1.102 Schlucht des Großen Wimbachs

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Schlucht des Großen Wimbachs« vom 1. Juli 1982 (GBl. v. 13.08.1982, S. 378).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in §2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Sulzbach-Laufen und Gschwend, Landkreis Schwäbisch Hall und Ostalbkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Schlucht des Großen Wimbachs«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 3,1 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 6. November 1980 auf dem Gebiet der Gemeinde Sulzbach-Laufen, Gemarkung Laufen, die südliche Teilfläche der Flurstücke 117 und 85, im Norden begrenzt durch das Wimbachsträßchen, im Nordwesten durch FW Nr. 10; Teile der Flurstücke 1/2 (Bach) und 3 (Bach) auf dem Gebiet der Gemeinde Gschwend, Gemarkung Wimberg von den Flurstücken 169, 164, 163, 133 einen 25 m breiten Streifen entlang des Großen Wimbachs (Flurstück 168) und einen 15 m breiten Streifen beidseits der Martinsklinge (Flurstück 162/1 Bach) von den Flurstücken 163, 138 und 133 in einer Länge von 75 m ab der Mündung.

Das Schutzgebiet endet im Osten in einer Entfernung von 125 m östlich der Mündung der Martinsklinge.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6.November 1980 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6. November 1980 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei den Landratsämtern Schwäbisch Hall und Ostalbkreis als untere Naturschutzbehörden in Schwäbisch Hall und Aalen. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung der aus naturkundlicher Sicht überaus wertvollen Schlucht im Keuperbergland mit zwei mehrere Meter hohen Wasserfällen, mit tiefen und breiten Gumpen, mächtigen Sandsteinblöcken, naturnaher Schluchtwaldvegetation und einem vielfältigen Pflanzenvorkommen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können,

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern oder das Wasser verschmutzen;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern sowie Dünger oder Chemikalien einzubringen;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        Feuerstellen einrichten und Feuer anzumachen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Erholungseinrichtungen aller Art zu erstellen;

14.        Benutzung von Tonwiedergabegeräten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß der Nadelholzanteil von 60 % nicht übersteigt. Er soll sich langfristig aus etwa 1/3 Fichte und 2/3 Tanne zusammensetzen. Der Anbau nicht heimischer Gehölzarten sowie flächenhafte Räumungen dürfen nicht durchgeführt, Dünger und Chemikalien nicht eingebracht werden;

3.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

STUTTGART, den 1. Juli 1982

DR. BULLING