1.170 Dalisberg (Tälesberg)

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Dalisberg« (Tälesberg) vom 24. Oktober 1990 (GBl. v. 07.12.1990, S. 394).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch die 3.Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 13. Februar 1989 (GBI. S. 101) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs.2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12), zuletzt geändert durch die 3. Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 13. Februar 1989 (GBI. S. 101), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Überkingen, Gemarkung Unterböhringen, Landkreis Göppingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Dalisberg« (Tälesberg).

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 30,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 3. Januar 1990 Teile folgender Gewanne: Dalisberg, Birnenbürzel, Zwierenteich auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Überkingen, Gemarkung Unterböhringen. Es umfaßt nach dem Stand vom 3.Januar 1990 die Murstücke Nrn. 1081-1083, 1115, 1117, 1120, 1121, 1244/1, 1244/2, 1245, 1247, 1248, 1250, 1252-1258, 1260, 1262, 1284, 1294, 1295/1, 1295/3, 1313, 1315, 1320 sowie Teile der Flurstücke Nrn. 1080, 1194, 1263/1, 1270, 1278-1283, 1293, 1314.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 3. Januar 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 2. Januar 1990 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die engere Schutzzone ist schwarz umgrenzt und gelb angeschummert. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Göppingen in Göppingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist der Erhalt einer vielfältigen, reich strukturierten Landschaft mit Heiden, Gebüschzonen, Hecken, Sukzessionsflächen, Wiesen und Steppenheidewald als landschaftsprägende Elemente und als Lebensraum für viele, zum Teil stark gefährdete Pflanzen- und Tierarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, mit Ausnahme der Umwandlung von Acker in Grünland;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

14.      das Gebiet im Bereich der engeren Schutzzone zu betreten;

15.      das Schutzgebiet mit Fahrzeugen jeglicher Art zu befahren;

16.      Sport- und Freizeitaktivitäten, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen, zu betreiben, insbesondere zu reiten, Ski, auch Grasski, zu fahren oder mit Ultraleichtflugzeugen oder Hängegleitern zu starten oder zu landen;

17.      Heideflächen zu düngen;

18.      Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
    a) keine weiteren Fütterungs- und Kirrplätze errichtet werden,
    b) keine Wildäcker angelegt werden,
    c) im Bereich der engeren Schutzzone keine Fallen aufgestellt werden und
    d) die Jagdausübung schonend in Übereinstimmung mit dem Schutzzweck und unter Berücksichtigung wertvoller Pflanzenstandorte erfolgt;

2.   für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang mit den sich aus § 4 Abs. 2 Nummer 2,17 sowie für die engere Schutzzone Nummer 5 ergebenden Einschränkungen und mit der Maßgabe, daß
- die naturnahe standortgerechte Laubholzbestockung erhalten und gefördert und dabei Naturverjüngung angestrebt wird;
- mit Ausnahme von Eiben in geringem Umfang kein Anbau von Nadelgehölzen oder nicht heimischen Baumarten erfolgt;

3.   für die ordnungsmäßige Beweidung mit Schafen mit der Maßgabe, daß im Bereich der Heiden nicht gepfercht werden darf;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nummer 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten die