1.158 Denkendorfer Erlachsee

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Denkendorfer Erlachsee« vom 5. Januar 1989 (GBl. v. 28.02.1989, S. 71).

 

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Art. 49 der Anpassungs-Verordnung vom 19. März 1985 (GBI. S. 71) und § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12), zuletzt geändert durch Art.50 der Anpassungs-Verordnung vom 19. März 1985 (GBI. S. 71) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Denkendorf, Landkreis Esslingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Denkendorfer Erlachsee«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 4,45 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 24.Juni 1987 auf dem Gebiet der Gemeinde Denkendorf die Flurstücke Nr.5341 bis 5346, 5346/1, 5347, 5348, 5348/1, 5349, 5349/1 und eine Teilfläche von Flst. Nr. 5492.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. Juni 1987 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. Juni 1987 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung.

Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt in Esslingen auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündigung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

die Sicherung des Erlachsees mit seiner offenen Wasserfläche, den Röhricht- und Verlandungszonen und dem Ufergehölz mit natürlichem Bruchwald in der nordwestlichen Senke;

die Stabilisierung und Optimierung der Feucht- und Sukzessionsflächen im Sinne des Arten- und Naturschutzes, die um den Erlachsee liegen und durch Biotopgestaltungsmaßnahmen ökologisch aufgewertet sind;

die Durchführung extensiver Nutzungsformen im Naturschutzgebiet, die auf Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege abgestimmt sind und diese vorrangig berücksichtigen bzw. diese fördern;

die Erhaltung und Förderung des ökologischen Inventars mit Reservatsfunktion, insbesondere der Schutz und die Vorsorgemaßnahmen für artenreiche Pflanzen- und Tiergemeinschaften, sowie deren ungestörte Ansiedlung und Bestandsstabilisierung;

die vorrangige und vorbeugende Sicherung der Lebensräume von Pflanzen- und Tierarten, insbesondere auch als Rast- und Durchzugsstation für wandernde Tierarten sowie als Überwinterungsort.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten und sonstige motorgetriebene Fahrzeuge zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.               zu baden, die Wasserflächen mit Booten, Floßen, Luftmatratzen und sonstigen Gegenständen aller Art zu befahren;

14.               Modellboote zu Wasser zu bringen oder Luftfahrzeuge starten oder landen zu lassen;

15.               die gekennzeichneten Wege zu verlassen;

16.               die Röhrichtzonen zu betreten;

17.               Hunde unangeleint laufen zu lassen;

18.               zu reiten;

19.               Nester zum Fotografieren freizulegen;

20.               die Eisflächen zu betreten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd auf Enten und Bläßhühner in der Zeit vom 1. September bis 15. Oktober jeden Jahres und mit der Maßgabe, daß die Anlage von Futterstellen mit der höheren Naturschutzbehörde abzustimmen ist;

2.   die ordnungsmäßige Ausübung der teichwirtschaftlichen Nutzung mit der Maßgabe, daß der Erlachsee nur alle zwei Jahre im Herbst zum Zwecke der Abfischung abgelassen und anschließend wieder bespannt wird;
- das Kalken zur Desinfektion ist nur auf Veranlassung der Fischereibehörde zulässig;
- regulierende Eingriffe in Schilf- und Gehölzzonen werden im Rahmen der Pflegemaßnahmen nach Ziffer 4 durchgeführt;

3.   für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet wurden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiungen erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutz -VO »Erlachsee« des Landratsamts Esslingen vom 15. Dezember 1975, veröffentlicht am 22. Dezember 1975 in der Esslinger Zeitung und am 20. Dezember 1975 im Teck Boten, in der Filderzeitung und in der Nürtinger Zeitung, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

Stuttgart, den 5. Januar 1989

In Vertretung

DR. RAPP