1.165 Haigergrund

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Haigergrund« vom 18. Oktober 1994 (GBl. v. 09.12.1994, S. 623).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Königheim, Landkreis Main-Tauber-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Haigergrund«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 59,4 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom Februar 1994 auf dem Gebiet der Gemeinde Königheim die Flurstücke 10741-10743, 10768-10796, 10798-10800, 10800/1, 10801-10826, 10828 -10853, 12686, 12687, 12689, 12690, 12720 teilweise, 12738, 12740-12747, 12749-12776, 12778-12801, 12803-12865, 12867-12871, 12876 teilweise, 12877-12887, 12891-12897, 12900-12902, 12908 teilweise, 12945-12950, 12952, 12954, 12957, 12964, 12966, 12967, 12969-12997, 12999-13022, 13024-13028, 13029 teilweise, 13033, 13038, 13040-13061, 13064-13079, 13079/1, 13080-13083, 13085-13096, 13096/1, 13097-13102, 13104, 13109-13120, 13120/1, 13125, 13126, 13131, 13133 -13150, 13152-13161 und die Teilfläche des Flurstücks Nr. 13162, zum Teil begrenzt durch den im südlichen Teil des Grundstücks verlaufenden Waldwirtschaftsweg.

 

(2) Das Naturschutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12. Februar 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom Februar 1994 Teil 1 und 2 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         die Sicherung und Erhaltung eines aus floristisch-vegetationskundlicher als auch aus faunistischer Sicht einmaligen Gebiets, eines landschaftsprägenden Hangzuges der tauberfränkischen Muschelkalkplatte mit einem Eichen-Hainbuchen-Wald und Offenlandgesellschaften mit kleinräumiger Verzahnung von Trockenrasen, Felsbandgesellschaften, wärmeliebenden Saumgesellschaften, Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen, Äckern mit hohem Anteil an seltenen Ackerwildkräutern, Hecken und Gebüschen,

·         die Sicherung und Erhaltung verschiedener teilweise durch Nutzungsauflassung bedingter, unterschiedlich alter, ökologisch wertvoller und wissenschaftlich interessanter Sukzessionsstadien dieser Teillebensräume,

·         die Verbesserung der Lebensräume zahlreicher zum Teil gefährdeter und geschützter Pflanzen- und Tierarten der Trockenstandorte durch Wiederherstellung zusammenhängender offener Bereiche.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      Wege oder gekennzeichnete Pfade zu verlassen, sowie Hunde außerhalb der Wege laufen zu lassen;

14.      das Reiten;

15.      mit Hängegleitern zu starten oder zu landen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.   für die Lagerung von Brennholz im Gewann »Lange Helle« entlang dem Feldweg Nr. 10854 auf einer Breite bis zu 6 m zwischen Feldweg 12307 und 13029, soweit dies ohne Abgrabung der Böschungen möglich ist und mit der Maßgabe, daß für die Abdeckung der Holzlager nur Holztafeln verwendet werden

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragen Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis »Königheim« vom 6.April 1981, veröffentlicht im Amtsblatt des Main-Tauber-Kreises vom 28.April 1981, außer Kraft, soweit das Landschaftsschutzgebiet im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

(3) Mit Beschluß des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 7.August 1992 ist die Verordnung über das Naturschutzgebiet »Haigergrund« vom 9.Juli 1990 (GBI. S. 263) für nichtig erklärt worden.

 

STUTTGART, den 18. Oktober 1994

DR. ANDRIOF