1.098 Ravensburg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Ravensburg« vom 1. März 1982 (GBl. v. 02.04.1982, S. 79).

 

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober1975 (GBl S. 654) sowie auf Grund von § 22 Abs.2 des Landesjagdgesetzes vom 15.März 1954 (GBI. S. 35) in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Sontheim/Brenz, Landkreis Heidenheim, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Ravensburg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 6,1 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 22. Juli 1981 auf dem Gebiet der Gemeinde Sontheim/Brenz Gemarkung Bergenweiler die Flurstücke 657/2, 658 mit Ausnahme einer nordwestlich gelegenen Teilfläche dieses Flurstücks, F. W. 27 und F. W. 28.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 14.Mai 1981 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 14. Mai 1981 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karlen wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Heidenheim als untere Naturschutzbehörde in Heidenheim. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung eines markanten Bergvorsprunges als Brutstätte einer besonders bedrohten Vogelart.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.       forstwirtschaftliche Maßnahmen jeglicher Art in der Zeit vom 1. Februar bis 30. Juni jeden Jahres durchzuführen;

2.       Kahlhiebe jeglicher Größe durchzuführen;

3.       die Horstbäume sowie die umgebenden Bäume im Abstand bis zu 30 m zu fällen;

4.       die Verwendung chemischer Mittel;

5.       die Ausübung der Jagd in der Zeit vom 1. Februar bis 30.Juni jeden Jahres sowie die Jagd auf Graureiher ganzjährig;

6.       den Wald innerhalb des Schutzgebietes in der Zeit vom 1. Februar bis 30.Juni jeden Jahres auch auf Wegen zu betreten und außerhalb dieser Zeit die Waldwege zu verlassen;

7.       die im Wald befindlichen Wege zu befahren;

8.       Bäume zu besteigen;

9.       zu photographieren und zu filmen;

10.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

12.   Feuerstellen einzurichten oder Feuer anzuzünden;

13.   zu lärmen, Radios oder sonstige Phonogeräte in Betrieb zu nehmen, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen, sowie Einrichtungen für die Erholung anzulegen oder sonstige Gegenstände aufzustellen.

14.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu verändern;

15.   bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten, oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

16.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

17.   Bodenbestandteile einzubringen oder abzubauen, Sprengungen, Grabungen oder Bohrungen vorzunehmen, Schutt, Müll oder Unrat abzulagern oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

18.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

19.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen soweit sie nicht zum Hinweis auf den Schutzcharakter des Gebiets dienen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit den sich aus § 4 Abs. 2 Ziffer 5 ergebenden Einschränkungen mit der Maßgabe, daß Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung zulässig sind;

2.       für die forstwirtschaftliche Nutzung mit den sich aus § 4 Abs. 2 Ziffer 1-4 ergebenden Einschränkungen und mit der Maßgabe, daß beim Absterben von Horstbäumen Ersatzbäume stehen zu lassen sind, und daß die Waldwege in der Zeit vom 1.Februar-30.Juni jeden Jahres nicht befahren werden dürfen;

3.       für die Verwendung von Insektiziden in dem forstbetrieblich üblichen Umfang, bei größeren Kalamitäten jedoch nur im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium als höherer Naturschutzbehörde;

4.       für forstwirtschaftliche Maßnahmen, die zur Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht angeordnet werden;

5.       für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit den sich aus § 4 Abs.2. Ziffern 6 und 7 ergebenden Einschränkungen;

6.       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Stuttgart, den 1. März 1982

Dr. Bulling