1.060 Wormental

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Wormental« vom 23. September 1994 (GBl. v. 09.11.1994, S. 590).

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Werbach, Main-Tauber-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Wormental«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 19,2 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 5. Dezember 1989 auf dem Gebiet der Gemeinde Werbach, Ortsteil Werbach, die Flurstücke Nrn. 8400, 8410, 8434, 8463, 8464, 8469-8480, 8489-8504, 8507, 8508, 8508/1, 8509-8514, 8514/1, 8515-8523, 8531-8537, 14813, 14814, 14815 (Teil), 14899 (Teil), 14900-14907, 14909 und 14910.

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 5. Dezember 1989 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 5. Dezember 1989 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist

1.   der Erhalt und die Wiederherstellung eines typischen tauberfränkischen Trockenstandortes mit Trockenrasen, Kalkmagerrasen, wärmeliebenden Waldgesellschaften und deren Säumen, extensiven Streuobstbeständen, Äckern mit hohem Anteil an seltenen Ackerwildkrautarten, Hecken, Gebüschen sowie verschiedenen Sukzessionsstadien,

2.   die Verbesserung der Lebensräume zahlreicher seltener, zum Teil gefährdeter und geschützter Pflanzen- und Tierarten der trockenwarmen Standorte, insbesondere der Wirbellosen-Fauna, durch die Wiederherstellung zusammenhängender, offener Bereiche,

3.   der Erhalt einer Hanglage mit weithin raumwirksamem, landschaftsprägendem Charakter.

 

§ 4 Verbote

 

( 1 ) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.       Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.       die Bodengestalt zu verändern;

4.       Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.       die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.    auf den Magerrasen und Streuobstwiesen Biozide oder Düngemittel einzubringen oder zu pferchen;

11.    das Gebiet mit Fahrzeugen jeglicher Art zu befahren oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.    Luftfahrzeuge, insbesondere Flugmodelle und Ultraleichtflugzeuge, zu starten oder zu landen;

13.    die Wege zu verlassen;

14.    ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

15.    Feuer anzumachen sowie Feuerstellen zu errichten oder zu unterhalten;

16.    zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

17.    Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht

1.       für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine weiteren jagdlichen Einrichtungen erstellt werden;

2.       für die ordnungsgemäße land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr.9;

3.       für die Bepflanzung der Grundstücke Flst.-Nrn. 14906 und 14907 entsprechend des Rebenaufbauplans des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 22. August 1983 sowie für die Übertragung von Wiederbepflanzungsrechten nach dem Weinwirtschaftsgesetz;

4.       für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

6.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt. Das Ziel ist, den Trockenrasen durch Zurückdrängen der Sukzession unbeschattet zu halten. Die Sukzession im unteren Hangbereich und in den Klingen ist zu lenken. Um die Entwicklung einer lichten Buschstadium-, Saum- und Laubwaldgesellschaft zu ermöglichen, soll im Wald die Naturverjüngung standortheimischer Laubbaumarten gefördert werden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 10 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Wormental« vom 17. April 1978 (GBI. S. 270) außer Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet »Werbach« vom 1.April 1985 (Amtsblatt des Main-Tauber-Kreises vom 18. April 1985) außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 23. September 1994

Dr. Andriof