1.159 Unterer See und Umgebung

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Unterer See und Umgebung« vom 5. Januar 1989 (GBl. v. 20.03.1989, S. 88).

 

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Art. 49 der Anpassungs -VO vom 19. März 1985 (GBI. S. 71) und § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes vom 15. März 1954 (GBI. S. 35) i.d. Fassung der Bekanntmachung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12), zuletzt geändert durch Art. 50 der Anpassungs-VO vom 19. März 1985 (GBI. S. 71), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Vaihingen a. d. Enz und der Gemeinde Sersheim, Landkreis Ludwigsburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Unterer See und Umgebung«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 61,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. November 1987

auf dem Gebiet der Stadt Vaihingen an der Enz, Gemarkung Horrheim, die Flurstücke:
2830/1-2 (je teilweise), 2831 (teilweise), 2832 (teilweise), 2833, 2886/1-/2, 2887/1-/2, 2888-2896, 2897/1-/2, 2898-2902, 2903/1-/2, 2904, 2905, 2906/1-/2, 2907/1-/3, 2908-2911, 2913-2926, 2927/1-/2, 2928, 2930, 2931, 2932/ 1-/3, 2933-2937, 2938/1-/2, 2939-2947, 2948/1-/2, 2949, 2950, 2952-2966, 2968-2973, 2974/1-/2, 2975-2980, 2982-2984, 2986-2989, 2990/1-/2, 2991, 2992, 2993/1-/2, 2994, 2996, 2997, 2998/1-/2, 2999-3002, 3003/1-/2, 3004-3010, 3013, 3015, 5376-5380, 5381/1-/2, 5382-5400, 5400/1, 5401, 5402, 5402/1, 5403, 5403/1, 5404-5407, 5407/1, 5408-5410, 5411/1-/2, 5412-5415, 541511, 5416-5420;

auf dem Gebiet der Gemeinde Sersheim:
134/1 (teilweise), 4442, 4444, 4445, 4446, 4448-4478, 4479/1-/2, 4480-4488, 4489/1-/2, 4490, 4491/1-/2, 4492/1-/2, 4493--4497, 4498/1-/2, 4499-4504, 4505/1-/3, 4506, 4507/1-/2, 4508-4511, 4513-4518, 4520, 4524 (teilweise), 4524/6-/8 (je teilweise), 4524/10.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 1. November 1987 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vorn 1.November 1987 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt in Ludwigsburg auf die Dauer vom drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Abs. 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und ungestörte Entwicklung eines Feuchtgebiets, seiner Umgebung und eines Laubwalds mit Frühjahrsblühern als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   die Bodengestalt zu verändern;

4.   Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.   Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.   Tier e einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.               zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.               Feuer anzumachen;

12.               ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen sowie Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

13.               zu baden, Wassersport zu treiben, Boote, Modellboote, Floße etc. zu Wasser zu lassen oder Schlittschuh zu laufen;

14.               Luftfahrzeuge starten oder landen zu lassen;

15.               das Schutzgebiet außerhalb der nachfolgend aufgeführten Wege zu betreten:
Gemarkung Horrheim: Flst. Nr. 2935, 538112; Gemarkung Sersheim: Flst. Nr. 134/1, 4524/6, 4524/ 7, 4524/8, 4524/10;

16.               im in der Flurkarte besonders gekennzeichneten Bereich jagdliche Einrichtungen einschließlich Futterstellen, Entenhäuschen etc. einzurichten oder zu unterhalten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd außerhalb des in der Flurkarte besonders gekennzeichneten Bereichs mit der Maßgabe, daß nur Rehwild, Schwarzwild und Haarraubwild bejagt werden darf und keine Treibjagden zulässig sind;

2.   für in besonderen Fällen durch Zustimmung des Regierungspräsidiums zugelassene fischereiliche Kontrollmaßnahmen;

3.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und der bisherigen Intensität, mit der Maßgabe, daß Grünland nicht in Ackerland umgewandelt werden darf;

4.   für ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung des Donnersbergwalds mit der Maßgabe, daß auch zukünftig mit Rücksicht auf die Frühjahrsgeophyten Laubwaldwirtschaft (eichenreiche Mischwälder) zulässig ist;

5.   Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.   für die Unterhaltung und Instandsetzung der vorhandenen Wassergräben, Drainagen und der in § 4 Nr. 15 aufgeführten Wege.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiungen erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart zur einstweiligen Sicherstellung des geplanten Naturschutzgebietes »Unterer See« vom 21. März 1987 außer Kraft.

 

STUTTGART, den 5. Januar 1989

In Vertretung

Dr. Rapp