1.152 Oberes Lenninger Tal mit Seitentälern

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Oberes Lenninger Tal mit Seitentälern« vom 1. Juli 1993 (GBl. v. 31.08.1993, S. 553).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Lenningen, Landkreis Esslingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Oberes Lenninger Tal mit Seitentälern«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 593 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 4. November 1991 auf dem Gebiet der

Gemeinde Lenningen, Gemarkung Gutenberg, Flur 0 (Gutenberg), die Flurstücke Nrn.:
18 (teilweise), 23 (teilweise), 52 Lauter (teilweise), 65 (teilweise), 73 (teilweise), 75/1 (teilweise), 75/2 (teilweise), 76 (teilweise), 77 (teilweise), 81/1, 8112,82-86, 87 Weg, 89, 90, 92, 97, 98, 100, 101 (teilweise), 106 Weg (teilweise), 107 Weg, 108 Weg, 109 Seebach (teilweise), 117-124, 125 Lauterursprung, 126, 127/1, 127/2, 128/1, 128/2,129-142,143 Weg, 144-155, 157, 158/1, 159, 184, 185/1, 185/2, 195, GV 195/1 (teilweise), 212 (teilweise) (B 465), 254, 255, 256 (teilweise), 258-262, 264 (teilweise), 613-619, 620/1, 642 Weg, 658 (teilweise), 659-661, 66211, 662/2, 663-665, 699, 700, 701, 712, 717 (teilweise), 719 Edelsbach (teilweise), 850 Donntalbach (teilweise), 850/1, 868-870, 871 Weg, 871/1, 871/2, 872-874, 875 Weg, 875/2, 876, 893/2, 894, 898, 899/1, 899/2, 900, 900/145, 90111, 901/2, 902, 903/3, 903/4, 904-914, 915 Weg, 916, 918-921, 922/1, 922/2, 923, 924, 925/1, 925/2, 926-931, 932/1, 933/1-933/2, 93313 Weg, 934, 935/1, 935/2, 936, 937, 939-944, 946-949, 950 Weg, 951-953, 954/1, 954/2, 955, 956 Weg, 958, 959 Donntalbach, 961 Donntalbach, 960, 962-965, 966 Weg, 967-975, 97611, 976/2, 977/1, 977/2, 978-983, 984 Weg, 984/1, 985, 986, 987/1-/4, 988/1-/2, 989-991, 992/1, 992/2, 993, 994/1, 994/2, 995-1000, 1002-1006, 1007/1, 1007/2,1008,1009, 1010Weg, 1011/1-/3,1012/1,1012/2, 1013/1, 1013/2, 1014, 1016/1-/4, 1016/7, 1017, 1018/1, 1018/2, 1019, 1020, 1021/1, 1021/2, 1022, 1023 Weg, 1023/1, 1023/2, 1024, 1025, 1026, 1027/1,1027/2,1028/1, 1028/2, 1029/1, 1031/1, 1031/2, 1031/3,1201 Weg, 1201/1 Weg, 1201/2 Weg, 1203/1, 1203/2 (teilweise), 1204, 1209 Weg, 1213 Weg (teilweise), 1260 Weg (teilweise), Gebäude Schillerstraße 7 (teilweise);

Gemeinde Lenningen, Gemarkung Oberlenningen, Flur 1 (Schlattstall), Flst.-Nrn:
7 Weg (teilweise), 7/1 Weg, 14, 16 Schwarze Lauter-(teilweise), 35, 41/2, 42, 43, 45, 46, 79, 97 Weg (teilweise), 99/1-/3, 100-102, 103/2, 104, 105/1-/3, 106/1, 106/4, 107/1, 108-111, 112/1-/3, 113, 114 Seltenbach (teilweise), 115, 116/1, 116/2-/5 Wege, 117/1-/13, 119/1, 119/2,120, 121, 122/1-/3, 124-126, 127 (teilweise), 130/1, 130/3, 130/4, 131, 132, 133/1, 133/2, 134, 135/2, 136-141, 142/1-/3, 143-149, 150/1-/3,151-153, 154/1, 154/2, 155-157, 160/1, 161, 162/1, 162/2, 170-177, 178/2 Weg (teilweise), 181/2, 181/3, 257/1 (teilweise), 257/9 L 1211 ( teilweise), 268/1, 268/2, 269-277, 278/1, 278/2, 279, 280 Weg (teilweise), 282 Weg, 283-290, 291/1, 291/2, 292, 293, 294/1, 294/2, 295/1, 295/2, 296-299, 300/1, 300/2, 301, 302/1-/4, 303/1-/3, 304/1, 304/2, 305-308, 309/1-/4, 310/1, 310/2, 311-315, 316/1-/3, 317, 322, 323, 324/1-/3, 325-336, 337/1-/3, 338, 339, 340/1, 340/2, 341-354, 355/1, 355/2, 356, 357, 358/1, 358/2, 359-363, 36511, 365/2 Weg (teilweise), 365/3 Weg.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 4. November 1991 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und rot angeschummert sowie in einem Flurkartensatz (Blätter 1 bis 4) des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 4. November 1991 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Esslingen in Esslingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung Im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

a) die Erhaltung eines zusammenhängenden, naturnahen Gebietes mit zahlreichen verschiedenartigen Lebensräumen seltener und zum Teil vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten;

b) die Erhaltung des von natürlichen Laubwäldern, Wiesenauen, Felsen, Heiden, Feuchtgebieten und Quellen geprägten Landschaftsbildes;

c) die Erhaltung eines Gebietes von großer höhlenkundlicher Bedeutung.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten. die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Felsblöcke oder Steine zu entfernen;

