der Gemeinde Dünsbach, Kreis Gerabronn, liegende Reiherhalde wird in dem im § 2 Abs. 1 näher bezeichneten Umfange mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen und damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

§ 2

 

Das Schutzgebiet hat eine Größe von 7,18 ha und umfaßt auf Markung Morstein die Plannummer 162 der Gemeinde Dünsbach.

 

Die Grenzen des Schutzgebiets sind in eine Karte rot eingetragen, die bei der obersten Naturschutzbehörde niedergelegt ist. Weitere Ausfertigungen dieser Karte befinden sich bei der Reichsstelle für Naturschutz, bei der höheren Naturschutzbehörde in Stuttgart, der unteren Naturschutzbehörde in Gerabronn und dem Bürgermeister in Dünsbach.

§ 3

 

Im Bereich des Schutzgebietes ist verboten:

-        Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen;

-        freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet der berechtigten Abwehrmaßnahmen gegen Kulturschädlinge und sonst lästige oder blutsaugende Insekten;

-        Pflanzen oder Tiere einzubringen;

-        die Wege zu verlassen, zu lärmen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen;

-        Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Schutt oder Bodenbestandteile einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern oder zu beschädigen;

-        Bild- oder Schrifttafeln anzubringen, soweit sie nicht auf den Schutz des Gebietes hinweisen.

 

§ 4

 

Unberührt bleiben:

 

-        die rechtmäßige Ausübung der Jagd, aber unter völliger Schonung der Reiher, ihrer Horste, Eier und Jungen und unter Vermeidung jeglicher Beunruhigung der Reiher während der Brutgeschäftes;

-        die forstliche Nutzung mit der Maßgabe, daß die Horstbäume möglichst zu schonen sind und bei deren Absterben für das Stehenlassen von Ersatzhorstbäumen zu sorgen ist.

 

(2)     In besonderen Fällen können Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung von mir - soweit jagdbare Tiere in Frage kommen, durch den Landesjägermeister - genehmigt werden.

 

§ 5

 

Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird nach den §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und den §§ 15 und 16 der Durchführungsverordnung bestraft.

 

§ 6

 

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe im ”Regierungs-Anzeiger für Württemberg” in Kraft.

 

Stuttgart, den 19. Februar.1938

Der Württembergische Kultminister

als höhere Naturschutzbehörde

Mergenthaler