1.164 Würmaue am Heuberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Würmaue am Heuberg« vom 19. Dezember 1989 (GBl. v. 28.02.1990, S. 65).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch die Dritte Anpassungsverordnung vom 13. Februar 1989 und § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (L.JagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12), zuletzt geändert durch Artikel 50 der Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 19. März 1985 (GBI. S. 71), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Weil der Stadt, Landkreis Böblingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Würmaue am Heuberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 24,8 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 31. Oktober 1989 auf dem Gebiet der Stadt Weil der Stadt, Markung Hausen, die Flurstücke Nm. 1089-1096, 1099/1, 1099/2, 1720 (Fluß), 1238, 1239, 1241. Es umfaßt auf dem Gebiet Weil der Stadt, Markung Merklingen die Flurstücke Nrn. 2669, 3255, 3256, 3257-3264, 3265/1, 3265/2, 3266-3268, 3270-3278, 3279, 3280, 3281/1, 3281/2, 3282-3304, 3305/1, 3305/2, 3306-3310, 3312-3342, 3344, 3345, 3346/1, 3346/2, 3370/1, 3370/2, 3371/1, 3371/2, 3372-3403, 3405-3415, 3416/1, 3416/2, 3417/1, 3417/2, 3418-3420, 3421/1, 3421/2, 3422-3426, 3428, 3433, 3434/ 1, 3434/2, 3436-3438, 4095-4103, 4104/1, 4104/2, 4116-4119, 4122, 4124-4137 und Teilflächen der Flurstücke Nrn. 3431, 3432, Würm (476, Fluß 111, 476/3) und 4066 (FW Nr. 10).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18.Januar 1988 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18.Januar 1988 und in einer Nutzungs- und Bestandskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18.Januar 1988 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Böblingen in Böblingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann, während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         die Erhaltung einer wertvollen, vielfältigen und charakteristischen Kulturlandschaft als Wiesenaue, die in harmonischer Weise mit natürlichen Landschaftselementen durchsetzt ist;

·         die Sicherung und Erhaltung artenreicher Wiesen in verschiedenen Standortausprägungen;

·         die Erhaltung der landschaftlichen und ökologischen Vielfalt an bewirtschafteten und nicht bewirtschafteten Grünlandflächen;

·         die Erhaltung der natürlichen Dynamik der Würm und ihres röhrichtgesäumten Altlaufes.

 

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         das Gebiet zu befahren und zu betreten, ausgenommen zur Bewirtschaftung und Pflege;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      Ton- und Bildwiedergabegeräte in Betrieb zu setzen;

14.      Flugmodelle zu starten oder zu landen;

15.      zu reiten;

16.      Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit Ausnahme der Fallenjagd und mit der Maßgabe, daß bisher bestehende Jagdeinrichtungen zulässig sind;

2.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß
a) am Altwasser nicht geangelt werden darf;
b) auf bis zu 400 m Uferlänge im Schutzgebiet in der Zeit vom 1. April bis 15. Juli nicht geangelt werden darf. Die Begrenzungen werden jeweils jährlich von der höheren Naturschutzbehörde festgelegt und im Gelände mit Pfählen markiert;

3.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Nutzungsänderungen entsprechend der Nutzungs- und Bestandskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18. Januar 1988 durchgeführt werden sollten;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung des Landratsamtes Böblingen »Heckengäu - Weil der Stadt« vom 20.Juni 1986 außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

STUTTGART, den 19. Dezember 1989

DR. ANDRIOF