1.125 Enzaue bei Roßwag und Burghalde

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Enzaue bei Roßwag und Burghalde« vom 11. September 1984 (GBl. v. 16.11.1984, S. 609).

 

Auf Grund von § 2 1, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Vaihingen an der Enz, Landkreis Ludwigsburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Enzaue bei Roßwag und Burghalde«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 70,4 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 30.August 1984 auf dem Gebiet der Stadt Vaihingen an. der Enz, Markung Roßwag, die Gewanne Neuwiesen, Entenwiesen, Langwiesen, Pfingstweide, Unter dem Rain, Schloß­wiesen, Dürrwiesen nördlich der Enz sowie östlich der Enz die Wiesenaue und den »Großen Wald« und südwestlich der Enz die Wiesenaue auch beim Gewann Weidach einschließlich der Enzuferbereiche.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 30.August 1984 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 30. August 1984 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Ludwigsburg in Ludwigsburg und beim Bürgermeisteramt der Stadt Vaihingen an der Enz auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung des durch Wiesen, Einzelbäume und Baumgruppen geprägten Charakters der Enzaue sowie die Sicherung wertvoller Pflanzenstandorte in der »Burghalde« und am bewaldeten Enzufer durch entsprechende Nutzungsweise. Der Fluß und die Uferbereiche sollen ihren naturnahen Charakter beibehalten.

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.   Gewässer zu verunreinigen;

6.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.               die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

11.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.               Wohnboote zu verankern;

13.               Feuer anzumachen;

14.               Tonwiedergabegeräte zu benutzen;

15.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.   für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe,
a) daß kein Grünland in Ackerland umgewandelt wird;
b) daß Ufergehölze nur auszugsweise auf den Stock gesetzt werden;
c) daß die »Burghalde« als lichter Kiefernwald (Pinus sylvestris) mit beigemischten Laubhölzern bewirtschaftet wird;
d) daß der Hangwald am südlichen Enzufer (Flst. 4169 - 4172, 4264 - 4269) als Laubwald (vorherrschend Rot- und Hainbuche, Bergahorn, Esche) bewirtschaftet wird;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

(2) Auf den befestigten Feldwegen (Flst. 700 und 4150) ist das Reiten und Fahren mit bespannten Fahrzeugen zulässig.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung »Enztalschlinge« des Landratsamts Vaihingen vom 15. Januar 1949, veröffentlicht im Kreisamtsblatt Vaihingen vom 22. Januar 1949 und das Naturdenkmal »Enzaltwasser« des Landratsamts Ludwigsburg vom 7. Juli 1983, veröffentlicht am 15. Juli 1983 in den Tageszeitungen des Landkreises Ludwigsburg, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 11. September 1984

Dr.Bulling