1.084 Wieslaufschlucht und Edenbachschlucht

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Wieslaufschlucht und Edenbachschlucht" vom 30.Juli 1980 (GBl. v. 02.09.1980, S. 551).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21.Oktober 1975(GBl. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Kaisersbach, Rudersberg und Welzheim, Rems-Murr-Kreis werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Wieslaufschlucht und Edenbachschlucht".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei Teilen mit zusammen rund 42 ha (Teil 1 Edenbachschlucht rund 5,2 ha, Teil 2 Wieslaufschlucht rund 36,8 ha). Der Teil 2, Wieslauf­schlucht, ist in die Flächen A, B und C unterteilt. Der Teil 2 (Wieslaufschlucht) wird im Südwesten von den außerhalb des Schutzgebiets gelegenen Vicinalwegen 2/3, 3/1, 10/1, dem Feldweg 151/1, den Vicinalwegen 10/3,10/2, den Feldwegen 3,22 und im Nordwesten von der Wieslauf, der östlichen Flurstücksgrenze 18/2 und 51/2, den Vicinalwegen 5/1, 5/2, der Eisenbahn 1,2/6, 2/5, 2/4 und dem Vicinalweg 2/4 begrenzt. Es umfaßt nach dem Stand vom August 1978 folgende Grundstücke, Wege und Gewässer:

 

Teil 1 (Edenbachschlucht)

Gemarkung Welzheim, Stadt Welzheim:
Teilfläche von Flurstück 2317; Teilfläche von Bach 3 (Edenbach); Feldweg 38;

Gemarkung Vorderhundsberg, Stadt Welzheim:
Flurstück 165/1, 165/2, 171/1; Teilfläche der Flurstücke 164/1 (0,66ha), 171/2 (1,30 ha), 171/5 (0,39 ha) und 171/6 (0,88 ha); Teilfläche vom Bach 3 (Edenbach); Teilstück von Feldweg 2 (114 m).

 

Teil 2 (Wieslaufschlucht)

Gemarkung Steinbach, Gemeinde Rudersberg:
Flurstück 50/3, 50/2; Bach 2 (Wieslauf); Feldweg 6, Teilfläche von Eisenbahn 1;

Gemarkung Welzheim, Stadt Welzheim:
Flurstücke 2382/2, 2382/3, 2351, 2349, 2348, 2354, 2352, 2353, 2357/1, 2357/2, 2359/1, 2359/2, 2360/1, 236o/2, 236o/5, 2358, 2342, 2346, 2347, 2343/3, 2345, Eisenbahn 2/7; Gebäude Klingenmühle 1, 1 a und 2; Feldweg 132; Vicinalweg 4/1; Teilfläche von Vicinalweg 311; Bach 1 (Wieslauf), Teilfläche von Bach 2 (Hanstobelbach) und Bach 3 (Edenbach), Bach 25; Teilfläche von Eisenbahn 2/4;

Gemarkung Edelmannshof, Gemeinde Rudersberg:
Flurstück 68 und Teilfläche von Flurstück 69 ( 4,5 ha); Bach 1 (Wieslauf), Teilflächen von Bach 12 (Hafnersklingenbach), Bach 13 (Burgholzklingenbach) und Bach 14;

Gemarkung Klaffenbach, Gemeinde Rudersberg:
Teilfläche von Flurstück 83 (5,2 ha); Bach 1 (Wieslauf);

Gemarkung Klingenmühlenhöfle, Gemeinde Kaisersbach:
Flurstück 4.

 

(2) Das Schutzgebiet ist auf einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 11.Oktober 1978 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie auf je einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 11.Öktober 1978 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höherer Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis als unterer Naturschutzbehörde in Waiblingen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der Schluchten mit ihren natürlichen geologischen Aufschlüssen und Felsbildungen

1.            als eindrucksvolle und wissenschaftlich bemerkenswerte erdgeschichtliche Erscheinungen und

2.            als naturnahe Lebensräume der, in den Keuperklingen und ihren Gewässern heimischen Pflanzen- und Tiergesellschaften.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen (zum Beispiel Änderungen, auch solche der Nutzung) durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen, Masten und Unterstützungen aufzustellen oder Anlagen dieser Art zu verändern, sowie Stätten für Sport und Spiel oder Erholungseinrichtungen zu schaffen;

3.            die Bodengestalt zu verändern, vor allem durch Abgrabung, Auffüllung oder Aufschüttung;

4.            die Gewässer zu verunreinigen sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.            Dung oder Chemikalien einzubringen;

6.            Abfälle oder Gegenstände zu lagern, die zu einer rechtlich zulässigen Nutzung des Grundstücks nicht erforderlich sind;

7.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

8.            Pflanzen oder Pflanzenteile zu entnehmen, zu beschädigen oder sie zu zerstören, gebietsfremde Pflanzen einzubringen;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen oder sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder ZufluchtsIätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Wege oder markierte Pfade zu verlassen;

11.        in dem geschützten Gebiet zu reiten oder mit Fahrzeugen oder motorgetriebenen Schlitten zu fahren;

12.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

13.        Feuer anzumachen, mutwillig Emissionen, wie zum Beispiel Lärm oder Luftverunreinigungen zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

14.        Plakate, Bild- oder Schrifttafeln anzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.            für die Ausübung der Forstwirtschaft mit folgenden Festsetzungen:
- Teil 1 (Edenbachschlucht)
- Teil 2(Wieslaufschlucht) Fläche A und Teil 2 (Wieslaufschlucht) Fläche C:
Gestattet ist die forstliche Nutzung des Waldes mit der Maßgabe, daß flächenhafte Räumungen, die Pflanzung von Fichtenreinbeständen und Ausländeranbauten unterbleiben, und daß durch einzelbaumweise Nutzung auf der ganzen Fläche ungleichaltrige, stabile Mischbestände aus Weißtanne, Fichte und standortgerechten Laubgehölzen angestrebt werden. Der Nadelholzanteil soll 65 % nicht übersteigen.
- Teil 2 (Wieslaufschlucht) Fläche B (Bannwald):
Gestattet sind forstliche Maßnahmen, die zur Abwendung akuter Gefahr für den Wald notwendig sind.

3.            für Maßnahmen zur Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für die bisher rechtmäßigerweise ausgeübte landwirtschaftliche und kleingärtnerische Nutzung.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr.2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Stuttgart, den 30.Juli 1980

Regierungspräsidium Stuttgart

Dr . Bulling

Regierungspräsident