1.151 Morgensand und Seelachen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Morgensand und Seelachen« vom 10.Juni 1987 (GBl. v. 18.08.1987, S. 276).

 

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199) und § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl 1979, S. 12), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Schorndorf und der Gemeinde Urbach, Rems-Murr-Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Morgensand und Seelachen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 40,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 16. September 1985

auf dem Gebiet der Stadt Schorndorf, Gemarkung Haubersbronn, die Flurstücke Nm. 662/2, 664-670, 2363/2, 2368, 2370/2, 2372, 2373, 2374/1, 2375/2, Teilflächen auf Flst. Nm. 671, 672, FW 45/4, FW 108, FW 111, Bach 3, Fluß 1, Bahn 2, Gemarkung Schorndorf die Flurstücke Nm. 2788, 2789, Teilflächen der Flurstücke Nrn. 2512, 2588/1, FW 417, Fluß 1, Fluß 2, Fluß 6, Bahn 3,

auf dem Gebiet der Gemeinde Urbach, Gemarkung Oberurbach die Flurstücke Nrn. 3484-3491, 3492/1, 3539-3548, 3554-3588, 3590/1,3590/2,3591/2,3675/1,3676,3679/2,3680/2, 3681, 3683, 3687/2, 3693-3695, 3697-3708/2, 3714-3768, 3770-3782, 3784, 3796-3803, 3825-3844, 3846-3850, 3869, FW 194, WF 486, WF 488 und die Teilflächen auf Flst. Nrn. 2795/3, 3492/ 2-3497, 3589, 3590, 3591/3, 3592/1, 3665/1, 3668, 3670-3674, 3675/2, 3677, 3678, 3679/3, 3680/1, 368V1, 3,682, 3683/2, 3684/2, 3685/1, 3685/2, 3686, 3687/1, 3688-3692, 3785/1, 3785/2, 3786, 3789, 3790-3792, 3804-3806, 3807/1, 3807/2, 3808, 3809, 3810/1, 3810/2, 3811, 3861-3868, 3875/1, 3882, 3883, 3890/1-3895, FW 42/2, FW 48, FW 484, Vic.W 6/2, WF 483i WF 485, WF 487/2, Fluß 1.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 16. September 1985 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 16. September 1985 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis in Waiblingen und bei der Stadt Schorndorf als große Kreisstadt auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Abs. 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung eines vielfältigen Lebensraumes in der Talaue der Rems mit einem Abschnitt deren Laufes, dem naturnah mäandrischen Unterlauf der Wieslauf, mehreren Baggerseen sowie Wiesen-, Gehölz- und Sukzessionsflächen und die Bewahrung der vorhandenen und künftig sich ansiedelnden Flora und Fauna vor Beeinträchtigungen und Störungen aller Art.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

13.               Düngemittel oder Chemikalien auszubringen;

14.               den ehemaligen Kiesabfuhrweg zwischen dem Vic. Weg 6 /1 und der Verbindung zum FW 42 / 2 mit Motorfahrzeugen zu befahren;

15.               zu baden, mit Booten aller Art, Flößen, Luftmatratzen usw. die Wasserflächen zu befahren, Modellboote zu Wasser zu bringen, Flugmodelle fliegen zu lassen;

16.               Hunde unangeleint laufen zulassen;

17.               die Eisflächen zu betreten;

a)   die Wege mit Ausnahme der Pfade um See V zu verlassen;
b) die Pfade am Südufer von See IV in der Zeit vom 15.März bis 31.Juli eines jeden Jahres zu verlassen;

18.               im Gelände amtlich besonders kenntlich gemachte Wege zu betreten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß von den Wasserwildarten nur die Stockente und diese nur an der Rems bejagt werden darf; im Remsabschnitt zwischen der Ostgrenze des Flst. Nr. 3743 und der Westgrenze des Flst. Nr. 3779 (Gemarkung Urbach) darf die Jagd auf die Stockente nur im Oktober erfolgen. Treib- und Gesellschaftsjagden sowie der Bau von Jagdeinrichtungen sind im gesamten Naturschutzgebiet unzulässig.

