1.078 Altneckar

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Altneckar" vom 1.Oktober 1979 (GBl. v. 14.12.1979, S. 518).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Freiberg am Neckar, Ingersheim und Pleidelsheim, Landkreis Ludwigsburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Altneckar".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 37,2 ha. Es umfaßt Flußlauf und Uferstreifen des alten Neckars und verläuft entsprechend eines archivmäßig verwahrten Flurkartensatzes des Regierungspräsidiums Stuttgart im Maßstab 1:2500 vom 27.Juli 1979 linksseitig des Neckars auf Gemarkung Großingersheim, Gemeinde Ingersheim, beginnend an der Schleuse Pleidelsheim in den Gewannen "Fischerwert", "Alter Wasen", "Obere Wiesen", "Oberer Kies" und "Riedberg"; auf Gemarkung Geisingen, Gemeinde Freiberg in den Gewannen "Kleines Tal" und "Kieswiesen"; auf Gemarkung und Gemeinde Pleidelsheim im Gewann "Beihinger Wiesenm; auf Gemarkung Beihingen, Gemeinde Freiberg in den Gewannen "Allmend", "Untere Losen, "Obere Losen" und "Hummelswert" ; rechtsseitig des Neckars auf Gemarkung Beihingen, Gemeinde Freiberg, beginnend am Wehr in den Gewannen "Oberer Wert", "Plattwiesen" und "Allmend"; auf Gemarkung und Gemeinde Pleidelsheim in den Gewannen "Allmend", "Äußere Wert", "Wittumgestad", "Mühlwert" und "Grien"; auf Gemarkung Großingersheim, Gemeinde Ingeraheim im Gewann "Mittlerer Wert".

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 27.Juli 1979 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt und in drei Flurkarten des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 27.Juli 1979 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höherer Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung mit Karten befindet sich beim Landratsamt Ludwigsburg als unterer Naturschutzbehörde in Ludwigsburg. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung einer der letzten naturnahen Teilstrecken des Neckars im Regierungsbezirk Stuttgart. Durch die laufenden strömungsbedingten Veränderungen im Flußbett und Uferbereich bietet der Altneckar ein anschauliches Beispiel für eine natürliche Flußdynamik mit den entsprechenden besonderen Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere.

 

§ 4 Verbote

1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen, insbesondere bauliche Anlagen oder Nutzungsänderungen, durchzuführen;

2.            Einfriedigungen zu errichten, soweit nicht bereits Nummer 1 Anwendung findet;

3.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen, Masten und Unterstützungen aufzustellen oder Anlagen dieser Art zu verändern, sowie Stätten für Sport und Spiel oder Erholungseinrichtungen zu schaffen;

4.            die Bodengestalt zu verändern, vor allem durch Abgrabung, Auffüllung oder Aufschüttung;

5.            die Ufer und das Flußbett zu verändern;

6.            die Gewässer zu verunreinigen sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

7.            Dung oder Chemikalien einzubringen;

8.            Abfälle oder Gegenstände, die zu einer rechtlich zulässigen Nutzung des Grundstücks nicht erforderlich sind, zu lagern;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        neu aufzuforsten oder sonstwie Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, sie zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.        das Ufergehölz über die pflegliche abschnittsweise Nutzung hinaus zu beeinträchtigen;

12.        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

13.        in dem geschützten Gebiet zu reiten oder mit Fahrzeugen oder motorgetriebenen Schlitten zu fahren;

14.        zu baden oder die Wasserfläche im Bereich zwischen der gedachten Mittellinie der Autobahnbrücke und der nördlichen Grenzlinie entlang der neckarabwärts gelegenen Brücke der Landesstraße 1125 zu befahren;

15.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

16.        Feuer anzumachen, mutwillig Emissionen, wie Lärm oder Luftverunreinigungen, zu verursachen, sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

17.        Plakate, Bild- oder Schrifttafeln anzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehendenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für die naturgemäße Unterhaltung der Gewässer, der Ufer, des Uferbewuchses und des Flußbettes im erforderlichen Umfang;

5.            für Vorhaben, die den Festsetzungen des von der Gemeinde Ingersheim am 14.Mai 1974 beschlossenen, rechtsverbindlichen Bebauungsplanes "Sportzentrum Fischerwörth" entsprechen;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet und durchgeführt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde Befreiung nach § 63. des Naturschutzgesetzes erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr.2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Stuttgart, den 1.Oktober 1979

Regierungspräsidium Stuttgart

Dr.Bulling

Regierungspräsident