1.022 Grafenberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet ”Grafenberg” vom 31. Juli 1995 (GBl. v. 15.08.1995, S. 661).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Herrenberg, Landkreis Böblingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung ”Grafenberg”.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1)     Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 23,9 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Juli 1992

auf dem Gebiet der Stadt Herrenberg, Gemarkung Mönchberg, die Flurstücke Nrn.:
95/2 Teil, 96/1 Teil, 96/2 Teil, 98-102, 103 Teil, 104/1 Teil, 104/2 Teil, 107, 122 Teil, 132 Teil, 150/1 Teil, 153 Teil, 154/2 Teil, 155/1 Teil, 155/2 Teil, 156 Teil, 157 Teil, 158-162, 164, 165 Teil,167,169,170,173,174,177,181, 188/2, 189, 190, 191, 194, 201, 202, 204/1, 204/2, 1015 Teil, 1018 Teil;

 

auf dem Gebiet der Stadt Herrenberg, Gemarkung Kayh, die Flurstücke Nrn.
369, 380/1-/3, 382, 386-389, 390/1, 390/2, 391-400, 401, 402, 403/1, 403/2, 404/1, 404/2, 405-428, 429/1-/3, 430-435, 436 Teil, 437 Teil, 438/1 Teil, 438/2 Teil, 439 Teil, 440 Teil, 441-452, 453 Teil, 455/1 Teil, 455/2 Teil, 459/1 Teil, 459/3 Teil, 460 Teil, 461/1 Teil, 461/3 Teil, 462 Teil, 463 Teil, 464 Teil, 465 Teil, 466, 467, 468/1, 468/2, 469-475, 485 Teil.

 

(2)     Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. November 1992 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. November 1992 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Böblingen in Böblingen und beim Bürgermeisteramt Herrenberg in Herrenberg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

-      die Erhaltung der naturnahen, landschaftstypischen, trockenwarmen Laubwaldbestände, Steppenheiden, Glatthaferwiesen, Obstwiesen, Öd- und Sukzessionsflächen;

-      die Entwicklung der nicht landschaftstypischen Waldbestände zu naturnahen, trockenwarmen Laubwaldbeständen;

-      die Erhaltung der verschiedenartigen Biotope als Lebensräume für zahlreiche seltene und in ihren Beständen gefährdete Pflanzen- und Tierarten;

-      die Erhaltung des besonders abwechslungsreichen, reizvollen und typischen Landschaftsbildes des Schönbuch-Südrandes.

 

§ 4 Verbote

 

(1)     In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2)     Insbesondere ist verboten:

1.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen sowie Zäune oder Stützmauern zu errichten;

2.       Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern

3.       die Bodengestalt zu verändern;

4.       Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören, insbesondere Nadelholzarten oder andere, nicht heimische, standortfremde Baumarten oder Ziersträucher einzubringen;

8.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.       die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Äcker umzubrechen;

10.    zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.    Feuer anzumachen;

12.    ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.    Aufforstungen oder Kahlhiebe durchzuführen;

14.    die Wiesengrundstücke mit Rasenmähern zu mähen;

15.    Dünger oder Chemikalien außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzflächen einzubringen;

16.    die Wege zu verlassen;

17.    Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte oder Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

18.    Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht

1.       für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine jagdlichen Einrichtungen wie Futterstellen, Kirrungen, Wildäcker, Salzlecken oder Hochsitze außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzflächen erstellt werden;

2.       für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Wiesen mit Scilla-Vorkommen nicht vor dem 1.Juni jeden Jahres und nicht mehr als zweimal pro Jahr gemäht werden und das Mähgut beseitigt wird,
b) ausschließlich im Bereich der Baumscheiben gedüngt wird,
c) die Wiesen als solche genutzt werden; § 4 Abs. 2 Nr. 14 bleibt unberührt,
d) die Wiesen nicht umgebrochen oder aufgeforstet werden,
e) die Streuobstwiesen in der traditionellen Form als solche bewirtschaftet werden, insbesondere abgängige Obstbäume innerhalb eines Jahres mit Hochstämmen nachgepflanzt werden und Wiesenmahd erfolgt;

3.       für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) längerfristig die Robinien aus dem Bestand entfernt werden sollen,
b) der Wald als Laubwald (Steppenheidewald) mit einzelnen Waldkiefern entsprechend dem Schutzzweck bewirtschaftet wird und seine Wiederbegründung mittels Naturverjüngung erfolgt;

4.       für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle -im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt- angeordnet werden;

6.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten

die Naturschutzverordnung ”Grafenberg” des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg vom 19. August 1969 (GBI. S. 214),

die Landschaftsschutzverordnung ”Ratberg und Umgebung” des Landratsamtes Böblingen vom 10. Oktober 1974 (Böblinger Bote vom 26. Oktober 1974)

für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

Stuttgart, den 31. Juli 1995

Dr. Andriof