1.142 Hirschäcker

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Hirschäcker« vom 24. März 1986 (GBl. v. 16.05.1986, S. 164).

 

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl S. 199), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Winterbach, Rems-Murr-Kreis wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hirschäcker«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 14,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 12. Juli 1985 auf dem Gebiet der Gemeinde Winterbach, Gemarkung Winterbach die Flurstücke 4849-4859, 4927-4970, 4985, WF 263, Bach 11 1/2, Teilflächen der Flurstücke 4182, 4972, 4976-4979, 4984, 4986, 4987, 4989, 4990, 4991, 4992, 4995-4997, 5000-5002, 5005/2, 5005/3, 5006/1, 5110, WGr 38, FW 146, Bach 12; auf dem Gebiet der Gemarkung Engelberg 31/1-31/8, 63-67/2, 68/1-68/14, Bach 1 und Teilflächen der Flurstücke 27/3, 27/6, 30/2, 30/ 3, 50, 51/3, 90/1; auf dem Gebiet der Gemarkung Manolzweiler eine Teilfläche des Flurstücks 286.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12. Juli 1985 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12. Juli 1985 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis in Waiblingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Abs. 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung eines extensiv genutzten landschaftstypischen Streuobstbestandes mit mehreren Feuchtflächen, artenreichen Wiesen, dem angrenzenden Waldtrauf mit altem Baumbestand und einer naturnahen Bachklinge als Lebensraum zahlreicher seltener und besonders gefährdeter Pflanzen und Tiere.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören:

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.               Spiel-, Sport-, Freizeitanlagen zu errichten, Flug- oder Schiffsmodelle in Betrieb zu nehmen;

14.               das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, die nicht der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung dienen;

15.               fremdländische Gehölze sowie Nadelgehölze anzupflanzen;

16.               Hunde unangeleint laufen zu lassen;

17.               Pflanzenschutzmittel (Biozide) und Chemikalien auszubringen;

18.               Obstbäume ohne vernünftigen Grund zu fällen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 Abs. 1 und 2 Nr. 1- 16 gelten nicht für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß für gefällte Obstbäume innerhalb eines Jahres hochstämmige Obstbäume nachgepflanzt werden müssen. Nachgepflanzte Obstbäume können bis zu 5 Jahre nach der Pflanzung, soweit erforderlich, mit möglichst nützlingsschonenden Blattlausbekämpfungsmitteln behandelt und gedüngt werden sowie gegen Wildverbiß geschützt werden.

 

(2) § 4 gilt insbesondere nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß entlang des Mönchsklingenbachs und des Waldtraufs ein standortgerechter Laubwald aus heimischen Gehölzen zu erhalten und nur einzelstammweise zu nutzen ist;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden,

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 4. November 1968, veröffentlicht im Amtsblatt für den Landkreis Waiblingen am 17. Dezember 1968, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 24. März 1986

Dr. Kiess