1113 Nordalbhänge: Ottenwang-Ungerhalde-Sommerberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet » Nordalbhänge: Ottenwang - Ungerhalde - Sommerberg« vom 29. März 1983 (GBl. v. 27.05.1983, S. 188).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654) sowie auf Grund von § 22 Abs.2 des Landesjagdgesetzes vom 15.März 1954 (GBI. S. 35) in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Dezember 1978 (GBl 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Deggingen, Landkreis Göppingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Nordalbhänge: Ottenwang - Ungerhalde - Sommerberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 95 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 7.Mai 1981 auf dem Gebiet der Gemeinde Deggingen, Gemarkung Deggingen, die Flurstücke Nr. 2427/1, 2427/2, 2466, 2467, 2468/1, 2468/2, 2472, 2497-2499, 2501/1, 2520/2, 2538-2540, 2560, 2561, 2751/1-2751/7, 2752, 2753, 2818 und die südliche Teilfläche des Flst.Nr. 2520/1 (0,08 ha), die östlichen Teilflächen der Flst.Nrn. 2501 (0,04 ha), 2502 (0,023 ha), 2504 (0,01 ha), 2505 (0,02 ha), die nördlichen Teilflächen der Flst.Nrn. 2473 (0,22 ha), 2491/1 (0,005 ha). 2491/2 (0,005 ha), 2492 (0,11 ha) sowie die südliche Teilfläche des Flst.Nr. 2616, die durch die Verbindung des südlichen Eckpunktes des Flst. Nr. 2576 mit dem Grenzstein 34 auf der östlichen Grenze des Flst. Nr. 2616 gebildet wird, und die südliche Teilfläche des Flst.Nr. 2183, die durch die Verbindung des westlichen Eckpunktes des Flst. Nr. 2882 mit dem südöstlichen Eckpunkt des Flst. Nr. 2619 entsteht.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 30. September 1981 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 30.September 1981 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Göppingen als untere Naturschutzbehörde in Göppingen. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist der Erhalt einer besonders vielgestalteten Lebensgemeinschaft, die Feuchtflächen mit Röhricht, Tuffbildungen, Kalkmagerrasen (Heide) mit Wacholdern, Steppenheidewald, Schluchtwald und vielgestaltige Felsbildungen mit jeweils entsprechend verschiedenen Tier- und Pflanzengesellschaften, teilweise sogar vom Aussterben bedrohter Arten, enthält.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, insbesondere Wasserläufe zu verändern;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen oder Feuerstellen einzurichten;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.               die Wege und das Gelände mit Fahrzeugen auch ohne eigene Triebkraft - zu befahren, davon ausgenommen ist das Fahren mit Fahrrädern auf Fahrwegen;

14.               zu reiten;

15.               Erholungseinrichtungen aller Art wie z. B. Ruhebänke, Kinderspielplätze und ähnliches anzulegen;

16.               Hängegleiter in Betrieb zu nehmen;

17.               auf Felsen zu klettern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß nicht einheimische oder landschaftsregional nicht verbreitete Tiere - auch Fasanen - nicht eingebracht werden dürfen;

2.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung sowie die kleingärtnerische Nutzung auf Flurstück 2499 in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Zulässig ist die Beweidung mit Schafen südlich der jeweils geradlinig bis zur Schutzgebietsgrenze verlängerten Südgrenze des FIst. Nr. 2616;

3.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe. daß Kahlhiebe von einer Größe über 50 ar unterbleiben und der jetzt vorhandene standortgemäße Laubmischwald erhalten bleibt. Fremdländische Baumarten und Nadelhölzer aller Art dürfen nicht eingebracht werden. Waldungen auf FIst. Nr. 2183 dürfen nur femelschlagartiger Bewirtschaftung unterzogen werden. Der im Teilbereich Ungerhalde als Fortsetzung des Feldwegs 91 angelegte Forstwirtschaftsweg darf eine Breite von 250 cm einschließlich etwaiger Nebenanlagen nicht überschreiten und ist als unbefestigter Erdweg zu belassen.

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten die Landschaftsschutzverordnung »Sommerschafweide auf der Nordalb im Rennhau und am Wacholderburren« des Landratsamts Göppingen vorn 27.Juni 1939, veröffentlicht im »Hohenstaufen« -Amtsblatt vom 6. Juli 1939, und die Landschaftsschutzverordnung »Auf der Nordostseite der Nordalb im Rennhau zwischen den zwei Wegen ein Stück Holzwiese« vom 2. November 1937, veröffentlicht in der Geislinger Zeitung vom 6.Novernber 1937, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Naturschutzverordnungen liegen.

Stuttgart, den 29. März 1983

Dr. Kiess