1.090 Wernauer Baggerseen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Wernauer Baggerseen« vom 5.Juni 1981 (GBl. v. 16.06.1981, S. 293).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) sowie auf Grund von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes vom 15.März 1954 (GBI. S.35) in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in §2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Köngen, Wendlingen und Wernau, Landkreis Esslingen werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Wemauer Baggerseen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 32,1 ha. Das Schutzgebiet wird im Norden vom südlichen Straßenrand der alten B 313 und im Süden vom nördlichen Böschungsfuß der Eisenbahn 3 begrenzt. Der Neckar ist vom Schutzgebiet ausgenommen. Im Osten verläuft die Grenze östlich des kleinen Sees (Daimlersee) anfangs entlang des dort verlaufenden, zum Schutzgebiet gehörenden, seenahen Betriebswegs der Fa. Daimler-Benz nach Süden bis zum Neckar und im Westen entlang der nordöstlichen Flurstücksgrenze des Flurstücks 4467 bis zu deren Mitte, von dort aus in nordöstlicher Richtung bis zur alten B 313, anfangs entlang der Markungsgrenze.

Das geplante Schutzgebiet umfaßt auf Gemarkung Pfauhausen, Stadt Wernau, die Flurstücke 714, 727/ 5, 748 und den Feldweg 12, soweit er innerhalb des Schutzgebietes liegt sowie die Gebäude 1, 1 a, 1 b und 1 c und einen Teil des Flurstücks 287/2; auf Gemarkung Köngen das Flurstück 1783 sowie einen Teil des Flurstücks 1800; auf Gemarkung Wendlingen den östlichen Teil (1 ha) des Flurstücks 258.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12.Juni 1980 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12.Juni 1980 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Esslingen als untere Naturschutzbehörde in Esslingen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist

a) die Erhaltung einer Grünzäsur zur Gliederung von Siedlungsbereichen entlang einer stark verdichteten Entwicklungsachse,

b) die Freihaltung eines ökologischen Ausgleichsraumes mit Funktionen für die Luftreinigung und -erneuerung, sowie die Grundwasseranreicherung,

c) die Erhaltung eines wertvollen Lebensraumes für wildlebende Tiere und Pflanzen,

d) die Erhaltung eines überregional bedeutsamen Rastplatzes für feuchtgebundene Vogelarten,

e) die Bewahrung eines passiven Erholungsgebietes im Verdichtungsraum,

f) die Bewahrung eines hochwertigen naturkundlich-pädagogischen Lehr- und Studiengebietes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Mauern, Hecken, Zäune oder ähnliche Einfriedigungen zu errichten oder zu verändern, soweit nicht bereits Nummer 1 Anwendung findet;

3.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4.            die Bodengestalt vor allem durch Abgrabungen, Aufschüttungen oder Auffüllungen zu verändern;

5.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

11.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.        Feuer anzumachen, Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen sowie Bild- und Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

13.        Modellboote zu Wasser zu bringen und Flugmodelle fliegen zu lassen;

14.        die Wasserfläche mit Booten auch ohne eigene Triebkraft, mit Flößen, Luftmatratzen und dergleichen zu befahren;

15.        zu baden;

16.        das Gebiet außerhalb gekennzeichneter Wege zu betreten;

17.        das Befahren mit Fahrzeugen und das Reiten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd vom 18. Dezember bis 15. Januar jeden Jahres an insgesamt höchstens 10 Tagen außerhalb von Sonn- und Feiertagen. Treibjagden dürfen nicht durchgeführt werden;

2.            für die Fischerei zu Kontrollzwecken außerhalb der Röhrichtzonen in der Zeit vom 15. Juli bis 15. September jeden Jahres an höchstens 15 Tagen, wobei der Große See von höchstens 9 Personen, die beiden anderen Seen von je höchstens 5 Personen befischt werden dürfen. Das elektrische Abfischen ist nur mit Genehmigung der Fischereibehörde (Regierungspräsidium) erlaubt;

3.            für die ordnungsgemäße land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die Nutzung der mit Genehmigungsbescheid der Stadt Wernau vom 24. September 1979 genehmigten Teststrecke der Fa. Daimler-Benz bis 1. Oktober 1983;

5.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungwidrig im Sinne des §64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig ein e der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart zur einstweiligen Sicherstellung der Wernauer Baggerseen vom 19.Juni 1979, veröffentlicht im Staatsanzeiger Nr. 50 vom 23. Juni 1979, außer Kraft.

 

Stuttgart, den 5. Juni 1981

Dr. Bulling