1.093 Holzberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Holzberg« vom 2. November 1981 (GBl. v. 11.12.1981, S. 574).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654) sowie auf Grund von § 22 Abs.2 des Landesjagdgesetzes vom 15.März 1954 (GBl S. 35) in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 121) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Creglingen, Main-Tauber-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Holzberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 25 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 17. März 1980 auf dem Gebiet der Stadt Creglingen, Gemarkung Finsterlohr, den Teil des Flurstücks Nr.596/1, der durch die Verlängerung der südlichen Grenze des Flurstücks Nr.593 entsteht, den Teil des Baches 1 (Klingenbach), der durch die Verlängerung der südlichen Grenze des Flurstücks Nr. 609 entsteht, sowie die Flurstücke Nr.597, 598, 599/1, 599/2, 600, 601/1, 601/2, 602 bis 609, 675 bis 686, 687/4 bis 687/ 9 und 687/13 bis 687/15; auf Gemarkung Archshofen die Flurstücke Nr. 1368, 1369, 1371, 1373 bis 1380, 1389, die Teilfläche des Flurstücks Nr. 1388, die durch die Verbindung der westlichen Flurstücksgrenze Nr. 1387 mit der westlichen Flurstücksgrenze Nr. 1390 entsteht, sowie das Flurstück Nr. 1382 (Klingenbach).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 17. März 1980 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 17. März 1980 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis als untere Naturschutzbehörde in Tauberbischofsheim. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung eines naturnahen Hangwaldes und Wiesenbereichs am Taubertal als Rückzugs- und Regenerationsraum einer vielfältigen Flora und seltenen und bedrohten Fauna.

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.       forstwirtschaftliche Maßnahmen jeglicher Art in der Zeit vom 1. Februar bis 30. Juni jeden Jahres durchzuführen, die Holzabfuhr ist auch während diesem Zeitraum erlaubt;

2.       Kahlhiebe durchzuführen, ausgenommen davon sind femelartige Verjüngungshiebe bis zu 30 m Durchmesser;

3.       die Horstbäume zu fällen oder diese völlig freizustellen;

4.       die Verwendung chemischer Mittel;

5.       die Ausübung der Jagd in der Zeit vom 1. Februar bis 30.Juni jeden Jahres sowie die Jagd auf Graureiher ganzjährig;

6.       den Wald innerhalb des Schutzgebietes in der Zeit vom 1. Februar bis 15. Mai jeden Jahres auch auf Wegen zu betreten sowie in der Zeit vom 15.Mai bis 30.Juni jeden Jahres die Waldwege zu verlassen;

7.       die im Wald befindlichen Wege zu befahren;

8.       Bäume zu besteigen;

9.       zu photographieren und zu filmen;

10.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören, sowie zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen;

11.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

12.   Feuerstellen einzurichten oder Feuer anzuzünden;

13.   zu lärmen, Radios und sonstige Phonogeräte in Betrieb zu nehmen, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen, sowie Einrichtungen für die Erholung anzulegen oder sonstige Gegenstände aufzustellen;

14.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen; Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu verändern;

15.   bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten, oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

16.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

17.   Bodenbestandteile einzubringen oder abzubauen, Sprengungen, Grabungen oder Bohrungen vorzunehmen, Schutt, Müll oder Unrat abzulagern oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

18.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

19.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen soweit sie nicht zum Hinweis auf den Schutzcharakter des Gebietes dienen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht

1.       für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

2.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei;

3.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit den sich aus § 4 Abs. 2 Ziffer 5 ergebenden Einschränkungen mit der Maßgabe, daß Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung zulässig sind;

4.       für die forstwirtschaftliche Nutzung mit den sich aus § 4 Abs. 2 Ziffer 1-4 ergebenden Einschränkungen und mit der Maßgabe, daß die gegenwärtige Artenzusammensetzung (Laubholztyp mit Eiche, Rot- und Weißbuche, Sommerlinde, Berg- und Spitzahorn, Esche, Elsbeere und vereinzelten Fichten) zu erhalten ist, daß beim Absterben von Horstbäumen Ersatzbäume stehen zu lassen sind;

5.       für die Verwendung von Insektiziden in dem forstbetrieblich üblichen Umfang, bei größeren Kalamitäten jedoch nur im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium als höherer Naturschutzbehörde;

6.       für forstwirtschaftliche Maßnahmen, die zur Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht angeordnet werden;

7.       für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

8.       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeoranet werden;

9.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung »Taubertal mit Nebentälern« des Landratsamts Bad Mergentheim vom 30. Januar 1961, veröffentlicht in der Tauberzeitung vom 1. Februar 1961 und in der Bad Mergentheimer Zeitung vom 1. Februar 1961, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 2. November 1981

Dr. Bulling