1.167 Oberes Hölzertal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Oberes Hölzertal« vom 4. September 1990 (GBl. v. 26.10.1990, S. 312).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch die 3. Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 13. Februar 1989 (GBI. S. 101), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Magstadt, Landkreis Böblingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Oberes Hölzertal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet »Oberes Hölzertal« hat eine Größe von ca. 28,75 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 20. September 1989 auf dem Gebiet der Gemeinde Magstadt, Gemarkung Magstadt, folgende Gewanne und Teile von Gewannen:

Bei der Blockhütte, Furt, Bei den Forchen, Oberes Hölzertal, Lerchenbusch, Stellerain, Unteres Hölzertal, Am geraden Wegle. Es umfaßt nach dem Stand vom 20. September 1989 folgende Flurstücke Nrn.:5542-5549, 5552/1, 5631, 5631/1, 5631/2, 5632-5635, 5635/1, 5636-5638, 5639-5662, 5662/1, 5663-5668, 5668/1, 5668/2, 5668/3, 5669-5690, 5690/1, 5691-5700, 5700/1, 5701-5703, 5703/1, 5704-5747, 5747/1, 5747/2, 5748-5751, 5751/1, 5752-5766, 5766/1, 6418-6421, 6421/1, 6422-6424, 6425/1, 6427-6429, 6429/1, 6430, 6446-6476, Teilfläche von WA 2, 6431, 6492-6494, 6495/1, 6496/1, 6496/2, 6496/3, 6497, 6498, 6490/1.

 

(2) Das Naturschutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 15.Juni 1987 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt, in einer Flurkarte mit Bestandsplan des Regierungspräsidiums Stuttgart vom Juni 1989 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert und in einer Flurkarte mit Nutzungskonzept des Regierungspräsidiums Stuttgart vom Mai 1989 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Böblingen in Böblingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist:

1.            die Erhaltung des landschaftlich reizvollen Oberen Hölzertales mit seinen Schilf- und Seggenbeständen, Hochstaudenfluren, nassen Wiesen und Gehölzen als wertvoller Lebensraum einer vielfältigen Flora und Fauna;

die Erhaltung und Sicherung eines wertvollen Raumes für die zurückhaltende, ruhige und schonende Naherholung.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

die Bodengestalt zu verändern;

Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreiningen;

Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

Feuer anzumachen;

ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

Luftfahrzeuge, insbesondere Flugmodelle und Ultraleichtflugzeuge, zu starten und zu landen;

Hunde außerhalb von Wegen frei laufen zu lassen;

Erholungseinrichtungen aufzustellen;

die Wege zu verlassen;

Seggen- und Röhrichtbestände zu düngen oder auf andere Weise zu beeinträchtigen;

fremdländische Gehölze oder Koniferen zu pflanzen oder Formhecken anzulegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 Abs. 1 und 2 gelten nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit Ausnahme von § 4 Abs. 2 Ziff. 4 und 16. Eine teilweise Ausräumung der Bachsohle des Planbachs ist im Einvernehmen mit der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege bei Bedarf zulässig, um den gegenwärtigen Zustand des Oberen Hölzertales beizubehalten und einer übermäßigen Vernässung des Gebietes entgegenzuwirken. Insofern findet § 4 Abs. 2 Ziff. 4 keine Anwendung. Sofern die derzeitige Nutzung nach Art und Umfang dem Nutzungskonzept nicht entspricht, wird eine Nutzungsänderung entsprechend dem Nutzungskonzept angestrebt. Zur Nutzungsänderung erforderliche anderweitige Genehmigungen bleiben unberührt;

für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt ein Teil der Sammelverordnung für die Landschaftsschutzgebiete des Landkreises Böblingen vom 10. Oktober 1974, veröffentlicht im Böblinger Bote vom 26. Oktober 1974, soweit sie den Teil »Oberes Hölzertal mit See, Leimbach und Unteres Hölzertal, Gollenberg und Umgebung« betrifft und sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt, außer Kraft.

 

STUTTGART, den 4. September 1990

DR. ANDRIOF