1.100 Autal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Autal« vom 19.März 1982 (GBl. v. 07.05.1982, S. 129).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Überkingen, Landkreis Göppingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Autal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 45 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 5.Februar 1981 auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Überkingen, Markung Bad Überkingen, die Flurstücke Nr.696/1, 705/1, 705/2, 705/3, 706, 708 sowie die südliche Teilfläche des Flst.Nr. 704, die durch den Bach Nr. 76 begrenzt wird, die Wegparzelle Nr. 7705, Teile der Wegparzellen Nr. 692, 701, 707 sowie der Bäche Nr. 75 und 76 und den südlichen Teil des Flurstücks Nr. 665, der durch die Verbindung des Grenzsteins 32 mit dem westlichsten Eckpunkt des Flurstücks Nr. 704 entsteht.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 5. Februar 1981 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 5. Februar 1981 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Göppingen als untere Naturschutzbehörde in Göppingen. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung einer hervorragend ausgebildeten Schluchtwaldgesellschaft an den nördlich exponierten Talhängen des Autales.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.       Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.       die Bodengestalt zu verändern;

4.       Gewässer anzulegen, den naturnahen Wasserlauf zu verändern, Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.       die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.   Feuer anzumachen oder Feuerstellen anzulegen;

12.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.   Erholungseinrichtungen aller Art einschließlich Ruhebänken anzulegen;

14.   die Wege mit Motorfahrzeugen, die nicht der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung dienen, zu befahren;

15.   Wege oder Pfade zu verlassen;

16.   Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

17.   zu reiten;

18.   die Felsen zu beklettern;

19.   Hängegleiter in Bewegung zu setzen;

20.   Chemikalien und Dünger, auch mineralischer Art, einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.       für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche femelartige Nutzung in der Zeit vom 1. September bis 15. Februar außerhalb des grün angeschummerten Gebiets, für die ordnungsgemäße Buchenwaldbewirtschaftung in der östlichen Teilfläche des Flurstücks Nr. 665, die gebildet wird durch die Ostgrenze des grün angeschummerten Gebietes und der Verlängerung des Flurstücks Nr. 75 (Bach), in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Kahlschläge sowie die Änderung der jetzigen Artenzusammensetzung unterbleiben, Nadelhölzer und ausländische Gehölze nicht eingebracht werden, vorhandene Nadelholzbestände Zug um Zug in standortsgemäße Laubholzbestände umgewandelt werden;

3.       für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.       für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung »Märzenhalde« des Landratsamts Geislingen vom 2.November 1937, veröffentlicht in der Geislinger Zeitung vom 6.November 1937, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 19. März 1982

Dr. Bulling