1.169 Tal der Blinden Rot

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Tal der Blinden Rot« vom 9. Oktober 1990 (GBl. v. 30.11.1990, S. 345).

 

Auf Grund von § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch die 3.Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 13. Februar 1989 (GBI. S. 101), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Abtsgmünd und Neuler, Landkreis Ostalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Tal der Blinden Rot«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1)Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 60,7 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 8. Juli 1988

auf dem Gebiet der Gemeinde Neuler, Gemarkung Neuler, die Flurstücke 554, 555, 557, 558, 565/2, 556/1, 570 teilw., 556 teilw., den Feldweg sowie Blinde Rot Flurstück Nr. 555/1

auf dem Gebiet der Gemeinde Abtsgmünd, Gemarkung Pommertsweiter, die Flurstücke 291/3, 291/4, 291/8, 287/12, 291/1, 287/13, 287/10, 287/11, 287/9, 287/8, 87/7, 291/2, 290/8, 287/4, 290/15, 290/6, 290/7, 290/5, 290/4, 290/10, 290/9, 287/5, 287/6, 288/1, 288/2, 292/4 teilw., 292/1 teilw., 289 teilw., 308 teilw., 287/3 teilw., 288/3 teilw., Wege Flurstücke Nrn. 295, 291 teilw., 287 teilw. sowie Gewässer Hartbach 292, Blinde Rot 290 teilw., Zobelsbach 288 teilw.,

auf dem Gebiet der Gemeinde Abtsgmünd (Wilfingen) die Flurstücke 2501, 2500, 2490/2, 2493, 2497, 2494, 2747/1, 2475, 2473, 2477, 2472, 2470, 2487/3, 2474, 2464, 2462, 2463, 2461, 2460, 2453, 2454, 2452, 2451/2, 2451/1, 2451/3, 2449/1, 2449/2, 2282, 2450/1, 1490/2, 2503/3 teilw., 2490/1 teilw., 2493 teilw., 2478 teilw., 2467 teilw., 2471 teilw., 2496 teilw., 2499, 2457 teilw., 2469 teilw., 2468 teilw., 1526 teilw., 2504 teilw., 2318 teilw., 2447 teilw., Wege Flurstücke Nrn. 250314, Weg in 2490/2, 2476, 2466,- 1526/10, 2451, 2 Wege in 2447, Weg an 2450/1, 2450/2, 2450/3, 2478/1 teilw., 2467/1 teilw. 2468/2 teilw., 2468/3 teilw., 2458 teilw. sowie Gewässer Flurstücke Nrn. Blinde Rot 2465, 1526/14, 2459,1526/15, 2450, Fischbach 2944 teilw., Kanal Ölmühle teilw., Birkenbach 247812 teilw., Höftbach 2469/3 und 2469/2 teilw.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 8. Juli 1988 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 8.Juli 1988 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Diese Karten sowie eine Nutzungskarte im Maßstab 1:2500 sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung einer Talaue mit einem natürlichen mäandrierenden Bach als Beispiel für einen ungestörten Gewässerlauf, eines kleinräumigen Mosaiks mit seltenen und besonders schutzwürdigen Vegetationsbeständen, die Förderung der Lebensräume einer vielfältigen, zum Teil seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenwelt und des Landschaftsbildes einer reizvollen Tallandschaft.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern; insbesondere das Umbrechen von Wiesen;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.      außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      das Einbringen von Dünger und Chemikalien;

14.      die Wege zu verlassen;

15.      das Befahren der Wasserflächen mit Booten aller Art.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung der in der Nutzungskarte dargestellten Wirtschaftswiesen mit der Maßgabe, daß kein organischer Flüssigdünger oder Klärschlamm eingebracht wird und für die landwirtschaftliche Nutzung der in der Nutzungskarte dargestellten Feuchtwiesen mit der Maßgabe, daß keine Düngung erfolgt und die erste Mahd nicht vor dem 15. Juni in jedem Jahr durchgeführt wird;

4.   für die forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die nicht standortgerechten Nadelholzflächen langfristig in standortgerechte Laubmischwälder umgewandelt werden;

5.   für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Waldbereich im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

7.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

(2) Auf den befestigten Wegen ist das Reiten zulässig.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten folgende Verordnungen für den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft:

·         der Teil »Tal der Blinden Rot« der Sammelverordnung zum Schutz von Landschaftsteilen des Landratsamtes Aalen vom 20. Dezember 1968, veröffentlicht im Gemeinsamen Amtsblatt für den Landkreis Aalen, die Städte Aalen und Ellwangen vom 20. Dezember 1968.

 

STUTTGART, 9. Oktober 1990

DR. ANDRIOF