1.157 Kasparsbrunnen-Ried-Binn

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Kasparsbrunnen-Ried-Binn« vom 23. Dezember 1988 (GBl. v. 31.01.1989, S. 21).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Artikel 49 der Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 19. März 1985 (GBI. S. 71) und §§ 22 Abs. 2 und 33 Abs.2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12), zuletzt geändert durch Artikel 50 der Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 19. März 1985 (GBI. S. 71), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Aidlingen und Grafenau, Landkreis Böblingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kasparsbrunnen-Ried-Binn«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund

 

Es umfaßt nach dem Stand vom 7. August 1986 dem Gebiet der Gemeinden Aidlingen, Gemarkung Aidlingen die Flurstücke Nrn. 2447/1, 2447/2, 2448-2452, 2452/1, 2452/2, 2453/ 1, 2453/2, 2454-2456, 2457/1, 2457/2, 2458/2, 2459-2466, 2467/1, 2467/2, 2468, 2469, 2470/1, 2470/2, 2471/1, 2471/2, 2472, 2473/1, 2474/1, 2474/2, 2475-2482, 2483/1, 2483/2, 2484-2496, 2497/1, 2497/2, 2498, 2499, 2500/1, 2500/2, 2500/3, 2501-2506, 2507/1, 2507/1, 2508/1, 2508/2, 2509, 2510, 2511/1, 2511/2, 2512, 2513/1, 2513/2, 2514, 2515/1, 2515/2, 2516/1, 2516/2, 2517/1, 2517/2, 2518 (3818), 2519/1, 2519/2, 2519/3, 2520-2522, 2523/1, 2523/2, 2524, 2525/1, 2525/2, 2526-2534, 2535/1, 2535/2, 2536-2542, 2543/1, 2543/ 2, 2544-2546, 2547/1, 2547/2, 2548, 2549/1, 2549/2, 2550, 2551, 2552/1, 2552/2, 2553-2564, 2565/1, 2565/2, 2566-2570, 2571/1, 2571/2, 2572-2582, 2583/1, 2583/2, 2584/1, 2584/2, 2584/3, 2585, 2586, 2587/1, 2587/2, 2588-2592, 2593/1, 2593/2, 2594-2598, 2599/1, 2599/2, 2600, 2602, 2603, 3008/1, 3008/2, 3009-3011, 3012/1, 3012/2, 3013, 3014, 3015/1, 3015/2, 3016, 3017, 3018/1, 3018/2, 3019-3021, 3022/1, 3022/2, 3023-3026, 3027/1, 3027/2, 3028, 3029, 3031, 3032, 3033, 3034, 3035, 3036/1, 3036/2, 3037, 3038/1, 3038/2, 3039-3046, 3047/1, 3047/ 2, 3048/1, 3048/2, 3048/3, 3049, 3050, 3051/1, 3051/2, 3052-3060, 3061/1, 3061/2, 3062-3080, 3081/1, 3081/2, 3086/1,3086/2,
Teilflächen der Flurstücke Nrn. 2827 (Würrn), 3081, 3087, 3090, 3093, 3094/1, 3094/2, 3113, 3114, 3115, 3116, 3117/1, 3117/2; Gemeinde Grafenau, Markung Dätzingen die Flurstücke Nrn. 1209-1218, 1220, 1222-1224;

Gemeinde Grafenau, Markung Döffingen die Flurstücke Nrn. 2986, 2988-2998, 2991/1, 2991/2, 3000, 3001, 3002/1, 3002/2, 3003, 3004, 3005/1, 3005/2, 3010, 3012, 3013, 3015-3020, 3021/1, 3021/2, 3022/1, 3022/2, 3023, 3024, 3025/1, 302512, 3026, 3027/1, 3027/2, 3028-3033, 3034/1, 3034/2, 3035-3037, 3038/1, 3038/2, 3039-3044, 3045/1, 3045/2, 3046, 3047/1, 3047/2, 3048/1, 3048/2, 3049-3065, 3070, 3071;
Teilflächen der Flurstücke Nrn. 3086, 289312, 2868, 2869 Wa 2 (Würm).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Dezember 1987 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Dezember 1987 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. In einer Nutzungs- und Bestandskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Dezember 1987 im Maßstab 1:2500 ist die engere Schutzzone rot umgrenzt. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Böblingen in Böblingen auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in § 2 Abs. 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die

Erhaltung, Sicherung und Wiederherstellung einer Wiesenlandschaft mit genutzten und nicht genutzten Flächen in umweltschonender Bewirtschaftungsweise (Berücksichtigung der Belange des Natur- und Wasserschutzes in der Bewirtschaftung, kleinräumige Nutzung durch Erhaltung der Kleinparzellierung);

die Sicherung und Förderung der ökologischen Vielfalt der Talaue, der Hangwiesen und Weiden mit allen Landschaftselementen ;

die Erhaltung und Sicherung der natürlichen Dynamik der Würm;

die Erhaltung trittfreier Bachufer und ungestörter Vegetationszonen in den nicht bewirtschafteten Aueflächen und damit die Sicherung unbeeinträchtigter Vegetationsentwicklung;

die Erhaltung, Sicherung und Erneuerung des Naturgutes Wasser und Schutz vor Beeinträchtigungen jeglicher Art wie Änderung der Grünlandnutzung, Öffnen der Bodenkrume, Düngungen außerhalb der Vegetationszeit.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten.

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern oder die Art der Grundstücksnutzung zu ändern; ausgenommen ist die Umwandlung von Ackerflächen in Weideflächen;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   das Gebiet außerhalb der gekennzeichneten Wege zu betreten, ausgenommen zur Bewirtschaftung und Pflege;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.               Bild- und Tonwiedergabegeräte zu betreiben;

14.               Luftfahrzeuge zu starten und zu landen;

15.               Hunde unangeleint laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit folgenden Maßgaben:
    a) in der engeren Schutzzone darf ganzjährig nicht geangelt werden. Hegemaßnahmen an den Quellbächen sind in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September jeden Jahres zulässig durch maximal eine Person;
    b) außerhalb der engeren Schutzzone darf die ordnungsmäßige Fischerei von höchstens drei Personen gleichzeitig ausgeübt werden.

2.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd außerhalb der engeren Schutzzone;

3.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Nutzungsänderungen entsprechend der Nutzungs- und Bestandskarte vorgenommen werden sollen;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 des NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Sammelverordnung für Landschaftsschutzgebiete des Landratsamtes Böblingen vom 10. Oktober 1974, veröffentlicht im »Böblinger Bote« vom 26. Oktober 1974, für den Landschaftsteil Würmtal mit Schwippetal, Teil des Irmtals, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 23. Dezember 1988

Dr. Bulling