1.085 Grienwiesen (Schüle-See)

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet "Grienwiesen" vom 13.August 1980 (GBl. v. 31.10.1980, S. 570).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654) sowie auf Grund von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes vom 15.März 1954(GBl. S. 35) in der Fassung der Bekanntmachung vom 20.Dezember 1978 (GBl. 1979 S.12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet Unterensingen, Landkreis Esslingen, wird zum Naturschutzgebiet er klärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Grienwiesen" (Schüle-See).

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 11,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 19.August 1976 auf dem Gebiet der Gemeinde und Gemarkung Unterensingen die Grundstücke und Wege Flurstück 1274,1275,1304-1330,1333-1337, Gebäude 1, Feldweg 117,Feldweg 118,FeldWeg 119 (west­liches Drittel), Feldweg 123 (westliches Drittel), sowie die östlichen, an Feldweg 117 und Flurstück 1324-1326 angrenzenden östlich der Uferlinie des Röhmsee gelegenen Flächen des Flurstücks 1269.Die Uferlinie ist die Grenze zwischen dem Gewässerbett des Röhmsee und. den Ufergrundstücken; sie wird durch den Mittelwasserstand bestimmt.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in eine Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 19.August 1976 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 19.A.ugust 1976 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnurig mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höherer Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Esslingen als unterer Naturschutzbehörde in Esslingen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung und Entwicklung einer überregional bedeutsamen ökologischen Nische, die als Rückzugsgebiet für bedrohte Vogelarten bemerkenswert ist.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            Anlagen zu errichten, die nach der Landesbauordnung bauliche Anlagen sind oder als solche gelten, oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen(zum Beispiel Änderungen, auch solche der Nutzung) durchzuführen;

2.            Mauern, Zäune, Hecken und ähnliche Einfriedigungen zu errichten oder zu verändern, soweit nicht bereits Nummer 1 Anwendung findet;

3.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen, Masten und Unterstützungen aufzustellen oder Anlagen dieser Art zu verändern, sowie Stätten für Sport und Spiel oder Erholungseinrichtungen zu schaffen;

4.            die Bodengestalt zu verändern, vor allem durch Abgrabung, Auffüllung oder Aufschüttung;

5.            Gewässer anzulegen, zu verändern oder zu verunreinigen, sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.            Dung oder Chemikalien einzubringen;

7.            Abfälle oder Gegenstände, die zu einer rechtlich zulässigen Nutzung des Grundstücks nicht erforderlich sind, zu lagern;

8.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

9.            neu aufzuforsten oder sonstwie Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, sie zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.        die Wege zu verlassen, insbesondere die Röhrichtzonen zu betreten;

12.        Ansitze an Vogelnester zu bauen oder Nester zum Fotografieren freizulegen;

13.        außerhalb der Straßen und Wege mit Fahrzeugen zu fahren oder außerhalb dafür besonders ausgewiesener Wege und Flächen zu reiten; im übrigen gelten für die Benutzung der Straßen und Wege mit Fahrzeugen die straßen- und verkehrsrechtlichen Bestimmungen;

14.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder zeitweise abzustellen;

15.        Feuer anzumachen, Lärm oder zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

16.        zu baden, die Wasserfläche zum Waschen, Schöpfen, Tränken, Schwemmen oder als Eisbahn zu benutzen;

17.        die Wasserfläche mit Booten, auch ohne eigene Triebkraft, mit Flößen, Luftmatratzen und dergleichen zu befahren;

18.        Modellboote zu Wasser zu bringen oder Flugmodelle fliegen zu lassen;

19.        die Jagd auszuüben;

20.        Plakate, Bild- oder Schrifttafeln anzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei nach Maßgabe folgender Bestimmungen:
a) vom 1.3. bis 31.8. jeden Jahres darf der See von 2, vom 1.9. bis 28.2. von höchstens 7 Personen nur mit der Angel von einem Teil des Dammes zwischen dem Naturschutzgebiet "Grienwiesen" und "Am Rank" (FW 117) aus auf Höhe des Seerosenfeldes befischt werden. Die Begrenzung wird durch Pfähle gekennzeichnet;
b) das Beangeln vom Boot aus ist nicht erlaubt;
c) Fischreusen sind nicht zulässig;
d) der See darf ab 1.9. bis 31.12. jeden Jahres zweimal mit Netzen abgefischt werden;
e) nach den natürlichen Voraussetzungen des Gewässers unter Erhaltung der heimischen standortgerechten Fischfaunen und des biologischen Gleichgewichts ist das Einsetzen von Fischen entsprechend der fischereilichen Nutzung gestattet;
f) die Durchführung der Elektrofischerei ist verboten. Ausnahmen können vom Regierungspräsidium Stuttgart zugelassen werden, sofern eine anderweitige Abfischung für eine ordnungsmäßige fischereiliche Nutzung nicht ausreichend. ist;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung außerhalb des Schilfgürtels und des Ufergehölzes liegenden Äcker und Wiesen in der bisherigen und im bisherigen Umfang;

3.            für die Jagd auf Stockenten und Bläßhühner vom 1.9. bis 15.10. jeden Jahres;

4.            für die Nutzung des Schüle-Sees zur Seerosenzucht nach Maßgabe des Pflege- und Bewirtschaftungsplanes vom 21.Jull 1980 und folgender Bestimmungen:
a) der Bestand an Seerosen darf höchstens ein Drittel der Gesamtwasserfläche umfassen und ist auf den im Pflege- und Bewirtschaftungsplan hierfür ausgewiesenen Seeteil beschränkt;
b) Eingriffe in die Schilfbestände dürfen nicht vorgenommen werden;
c) die Ernte der Seerosen darf nur in der Zeit vom 1.3. bis 15.4. und vom 15.6. bis 30.9. jeden Jahres durchgeführt werden. Es darf in der Woche an höchstens 3 Tagen von höchstens 5 Personen gleichzeitig geerntet werden. Es dürfen nicht mehr als 2 Boote, in Ausnahmefällen 3 Boote, eingesetzt werden;
d) bei der Seerosenernte und beim Weg vom Anlegeplatz der Boote am nordöstlichen Ende des Sees bis zum Seerosenfeld dürfen die Schilfzonen nicht, berührt werden;
e) außerhalb der Seerosenzeit dürfen bis zu 6 mal jährlich Jungpflanzen und Seerosen entnommen werden;
f) Düngung und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen sind im Einvernehmen mit der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege zulässig;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege durchgeführt werden;

6.            für Beschilderungen, die vom Regierungspräsidium als höherer Naturschutzbehörde angeordnet oder zugelassen sind.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr.2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Stuttgart, den 13.August 1980

Regierungspräsidium Stuttgart

Dr. Bulling

Regierungspräsident