1.016 Kirchheimer Wasen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet ”Kirchheimer Wasen” vom 22. März 1983

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S.6.54) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Kirchheim am Neckar, Landkreis Ludwigsburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung ”Kirchheimer Wasen”.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1)       Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 17,6 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 18. Februar 1982 auf dem Gebiet der Gemeinde Kirchheim am Neckar, Gemarkung Kirchheim, die Flurstücke Nr. 4243 - 4245, Nr. 4251 - 4255, Nr. 4272 und Nr. 4284 sowie Teile der Flurstücke Nr. 149 (Weg), Feldwege F.W.187, F.W.190, F.W.191, F.W.192 sowie des Flusses 1 (Neckar).

 

(2)       Das Schutzgebiet ist in einer Obersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18. Februar 1982 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte. des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18. Februar 1982 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Ludwigsburg als untere Naturschutzbehörde in Ludwigsburg. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung des letzten Auwaldrestes am Neckar sowie die Sicherung eines wertvollen Lebensraumes für zahlreiche gefährdete und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Insbesondere sollen die Wasserflächen wegen ihrer ökologischen Bedeutung erhalten und gesichert werden. Beeinträchtigungen und Störungen sollen von dem Gebiet ferngehalten werden.

 

§ 4 Verbote

 

(1)       In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2)       Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        Feuer anzumachen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        zu reiten oder mit Motorfahrzeugen zu fahren;

14.        die Wasserflächen mit Booten jeglicher Art oder sonstigen Hilfsmitteln zu befahren;

15.        in den Seen zu baden oder die Eisflächen mit Schlittschuhen zu befahren;

16.        die Feldwege Nr. 149, F. W. 187 und F. W. 192 (soweit diese innerhalb der Grenzen des Schutzgebiets liegen) sowie den die beiden Feldwege Nr. 149 und F. W. 187 verbindenden Dammweg zu verlassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die Wasservogelwelt insbesondere während der Brut- und Zugzeit;

2.            a) für die ordnungsmäßige Fischerei am Neckar;
b) für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß im sogenannten Großen See vom Nordufer ganzjährig nicht gefischt wird. Die Befischung vom West- und Südufer westlich des Wassergrabens zum Neckar ist in der Zeit vom 16. März bis 30.April und 16. Juli bis 31. Oktober sowie vom Ostufer in der Zeit vom 16. Juli bis 30. April zulässig. Es dürfen keine Gastfischerkarten ausgestellt werden; Veranstaltungen (Preisfischen u. ä.) sind untersagt.
c)     für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß im sogenannten Blatt-See nur in der Zeit vom 16.März bis 30.April und 16.Juli bis 31.Oktober gefischt wird. Mehr als 3 Fischer dürfen nicht gleichzeitig angeln.

3.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege unter Beachtung der Regelungen des § 4 Ziffer 13 -16 sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für Holzentnahme und Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden oder im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden sollen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            zur Durchführung von Unterhaltungsarbeiten an der Bundeswasserstraße Neckar und der zum Betrieb der Bundeswasserstraße Neckar notwendigen bundeseigenen Fernsprechleitung;

7.            für das Befahren des südlichen Drittels des großen Sees bis zur Sperrboje mit Segelbooten und das Ankern in diesem Gebiet, wobei ein Abstand vom Ufer von 20 Metern einzuhalten ist.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1)       Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2)       Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg vom 19.November 1959 über das Naturschutzgebiet ”Kirchheimer Wasen”, verkündet im Gesetzblatt für Baden-Württemberg 1959 S. 170, außer Kraft.

 

Stuttgart, den 22.März 1983

Dr. Bulling