2.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei unter Beachtung nachstehender Einschränkungen:
See V:
Die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art (Angelfischerei vom Ufer aus mit Ausnahme der Schilfzone am Nordufer) und im bisherigen Umfang ist zulässig mit der Maßgabe, daß in der Vogelbrutzeit vom 15. März bis 31.Juli jeden Jahres Beeinträchtigungen des Brutablaufes zu vermeiden sind.
See IV:
Die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art (Angelfischerei vom Ufer aus mit Ausnahme des Nordufers einschließlich der nordöstlichen Seebucht in den jeweils markierten Räumen ganzjährig und der südwestlichen Eckzone in der Zeit vom 15. März bis 30. Juni) und im bisherigen Umfang ist zulässig mit der Maßgabe, daß in der Vogelbrutzeit vom 15. März bis 31. Juli jeden Jahres Beeinträchtigungen des Brutablaufes zu vermeiden sind.
See III und II:
Es sind nur unabdingbar erforderliche Kontroll- und Hegemaßnahmen an insgesamt höchstens acht Tagen in den Monaten August und September und insgesamt höchstens acht Tagen in den Monaten Oktober und November durch maximal zwei gleichzeitig anwesende Angler je See zulässig. Das Angeln vom Südufer der Seen ist nicht zulässig.
Rems:
Die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß in der Vogelbrutzeit vom 15.März bis 31.Juli jeden Jahres Beeinträchtigungen des Brutablaufes zu vermeiden sind, ist zulässig, ausgenommen zwischen der Ostgrenze des Flurstückes Nr. 3743 und der Westgrenze des Flurstückes Nr. 3779, Gemarkung Urbach, in dessen Abschnitt nur unabdingbare Kontroll- und Hegemaßnahmen in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. Oktober jeden Jahres zulässig sind.
Wieslauf:
Die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß in der Vogelbrutzeit vom 15.März bis 31.Juli jeden Jahres Beeinträchtigungen des Brutablaufes zu vermeiden sind, ist zulässig.
An allen Gewässern ist der Bau oder das Aufstellen von Einrichtungen und Unterständen untersagt.

3.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege ausgenommen Handlungen gemäß § 4 Ziffer 15 sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für das Überfliegen des im Flugsektor gelegenen Teiles des Naturschutzgebietes mit Segelflugmodellen sowie motorgetriebenen Flugmodellen in einer Mindesthöhe von 100 m ausschließlich zum Landeanflug;

6.   für Pflegemaßnahmen und Gestaltungsmaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten der Verordnung treten folgende Verordnungen außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegen:

Naturdenkmalverordnung des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 30. Juli 1974, Ziffer 18c, alter Baggersee auf Flst. Nr. 3706 (einschließlich Ufergehölz) im Gewann »Seelachen« Markung Oberurbach, Gemeinde Urbach, veröffentlicht im Amtsblatt für den Rems-Murr-Kreis vom 3. August 1974, Nr. 3 1.

Naturdenkmalverordnung des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 23. August 1979, Ziffer 213, Remslauf zwischen Oberer Brücke und Markungsgrenze, veröffentlicht in den im Rems-Murr-Kreis herausgegebenen Tageszeitungen vom 14. September 1979.

Naturdenkmalverordnung des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 17. August 1981, Ziffer 132, Trauerweide und Robiniengruppe, veröffentlicht in den im Rems-Murr-Kreis herausgegebenen Tageszeitungen am 2. September 1981.

Landschaftsschutzverordnung »Remsaue mit Linsenberg« des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 16.August 1982, veröffentlicht in den im Rems-Murr-Kreis herausgegebenen Tageszeitungen vom 20. August 1982.

 

Stuttgart, den 10. Juni 1987

Dr. Bulling