1.143 Wernauer Lehmgrube

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Wernauer Lehmgrube« vom 15.April 1986 (GBl. v. 06.06.1986, S. 176).

 

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl S. 199), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Wernau, Landkreis Esslingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Wernauer Lehmgrube«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 5,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 27. März 1985 auf dem Gebiet der Stadt Wernau, Gemarkung Steinbach, die Flurstücke 821, 821/4 und 822.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Sicherstellung und Erhaltung einer im fortgeschrittenen Sukzessionsstadium befindlichen und überaus vielgestaltigen Fläche mit Trocken- und Naßstreifen, Gehölzbestand, Wasserflächen, offenen Bereichen und Steilhängen. Diese verschiedenen Bestandteile ergänzen sich zu einer ökologisch wertvollen Ausgleichsfläche im ortsnahen Bereich und bilden den Lebensraum zahlreicher und besonders gefährdeter Tiere, vor allem für Reptilien, Amphibien, Vögel und Insekten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   Art und Maß der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, insbesondere Grünland in Acker umzuwandeln;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, motorgetriebene Schlitten oder Geländefahrzeuge jeglicher Art zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte zu benutzen;

13.               Flug- oder Schiffsmodelle in Betrieb zu nehmen;

14.               das Betreten des Naturschutzgebietes mit Ausnahme gekennzeichneter Pfade;

15.               zu baden, die Wasserfläche zum Waschen, Schöpfen, Tränken, Schwemmen oder zum Schlittschuhlaufen zu benutzen;

16.               die Wasserfläche mit Booten, auch ohne eigene Triebkraft, mit Flößen, Luftmatratzen oder dergleichen zu befahren;

17.               Hunde frei laufen zu lassen;

18.               Erholungseinrichtungen anzulegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

2.   für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung, ausgenommen Handlungen gemäß § 4 Abs. 2 Ziffer 13 - 16;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart zur einstweiligen Sicherstellung der Wernauer Lehmgrube vom 12. März 1984 außer Kraft.

 

Stuttgart, den 15. April 1986

Dr. Bulling