1.114 Eselsburger Tal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet » Eselsburger Tal« vom 26. Mai 1983 (Ges.BI.v.15.07.1983, S. 316).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs, 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Herbrechtingen und Gemeinde Gerstetten, Landkreis Heidenheim, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Eselsburger Tal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1)Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 318 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 9. Oktober 1981

auf dem Gebiet der Stadt Herbrechtingen, Gemarkung Bolheim, Flur Anhausen, die Flste. Nr. 34-39, 42-47, 48/2, 49/1, 49/2, 51/2, 51/3 sowie die südliche Teilfläche des Flst. 106;

auf Gemarkung Herbrechtingen, Flur Eselsburg die Flste. Nr.31/2, 41/1, 41/2, 42/1, 42/2, 43/1-43/15, 44,45/1, 45/2,46-52,54, 76/1, 76/2,147/1,174, 175/ 3-175/5, 176/2, 177, 178/1, 178/2, 179, 180, 182-186, 188-191, 192/2, 193/2, 193/3, 193/5-193/ 11, 193/13, 193/14, 194/1-194/3, 195, 195/1, 195/2, 196, 198, 199/2-199/10,200,201, 202/1, 202/2, 203/ 1-203/3;

 auf Gemarkung Herbrechtingen die. Flste. Nr. 468-470, 471/1, 471/2, 472/1, 472/2, 473-480, 481/1, 481/2, 482-484, 485/1-485/4, 486/1, 486/2, 487, 488, 489/1, 489/2, 490, 491, die westlich und südlich vom FW 52 und östlich von FW 54 liegende Teilfläche von Flste, Nr.492, 493, 495, 496, 505/1, 505/2, 567, 568, 571-596, 600-610, 614-616, 618-620, 622-641, 643-686, 688, 690-697, östliche Teilfläche des Flst. Nr. 812, südliche Teilfläche des Flst. Nr. 977/1, 978, 995, 1036/1-1036/6, 1302-1336, 1429-1451, 1452/1, 1452/2, 1453-1471, 1535, 1577/2, 1577/3,1577/10-1577/26, westliche Teilfläche des Flst. Nr. 1577/27, 1637, 1638, 1766/1, 1766/2, 1772,1775-1778 und

auf dem Gebiet der Gemeinde Gerstetten, Gemarkung Dettingen, die Flste. Nr. 1320, 1321, 1360, 3499, 3507-3513, 3514/1, 3514/2, 3515/1, 3515/2, 3516, 3519-3526, 4020-4022, 4025.

Alle innerhalb der oben beschriebenen Fläche verlaufenden Wege, Bäche und Gräben zählen zum Schutzgebiet.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 26. Mai 1983 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 26. Mai 1983 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Heidenheim als untere Naturschutzbehörde in Heidenheim. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden dort eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung einer geologisch interessanten Brenztalschlinge mit einer Vielzahl wertvoller Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten, dem Vorkommen vieler vom Aussterben bedrohter Arten und einem Massenvorkommen von geschützten Pflanzenarten. Hangwälder, Heideflächen, die Talaue der Brenz mit Feuchtgebieten und eine große Anzahl zum Teil überregional bekannter Felsbildungen prägen den besonderen landschaftlichen Reiz.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.               Erholungseinrichtungen aller Art anlegen;

14.               Wege oder Pfade innerhalb der Waldflächen zu verlassen;

15.               Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

16.               die innerhalb des Waldes gelegenen Felsen zu beklettern;

17.               Hängegleiter in Bewegung zu setzen;

18.               innerhalb der Wald- und Heideflächen sowie der Feuchtgebiete Chemikalien und Dünger, auch mineralischer Art, einzubringen;

19.               Befahren der Heide mit Fahrzeugen aller Art;

20.               das Reiten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der Brenz und im FIst. Nr. 1535 (Eisweiher) sowie für die ordnungsmäßige Fischerei im Altarm der Brenz im Gewann Bindsteiner Wert in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß kein Grünland in Ackerland umgebrochen wird;

4.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
- Kahlschläge größer als 0,3 ha unterbleiben
- die jetzigen Anteile der Hauptbaumarten am Bestockungsaufbau erhalten bleiben
- Nadelhölzer mit Ausnahme von Eibe und Wacholder sowie fremdländische Gehölze nicht eingebracht werden
- die Durchführung der forstlichen Arbeiten in den auf Gemarkung Dettingen liegenden Waldflächen auf die Zeit vom 1. September bis 15. Februar beschränkt wird und die Durchführung der forstlichen Arbeiten in den übrigen Waldflächen auf die Zeit vom 1. September bis 1. März beschränkt wird.

5.   für das Beklettern des Bindsteinfelsens und das Betreten der Waldflächen in einer Umgebung von 20 m, für das Beklettern des Falkensteins und das Betreten der Waldflächen in einer Umgebung von 20 m in der Zeit vom 15. Juli bis 3 1. Dezember sowie für das Betreten der keltischen Wälle auf der Hochfläche des Buigen;

6.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

7.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

8.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen,

 

(2) Das Reiten ist auf den in der Talaue verlaufenden Wegen einer Verbindung entlang der B 19 sowie einem Verbindungsweg zwischen der Talaue und der Domäne Falkenstein, die in der Natur gekennzeichnet und in der Karte braun dargestellt sind, zulässig.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung »Eselsburger Tal mit Buigen und angrenzenden Geländeteilen« des Landratsamts Heidenheim vom 20. März 1978, veröffentlicht im Gesetzblatt 1978 S. 204, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

Stuttgart, den 26. Mai 1983

Dr. Bulling