1.028 Lauffener Neckarschlinge

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde aber das Naturschutzgebiet ”Lauffener Neckarschlinge” vom 13. Oktober 1978 (GBl. v. 30.11.1978).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Lauffen am Neckar, Landkreis Heilbronn, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung ”Lauffener Neckarschlinge”.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1)       Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 60,67 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom Juni 1978 auf Gemarkung Lauffen am Neckar die Grundstücke Flurstück 7358/1, 7359/1 bis /4, 7360/1 bis /4, 9751; Feldweg 44/2 und die Wassergräben 3/1 und 3/2, soweit sie innerhalb dieser Flurstücke verlaufen.

 

(2)       Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 22. September 1978 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie auf drei Flurkarten des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 22. September 1978 im Maßstab 1:2500 rot umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Heilbronn als untere Naturschutzbehörde in Heilbronn. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der vor ca. 5 000 Jahren vom Neckar verlassenen Talschlinge als erdgeschichtliches Denkmal. Der ungewöhnlich reiche Pflanzenbestand in der naturnahen, größtenteils von Bruch- und Auwald bedeckten Talsohle sowie der noch kaum veränderte Klebwald auf Muschelkalk mit der typischen Flora und Fauna soll durch die Ausweisung als Naturschutzgebiet in seiner für das württembergische Unterland einmaligen Form erhalten und gefördert werden.

 

§ 4 Verbote

 

(1)       In dem Naturschutzgebiet sind Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, vor allem durch Abgrabung, Auffüllung und Aufschüttung;

4.            die Gewässer zu verunreinigen sowie Entwässerungs-. oder andere Maßnahmen (zum Beispiel Wasserentnahmen) durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.            Dung oder Chemikalien einzubringen;

6.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

8.            neu aufzuforsten oder sonstwie Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, sie zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Wege zu verlassen;

11.        in dem geschützten Gebiet zu reiten oder mit Fahrzeugen oder motorgetriebenen Schlitten zu fahren;

12.        zu baden, die Wasserflächen zu befahren oder die Eisflächen zu betreten;

13.        zu zelten, zu Lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

14.        Feuer anzumachen, mutwillig Immissionen wie zum Beispiel Lärm oder Luftverunreinigungen zu verursachen, sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

15.        Plakate, Bild- oder Schrifttafeln anzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß der Charakter der Wälder (Auwälder, Bruchwald, Klebwald) zu erhalten und auf Vogelbrutstätten Rücksicht zu nehmen ist, und daß der Ausbau des Feldwegs Nr. 44/2 als Maschinenweg im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt und unter Berücksichtigung des Schutzzwecks möglich ist.

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie die rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

- Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentürnern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1)       Diem Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2)       Gleichzeitig tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg über das Naturschutzgebiet »Alter See in der Lauffener Neckartalschlinge«, Landkreis Heilbronn, vom 17.März 1970 (GBI.S. 162) außer Kraft.

 

STUTTGART, den 13.Oktober 1978

DR. BULLING