5.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.   Gewässer anzulegen, zu verunreinigen oder auf sonstige Weise die Wasserqualität nachteilig zu verändern, insbesondere verunreinigtes Wasser einzuleiten;

7.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

8.   Loipen anzulegen;

9.   Chemikalien auf Heideflächen einzubringen;

10.               das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, die nicht der land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung dienen;

11.               Abfälle oder sonstige Gegenstände zulagern;

12.               Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

13.               Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

14.               Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

15.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

16.               Feuerstellen anzulegen oder Feuer außerhalb von behördlich eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen anzumachen;

17.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

18.               Erholungseinrichtungen, mit Ausnahme von Holzbänken, zu erstellen;

19.               Wege oder Pfade im Bereich der Wälder und Heiden zu verlassen; durch behördliche Anordnung und entsprechende Beschilderung verfügte weitergehende Betretungsverbote sind zu beachten;

20.               im Bereich der Heiden außerhalb von Wegen sowie im Bereich der Wälder außerhalb von mindestens zwei Meter breiten Wegen mit dem Rad zu fahren; durch behördliche Anordnung und entsprechende Beschilderung verfügte, weitergehende Verbote des Radfahrens sind zu beachten;

21.               das Klettern;

22.               Luftfahrzeuge aller Art zu starten oder zu landen;

23.               das Reiten mit Ausnahme auf dem in der Übersichtskarte braun angelegten Weg (»Strohweiler Steige«, Flurstück Nr.7/1);

24.               Modellboote zu Wasser zu bringen;

25.               Hunde im Bereich der Wälder oder Heiden unangeleint laufen zu lassen;

26.               Höhlen mit Fackeln oder anderen rauchenden Lichtquellen zu begehen, Gesteins- oder Tropfsteinbildungen zu entfernen oder zu beschädigen, die Höhlen zu bemalen oder zu verschmutzen; durch behördliche Anordnung und entsprechende Beschilderung verfügte weitergehende Betretungsverbote sind zu beachten;

27.               das Betreten der Felsköpfe im Bereich der Felsmassive Reiterfelsen, Büblesfelsen sowie MädIesfelsen;

28.               die Beschädigung der Felsen zum Zwecke des Kletterns.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit den Maßgaben, daß
a) kein Grünland in Ackerland umgebrochen wird;
b) Heideflächen nicht gedüngt werden;.
c) keine Intensivobstanlagen angelegt werden;
d) die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 (BGBl. 1 S. 1196), geändert durch die Änderungsverordnung vom 22. März 1991 (BGBl. S. 796), zu beachten sind;

3.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit den Maßgaben, daß
a) die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 (BGBl. I S. 1196), geändert durch die Änderungsverordnung vom 22. März 1991 (BGBI. S. 796), zu beachten sind;
b) das Schonwaldgebiet »Schröcke« entsprechend der Schonwalderklärung der Forstdirektion Stuttgart vom 29. September 1983 bewirtschaftet wird;
c) das Schonwaldgebiet »Donntal« entsprechend der Schonwalderklärung der Forstdirektion Stuttgart vom 9. Dezember 1974 bewirtschaftet wird;
d) im übrigen Gebiet
- die naturnahe, standortgerechte Laubholzbestockung erhalten und gefördert wird und dabei Naturverjüngung angestrebt wird;
- mit Ausnahme von Eibe kein Anbau von Nadelholz erfolgt;
- Waldwege nur im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium angelegt werden;
- Erholungseinrichtungen, mit Ausnahme der in § 4 Abs. 2 Ziff. 18 genannten Holzbänke, nicht erstellt werden;

4.   für das Betreten und Klettern
a) am Kompostfelsen (Teile des Flst. Nr.66211 und Teile des Flst. Nr. 663);
b) an der Schwarzen Wand (Teile des Flst. Nr.661) ohne Ausstieg auf den Felskopf;
c) an der Kesselwand (Teile des Flst. Nr. 661) mit den Ausstiegen
- »Alte Kesselwand« (Route 25 im Kletterführer von Pasold: »Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987);
- »Knödlerausstieg« (Route 28 im Kletterführer von Pasold: »Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987);
- »Briefkästle« (Route 36 im Kletterführer von Pasold: »Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987);
- »Teddy Platte« (Route 37 im Kletterführer von Pasold: » Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987);
- »Gipserriß« (Route 46 im Kletterführer von Pasold: »Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987);
 -»Land in Sicht« (Route 52 im Kletterführer von Pasold: »Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987), der Zugang darf lediglich vom Felskopf her erfolgen;
- »ATP« (Route 27 im Kletterführer von Pasold»Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987);
d) an den Stellfelsen im Donntal (Teile des Flst. Nr. 1203/2) mit Ausnahme des Kletterns westlich der Route 1, »großer Quergang«, (Kletterführer von Pasold: »Klettern auf der Lenninger Alb«, Ausgabe 1987);
e) an der Sylphenwand (Teile des Flst. Nr. 661) ohne Ausstieg auf den Felskopf;

5.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung angeordnet werden;

7.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungspflicht in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten die Verordnungen des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Oberes Lenninger Tal mit Seitentälern« vom 2.Juli 1987 (GBI. S.321) und vom 5.November 1992 (GBI. S.45) außer Kraft.

 

Stuttgart, den 1.Juni 1993

Dr. Andriof