1.116 Bärentobel

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Bärentobel« vom 10. Oktober 1983 (GBl. v. 11.11.1983, S. 658).

 

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl S. 654), geändert durch das Verkündungsgesetz vom 11. April 1983 (GBl S. 131), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Uhingen, Landkreis Göppingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Bärentobel«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 9,8 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 13. August 1982 auf dem Gebiet der Gemeinde Uhingen, Gemarkung Nassach, Gewann Bärentobel, eine 80 m breite östliche Teilfläche des Flst. Nr. 90 entlang des Baches Nr. 7, im Norden begrenzt durch Flst. Nr. 7 10/ 39 (Weg), im Süden begrenzt durch Bach Nr. 8, Bach Nr. 7; auf Gemarkung Holzhausen, Gewann Lange Gehrn und Eichhäule die westliche Teilfläche von Flst. Nr.770a entlang des Baches Nr.3, begrenzt nach Osten durch Flst. Nr. 770 e (Weg), sowie im Süden in Verlängerung von Bach Nr. 4 auf eine Länge von100m entlang des FIst. Nr. 770c (Weg) eine 50m breite Richtung Osten verlaufende Teilfläche, Bach Nr. 3 und 4.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 13. August 1982 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 13. August 1982 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt in Göppingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung der sehr wertvollen Schlucht im Schurwald, einschließlich ihrer Seitenklingen, mit ihren Felsbildungen und ihrer naturnahen, artenreichen Pflanzenwelt.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlügen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen, Tonwidergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

13.               Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

14.               Dung und Chemikalien einzubringen;

15.               zu reiten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß die bestehenden Wege- und Wasserverhältnisse nicht geändert werden, der Schluchtwaldcharakter gefördert wird, der Nadelholzanteil langfristig 60% nicht übersteigt, der Anbau nichtheimischer Gehölzarten unterbleibt und Dünger oder Chemikalien nicht eingebracht werden; flächenhafte Räumungen zur Umwandlung in Schluchtwald (Esche, Ahorn, Ulme, Erle) sind bis zu einer Größe von 0,3 ha zulässig;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr., 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung »Nassachtal« des Landkreises Göppingen vom 6. September 1982, veröffentlicht am 22.September 1982 in der NWZ Göppinger Kreisnachrichten und Geislinger Zeitung NWZ außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 10. Oktober 1983

Dr. Bulling