1.092 Oberer Berg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Oberer Berg« vom 6. August 1981 (GBl. v. 21.09.1981, S. 479).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Bad Ditzenbach und Deggingen, Landkreis Göppingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Oberer Berg«.

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 18,1 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 6. Februar 1981

auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Ditzenbach auf Markung Ditzenbach die Flurstücke Nr. 633 und 635, den Feldweg 8 sowie den in Fahrtrichtung Bad Ditzenbach-Aufhausen gesehenen links der Straße (K 749) gelegenen Teil des Flurstücks Nr. 693;

auf dem Gebiet der Gemeinde Deggingen auf Markung Deggingen die südliche Teilfläche des Flurstücks Nr. 134 1, die im Norden durch eine Gerade zwischen dem südwestlichen Eckpunkt der Parzelle 1017 und dem südlichen Beginn des Feldwegs 35 gebildet wird sowie die westlichen Teilflächen der Flurstücke Nr. 1015 und 1016, die gegen Nordosten von einer Geraden zwischen dem südwestlichen Eckpunkt des Flurstücks Nr. 1017 und dem dritten Grenzstein (von Osten ohne den gemeinsamen Grenzstein mit Parz. 1014 gerechnet) an der Südgrenze von Flurstück Nr. 1015 begrenzt werden.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6. Februar 1981 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6. Februar 1981 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Göppingen als untere Naturschutzbehörde in Göppingen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten dort eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung der artenreichen, charakteristischen Flora und Fauna des Steppenheideverbandes im Bereich großflächiger landschaftsbestimmender Felsbildung (mit Hangschutthalden), einer Wacholderheide und des beide verbindenden, nahezu unberührten Steppenheidewaldes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.     bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.     Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.     die Bodengestalt zu verändern;

4.     Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.     Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.     Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.     Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.     Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder- zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.     die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten sowie Hängegleiter und Modellflugzeuge zu benutzen;

11.   Feuer anzumachen oder Feuerstellen einzurichten;

12.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.   Dung und Chemikalien einzubringen;

14.   Erholungseinrichtungen aller Art (einschließlich Ruhebänke) einzurichten;

15.   Wege und Pfade zu verlassen;

16.   außerhalb besonders gekennzeichneter Wege zu reiten;

17.   Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

18.   auf Felsen oder Bäume zu klettern;

19.   das Drachenfliegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht

1.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß sie in Einzelstammnutzung erfolgt, das Einbringen von Nadelhölzern sowie von fremdländischen, nicht standortgemäßen Laubhölzern untersagt ist und die Bewirtschaftung so durchgeführt wird, daß der bisherige naturnahe Waldcharakter - Steppenheide mit vorherrschender Rotbuche - erhalten bleibt und die Erhaltung biologisch wertvoller Altholzbestände bzw. Altbäume gewährleistet ist;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

1. Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

2. Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamts Göppingen zum Schutz der Sommerschafweiden als Landschaftsteile im Kreis Göppingen vom 27. Juni 1939, soweit sie sich auf Flächen im Geltungsbereich dieser Verordnung erstreckt, außer Kraft.

 

Stuttgart, den 6. August 1981

Dr. Bulling