1.103 Merklinger Ried

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Merklinger Ried« vom 2. Juli 1982 (GBl. v. 13.08.1982, S. 380).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) und § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes vom 15. März 1954 (GBI. S. 35) in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12.) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Weil der Stadt, Landkreis Böblingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt, Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Merklinger Ried«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 18,7 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 10. Mai 1982 auf dem Gebiet der Stadt Weil der Stadt, Gemarkung Merklingen, die Flurstücke, Gräben und Wege Nr.729/1, 729/2, 664, 665, 669/2, 670/1, 670/2, 728/2, 1052/1, 1052/2, 1052/3, 1053/1, 1053/2, 1053/3, 1054/1, 1054/2, 1055, 1057, 1058, 1060, 1062, 1063/1, 1063/2, 1064, 1066-1080, 1086, 1087-1094, 1095/1, 1095/2, 1096-1101, 1102/1, 1102/2, 1103, 1104, 1105/1, 1105/2, 1106-1112, 1113/1, 1113/2, 1114/1, 1114/2, 1115, 1116/1, die Feldwege FW 82, 83, 91, 92 sowie Teile der Wegparzellen 175 und 595.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Mai 1982 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Mai 1982 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Böblingen als untere Naturschutzbehörde in Böblingen. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung eines natürlichen Riedes, die Abwendung von Störungen und Beeinträchtigungen von einem seltenen Lebensraum für wildlebende Pflanzen und Tiere, insbesondere für zahlreiche Vogelarten sowie die langfristige Renaturierung von beeinträchtigten Teilbereichen des Riedes.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.       Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.       die Bodengestalt zu verändern;

4.       Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören; Zier- und Nutzgehölze insbesondere Nadelbäume aller Art anzupflanzen;

8.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.       die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.    zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.    außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.    ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.    zu angeln, zu baden, die Wasserfläche mit Booten zu befahren, Modellboote schwimmen zu lassen sowie die Eisfläche zu betreten und Schlittschuh zu laufen;

14.    nach dem 1. April 1984 die Jagd auszuüben;

15.    die Wege zu verlassen;

16.    die Feldwege FW 91 und FW 92 ab der östlichen Grundstücksgrenze der Flste. Nr. 1055 bzw. 1104 nach Westen hin zu betreten sowie den Feldweg FW 175 mit Fahrzeugen aller Art zu befahren.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a.    für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd bis zum 1. April 1984. Danach sind jagdlich erforderliche Maßnahmen einschließlich solcher zur Wildseuchenbekämpfung mit vorheriger Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde erlaubt;

b.    für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang unter Vermeidung von Mineraldüngern;

c.    für die Nutzung der waldähnlichen Anpflanzungen, der Gruppen- und Reihenpflanzungen von Waldbäumen ohne Nachpflanzung. Die Flst. Nrn.664, 1054/1 und 1055 sind von dieser Nutzung ausgenommen;

d.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

e.    für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

f.     für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Stuttgart, den 2. Juli 1982

Dr. Bulling