1.032 Neckarhalde

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Neckarhalde« auf den Markungen Besigheim und Hessigheim im Landkreis Ludwigsburg vom 16. November 1971 (GBl. v. 23.06.1972, S. 348).

 

Auf Grund der § 4, 15 Abs. 1 und 2 sowie 16 Abs.2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26.Juni 1935 (RGBI. I S.821) und des § 10 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes vom 8.Juni 1959 (Ges. Bl. S. S3), beide zuletzt geändert durch das Gesetz zur Änderung und Bereinigung von Straf- und Bußgeldvorschriften des Landes Baden-Württemberg vom 6. April 1970 (Ges.BI. S.111), wird mit Zustimmung des Kultusministeriums verordnet:

§ 1

(1) Die in Abs.2 näher bezeichneten Grundstücke auf den Markungen Besigheim und Hessigheim im Landkreis Ludwigsburg werden als Naturschutzgebiet mit dem Tage des Inkrafttretens dieser Verordnung in das Naturschutzbuch eingetragen und unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

(2}Das Schutzgebiet hat eine Größe von ca. 28,14 ha. Es umfaßt auf der Markung Besigheim im Gewand Neckarhalde die Parz. Nr.5063/1, 5063/2, 5555/5556, 5557, 5558, S559, SS60 und von der Parz. Nr.5554 den Teil nördlich des Waldweges, der etwa parallel zum Feldweg Nr.36 von der Südwestecke der Parz. Nr.7321 zum Eckpunkt der Markungen Besigheim, Hessigheim und Großingersheim durch die Parz. Nr.5554 verläuft. Weiter umfaßt das Schutzgebiet von dem Feldweg Nr.36 den Teil südöstlich der die Südgrenze der Parz. Nr.5064/1I verlängernden Geraden. Auf der Markung Hessigheim im Gewand Haldenrain umfaßt das Schutzgebiet von der Parz. Nr.4903 und von dem Feldweg Nr.39 den Teil westlich der die Westgrenze der Parz. Nr. 4986/1 verlängernden Geraden. Außerdem umfaßt das Schutzgebiet von Parz. Nr.4904 den Teil westlich des von der Parz. Nr.4986/1 zur Markungsgrenze verlaufenden, zeitweilig wasserführenden Bachs.

 

(3) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer beim Regierungspräsidium Nordwürttemberg in Stuttgart aufgelegen Karte im Maßstab 1:2 500 in roter Farbe eingetragen. Weitere Ausfertigungen dieser Karte befinden sich beim Kultusministerium in Stuttgart, bei der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Nordwürttemberg in Stuttgart und beim Landratsamt Ludwigsburg. Sie können dort während der Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 2

(1) Im Schutzgebiet dürfen unbeschadet der in § 3 genannten Ausnahmen keine Veränderungen vorgenommen werden.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

- Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon zu pflücken, abzuschneiden oder abzureißen;

- freilebenden Tieren nachzustellen, sie ohne zwingenden Grund zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen;

- fremdländische Pflanzen oder Tiere einzubringen;

- das Gelände zu befahren, Wohnwagen abzustellen, zu lärmen, zu zelten, zu lagern oder Campingplätze anzulegen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen;

- Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Entwässerungsgräben anzulegen oder Gewässer aller Art zu verändern, zu beseitigen, zu verschmutzen oder neu anzulegen, Boden- oder Gesteinsmaterial, Schutt, Müll oder Unrat abzulagern oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

- Bild- oder Schrifttafeln anzubringen, die nicht ausschließlich auf den Schutz des Gebietes hinweisen;

- bauliche Anlagen jeder Art einschließlich Einfriedigungen und Stützmauern, auch soweit sie keiner baurechtlichen Genehmigung oder Anzeige bedürfen zu errichten, Straßen, Wege oder Lagerplätze anzulegen, Drahtleitungen zu verlegen oder bestehende Anlagen dieser Art zu verändern;

- den Charakter des Gebiets in sonstiger Weise zu verändern; unter dieses Verbot fällt auch das Einbringen von Chemikalien.

 

§ 3

 

Unberührt bleiben die rechtmäßige Ausübung der Jagd und die forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß ein Kahlschlag nicht zulässig, jedoch die auszugsweise Nutzung von Einzelbäumen unter Beibehaltung der Holzarten, der Zusammensetzung und des Kronenschlusses unbenommen bleibt.

 

§ 4

 

In besonderen Fällen können vom Regierungspräsidium Nordwürttemberg Ausnahmen von den Vorschriften des § 2 bewilligt erden.

§ 5

(1) Wer in dem Schutzgebiet entgegen § 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vorsätzlich Veränderungen vornimmt, wird nach § 21 Nr. 1 des Reichsnaturschutzgesetzes bestraft.

 

(2) Wer in dem Schutzgebiet

1.       entgegen § 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes fahrlässig Veränderungen vornimmt, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 13 Abs. 1 Nr. 1 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes,

2.       vorsätzlich oder fahrlässig den Bestimmungen des § 2 Abs.2 Buchstabe b) zuwider freilebenden Tieren nachstellt oder sie ohne zwingenden Grund beunruhigt oder des § 2 Abs. 2 Buchstabe d) zuwider lärmt oder Feuer anmacht, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 13 Abs. 2 Nr. 2 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes, und kann mit einer Geldbuße belegt werden.

 

§ 6

 

Die Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung im Gesetzblatt für Baden-Württemberg in Kraft.

 

Stuttgart, den 16.November 1971

Roemer