1.029 Randecker Maar mit Zipfelbachschlucht

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Randecker Maar mit Zipielbachschlucht« vom 10.August 1982 (GBl. v. 17.09.1982, S.401).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI.S. 654) sowie auf Grund von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes vom 15.März 1954 (GBI. S.35) in der Fassung der Bekanntmachung vom20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Bissingen/Teck und der Stadt Weilheim/Teck, Landkreis Esslingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Randecker Maar mit Zipfelbachschlucht«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1)       Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 1 10 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. März 1981 auf dem Gebiet der Gemeinde Bissingen, Gemarkung Ochsenwang, die Flurstücke Nr. 216, 222, 5 1 0 (K 1254), 519, 890 - 904, 906 - 912, 914, 915 (K 1254), 917 - 929, Runsenfall 1 (Post); auf dem Gebiet der Stadt Weilheim, Gemarkung Hepsisau, die Flurstücke Nr. 2214 - 2217, 2221, 2222 /l, 2222 / 2, 2223, 2224, 2225/1 - 2225/5 sowie die südlichen Teilflächen der Flurstücke Nr. 2107/1, 2226 und 2227/2.

In das Schutzgebiet einbezogen sind alle innerhalb der oben bezeichneten Fläche verlaufenden Wege, Bäche und Gräben.

 

(2)       Das Schutzgebiet ist in einer Obersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18.März 1981 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18.März 1981 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Esslingen als untere Naturschutzbehörde in Esslingen. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist es,

1.            ein noch in seiner ursprünglichen Form bestehendes Albmaar wegen seiner Bedeutung für die Wissenschaft, die Fauna und Flora sowie seines hohen Werts für das Landschaftsbild der Schwäbischen Alb zu erhalten;

2.            die tief eingeschnittene Zipfelbachschlucht mit Resten der typischen Schluchtwaldflora und -fauna aus wissenschaftlichen und landeskundlichen Gründen in ihrer Ausprägung zu erhalten.

 

 

 

§ 4 Verbote

 

(1)       In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2)       Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Felsblöcke und Steine ab 0,1 m 3 zu entfernen;

5.            Gewässer anzulegen sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, Grundstücke aufzuforsten und Laubwälder in Nadelwälder umzuwandeln;

11.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.        Feuer anzumachen oder Feuerstellen anzulegen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

14.        Mauern, Zäune, Hecken oder ähnliche Einfriedigungen zu errichten oder zu verändern, soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

15.        zu baden, die Wasserflächen zum Waschen, Schöpfen, Tränken, Schwemmen oder als Eisbahn zu benutzen;

16.        die Wasserflächen mit Booten - auch ohne eigene Triebkraft -, mit Flößen, Luftmatratzen oder dergleichen zu befahren;

17.        Modellboote zu Wasser zu bringen oder Flugmodelle fliegen zu lassen;

18.        die Wasserflächen fischereilich zu nutzen;

19.        das Reiten und das Fahren mit bespannten Fahrzeugen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß das Wasserwild mit Ausnahme von Stockenten nicht bejagt wird;

2.            für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß im Bereich der Zipfelbachschlucht die Wiederherstellung des Schluchtwaldes zu fördern ist;

3.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen oder Hinweistafeln.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Randecker Maar« vom 5.November 1971 (GBI. 1972 S. 344) außer Kraft.

 

Stuttgart, den 10. August 1982

Dr. Bulling