1.156 Stettener Bach

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Stettener Bach« vom 12. September 1990 (GBl. v. 09.11.1990, S. 324).

 

Auf Grund von § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch die 3.Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 13. Februar 1989 (GBI. S. 101), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Esslingen und der Gemeinde Aichwald, Landkreis Esslingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Stettener Bach«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 49,6 ha. Das Naturschutzgebiet umfaßt das bewaldete Tal des Stettener Baches mit Seitenklingen von der Quelle bis zum Austritt in die offenen Wiesen an der Kreisgrenze Esslingen, Rems-Murr-Kreis.

 Es umfaßt nach dem Stand vom 3. August 1988 folgende Gewanne und Teile von Gewannen: Schreiershau, Roßkopf, Ettenfürst, Bachwiesen, Braunhalde, Birkengehren.

 Es umfaßt nach dem Stand vom 3. August 1988

auf dem Gebiet der Stadt Esslingen, Gemarkung Esslingen, die Flurstücke Nrn.3153/1 (teilweise), 3160, 3163/1, Bach 8, 20578, 28578, 20547 (teilweise), FW58811 (teilweise), 20580, FW 575, 20584 (teilweise), 20586, 20587, 20597, 20599, 20601, 20606 (teilweise);

auf dem Gebiet der Gemeinde Aichwald, Gemarkung Schanbach, die Flurstücke Nrn.1131/2, 113211 (teilweise), 1133/1 (teilweise), 1132 (Bach 2);

auf dem Gebiet der Gemeinde Aichwald, Gemarkung Schanbach, Flur 1 (Lobenrot), die Flurstücke Nm. 392/2 (teilweise), 393,394/1,394/2,394/3,395,396, Bach 1, 392, FW 41 (teilweise), FW 43 (teilweise), FW 44 (teilweise).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 3. August 1988 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte (Blätter 1 und 2) des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 3. August 1988 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Esslingen in Esslingen und beim Bürgermeisteramt Esslingen in Esslingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung einer landschaftlich und biologisch wertvollen, naturnahen Keuperklinge im Schurwald. Die Schluchtwaldfauna und -flora soll erhalten und gefördert werden. Der Stettener Bach und seine unmittelbare Umgebung sind als Lebensraum für gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schützen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alte Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabung, Auffüllung oder Aufschüttung;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.               Erholungseinrichtungen anzulegen;

14.               das Naturschutzgebiet außerhalb von Wegen und gekennzeichneten Pfaden zu betreten;

15.               Hunde außerhalb von Wegen und gekennzeichneten Pfaden laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Bewirtschaftung des Schonwaldgebiets entsprechend der Schonwalderklärung vom 15. April 1986 erfolgt;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen, Wege und der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß der Stettener Bach mit seinen Seitenzuflüssen von Verbauungen und Uferbefestigungen freigehalten wird;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

(2) Auf den in der Natur gekennzeichneten und in der Flurkarte braun dargestellten Wegen und Flächen ist das Reiten zulässig.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Stuttgart, den 12. September 1990

Dr. Andriof