1.089 Strümpfelbachtal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Strümpfelbachtal« vom 1. April 1981 (GBl. v. 18.05.1981, S. 256).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Althütte, Kaisersbach und Rudersberg, Rems-Murr-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Strümpfelbachtal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 40 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom Februar 1981 folgende Grundstücke, Wege und Gewässer:

 

Gemarkung Kaisersbach, Gemeinde Kaisersbach
Flste. Nr.377, 378, 380-382, 384-387, Teilfläche von FIst. Nr.506, die nach Osten durch das Brunnenklingensträßle und die geradlinige Verlängerung der Westgrenze des Flst. Nr. 502, nach Süden durch eine Linie, die dem Grund der knapp 40 m südlich der Maunzenacker Klinge von Osten in den Strümpfelbach (Steinbach) einmündenden Klinge im Abstand von 25 m parallel läuft, begrenzt wird; die westliche Teilfläche von Flst. Nr.77, die nach Norden durch die gerade Verbindungslinie zwischen der Einmündung von FW 19 in den FW 18 / 1 und dem nordöstlichen Ende des FW 3 / 1 auf Markung Voggenhof und gegen Osten durch das Roßklingensträßle gebildet wird;

Gemarkung Voggenhof, Gemeinde Althütte:
Flste. Nr.49, 51 und 52; Teilfläche von Flst. Nr.54 (25 m breiter Streifen parallel des Strümpelbaches); Teilfäche von Vicinalweg 5; Teilfläche von Bach 1 (Voggen- und Hägerbächle) und Bach 2 (Strümpfelbach);

Gemarkung Althütte, Gemeinde Althütte:
FIste. Nr.383, 384, 385/1, 385/2, 386-388, 389/ 1-389/4, 390, 413, 424/2, 425-427, 438-440, 445 und 26 sowie Teilfläche von Vicinalweg 9;

Gemarkung Rudersberg, Gemeinde Rudersberg:
Nördliche Teilfläche des FIst. Nr.446, die nach Süden durch eine dem Grund der Maunzenacker Klinge in 25m Entfernung gegen Süden parallel verlaufende Linie Gebäude Strümpfel 2.

 

In das Schutzgebiet sind alle innerhalb der genannten Parzellen verlaufenden Bäche und Wege einbezogen.

 

(2) Das Schutzgebiet ist auf einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 11. Februar 1981 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie auf einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 11.Februar 1981 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis als untere Naturschutzbehörde in Waiblingen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der Schluchten mit ihren natürlichen geologischen Aufschlüssen und Felsbildungen

1.            als eindrucksvolle und wissenschaftlich bemerkenswert erdgeschichtliche Erscheinungen und

2.            als naturnahe Lebensräume der in den Keuperklingen und ihren Gewässern heimischen Pflanzen- und Tiergesellschaften.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen (z.B. Änderungen, auch solche der Nutzung) durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen, Masten und Unterstützungen aufzustellen oder Anlagen dieser Art zu verändern, sowie Stätten für Sport und Spiel oder Erholungseinrichtungen zu schaffen;

3.            die Bodengestalt zu verändern, vor allem durch Abgrabung, Auffüllung und Aufschüttung;

4.            die Gewässer zu verunreinigen sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.            Dung oder Chemikalien einzubringen;

6.            Abfälle oder Gegenstände, die zu einer rechtlich zulässigen Nutzung des Grundstücks nicht erforderlich sind, zu lagern;

7.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

8.            Pflanzen oder Pflanzenteile zu entnehmen, zu beschädigen oder sie zu zerstören, gebietsfremde Pflanzen einzubringen;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Wege oder markierte Pfade zu verlassen;

11.        in dem geschützten Gebiet zu reiten oder mit Fahrzeugen oder motorgetriebenen Schlitten zu fahren;

12.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

13.        Feuer anzumachen, mutwillig Immissionen, wie z. B. Lärm oder Luftverunreinigungen, zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

14.        Plakate, Bild- oder Schrifttafeln anzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei und der Jagd;

2.            für die Ausübung der Forstwirtschaft mit folgenden Festsetzungen:
a) Gestattet ist die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung des Waldes in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß im Bereich der Hauptschlucht und der Seitenklingen - jeweils rund 50 m beidseits der Bäche - flächenhafte Räumungen, die Pflanzung von Fichtenreinbeständen und Ausländeranbauten unterbleiben und daß dort durch einzelstammweise Nutzung ein ungleichaltriger, stabiler Mischbestand aus Weißtanne, Fichte und standortgerechtem Laubholz erhalten bzw. angestrebt wird. Der Nadelholzanteil soll langfristig 65 % nicht übersteigen.
b) Der Waldwegebau ist mit der Maßgabe zulässig, daß der felsige Teil der Klingen unberührt bleibt. Er erfolgt im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde;

3.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für Maßnahmen zur Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilen.

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Stuttgart, den 1. April 1981

Dr. Bulling