1.148 Unteres Tal / Haldenrain

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde Über das Naturschutzgebiet »Unteres Tal/Haldenrain« vom 26.Januar 1987 (GBl. v. 20.03.1987, S. 69).

 

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 195) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Ingersheim und Mundelsheim, Landkreis Ludwigsburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Unteres Tal/Haldenrain«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 18,5 ha.

Es umfaßt nach dem Stand vom 3.September 1984

auf dem Gebiet der Gemeinde Ingersheim, Markung Kleiningersheim, die Flurstücke 418-443, 501/1-501/4, 502-505, Teilstücke der Flurstücke 320 (Fw) und 420/1 (Fw) sowie Teilstücke der Flurstücke 408 (Neckaruferbereich) und 1283 (Wald);

auf dem Gebiet der Gemeinde Mundelsheim die Flurstücke 5817/1 und /2, 5818. 5819/1 und /2, 5820-5834, 5835/1 und /2, 5836-5846, 5847/1 und /2, 5848-5867, 5868/1 und /2, 5869-5874, 5875/1 und /2 sowie einen Teil des Flurstücks 5807/2 (Weg).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Februar 1986 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Februar 1986 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Ludwigsburg in Ludwigsburg und beim Bürgermeisteramt Bietigheim-Bissingen in Bietigheim-Bissingen auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Abs. 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung einer artenreichen, gebietsspezifischen Tier- und Pflanzenwelt auf dem ehemaligen Kiesgrubengelände im »Unteren Tal« sowie die Sicherung der angrenzenden Waldungen am Steilhang als artenreiche Laubwälder mit extensiver Nutzung und als Lebensräume der charakteristischen Flora und Fauna.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören,

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               die Feldwege Flst. Nr. 320 und 420/1 (Markung Kleiningersheim) sowie 5807/2 (Markung Mundelsheim) und den Fußpfad entlang des Neckarufers im Gewann Halden zu verlassen;

11.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.               Feuer anzumachen;

13.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

14.               Chemikalien einzubringen;

15.               Erholungseinrichtungen zu erstellen;

16.               Modellflugzeuge, Hängegleiter oder Ultraleichtflugzeuge in Betrieb zu nehmen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die vorhandene Baumartenzusammensetzung (vorherrschend Eiche, Bergahorn, Rotbuche, Hainbuche, eingestreut Sommerlinde, Bergulme, Kirsche, Esche) erhalten und gefördert wird; die Bewirtschaftung soll dauerwaldartig erfolgen;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des §64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die

 Landschaftsschutzverordnung »Neckargebiet« des Landratsamtes Ludwigsburg vom 21.Juli 1967, veröffentlichtam21.Juli1967, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 26. Januar 1987

Dr. Bulling