1.094 Lorcher Baggerseen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Lorcher Baggerseen« vom 5. November 1981 (GBl. v. 29.12.1981, S. 617).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) sowie auf Grund von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes vom 15.März 1954 (GBl S. 35) in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Lorch, Landkreis Ostalb, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Lorcher Baggerseen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 18,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 22. April 1980

·         auf dem Gebiet der Stadt Lorch auf Gemarkung Lorch die Flurstücke Nr. 1143, 1146/1, 1170, 1171/1 sowie den Teil des Flurstücks 1141, der im Nordwesten durch die Ortsverbindungsstraße Waldhausen-Lorch begrenzt wird und Teile der Flurstücke 1139/5, 1139/9, 1147, 1150, 1152, 1155, 1176 und 1190, die im Norden vom Böschungsfuß der planfestgestellten B 29 begrenzt sind und Teile der Flste.Nr. 130/1 und 130 (Rems), die im Norden vom südlichen Brückenrand der planfestgestellten B 29 begrenzt sind;

·         auf Gemarkung Weitmars die Flurstücke 295-300, 303/1, 303/2, 303/3, 304, 306/1, 925-927 sowie den Bach 4/5 (Walkersbach) vom Schnittpunkt mit dem Vic. Weg 2/1 bis zur Mündung in die Rems und den Teil des Flusses 1/2 (Rems) von der Mündung aus flußaufwärts bis zur Markungsgrenze sowie den Fluß 1/1;

·         auf Gemarkung Waldhausen die Flurstücke 952/2 und 953/2 sowie den Fluß 1/1.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 22.April 1980 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12. Februar 1981 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Ostalbkreis als unterer Naturschutzbehörde in Aalen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung der ehemaligen Baggerseen und Umgebung als wertvoller Lebensraum für zum Teil existenzbedrohte Tier- und Pflanzenarten und als ökologischen Ausgleichsraum für stark beanspruchte Bereiche des Remstales.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung öder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.       Einfriedigungen zu errichten, soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

3.       Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4.       die Bodengestalt zu verändern;

5.       die Gewässer zu verunreinigen, Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

11.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.   Feuer anzumachen oder Erholungseinrichtungen anzulegen;

13.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.   zu baden, die Wasserflächen zu befahren, Modellboote schwimmen zu lassen oder die Eisflächen westlich der auf der Flurkarte vom 12. Februar 1981 im Flst. Nr.1176 gepunktet eingezeichneten von Norden nach Süden verlaufenden Linie zu betreten;

15.   Dung oder Chemikalien einzubringen;

16.   westlich der auf der Flurkarte vom 12.Februar 1981 im FIst.Nr. 1176 gepunktet eingezeichneten von Norden nach Süden verlaufenden Linie die Wege oder Pfade zu verlassen;

17.   in dem geschützten Gebiet zu reiten oder mit Fahrzeugen zu fahren;

18.   im Gelände amtlich besonders kenntlich gemachte Wege oder Pfade zu betreten;

19.   Flugmodelle fliegen zu lassen.

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht für:

1.     die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei unter Beachtung nachstehender Regelungen:
- See I: Am West-, Nord- und Ostufer ist das Angeln in der Zeit vom 1. März - 31. Juli eines jeden Jahres untersagt. In der übrigen Zeit darf die Fischerei nur von jeweils fünf Personen zur gleichen Zeit ausgeübt werden.
- See II: Zulässig ist einmal jährlich zwischen dem 1.August und 31.Dezember eines jeden Jahres die Fischbestandsregulierung mit Fischereigeräten, jedoch nicht mit Angelgeräten.
- See III: Am gesamten See ist das Angeln in der Zeit vom 1. März bis 31. Juli jeden Jahres untersagt. Außerhalb dieser Zeit dürfen jeweils 7 Personen gleichzeitig vom Nord- und Ostufer aus angeln.
- See IV: Am gesamten See ist das Angeln in der Zeit vom 1. Mai - 30. Juni untersagt. Auf der nördlichen Hälfte des Westufers (in der Flurkarte M 1:2500 braun gekennzeichnet) ist das Angeln ganzjährig untersagt.
- See V: Die Fischerei ist ohne Einschränkung zulässig.
- Rems: Die Angelfischerei ist nur vom linken Ufer aus erlaubt.
- Für alle Seen sind das Angeln vom Boot aus sowie fischereiliche Veranstaltungen (Preisfischen, Wettfischen und dgl.) untersagt.

2.   die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd in der Zeit vom 1. November - 15. Januar eines jeden Jahres und an 4 nicht aufeinanderfolgenden Tagen im Oktober;

3.   die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.   die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   Maßnahmen der Straßenbauverwaltung bezüglich des Neubaus der B 29 mit der Maßgabe, daß diese schonend durchzuführen sind;

6.   für Ausgleichsmaßnahmen der Straßenbauverwaltung durch Schaffung von biotopverbessernden Anlagen;

7.   Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

8.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

9.   den Betrieb der vorhandenen Asphaltmischanlage bis zum Ablauf der bis zum 31.Dezember 1983 befristeten Genehmigung.

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Stuttgart, den 5. November 1981

Dr. Bulling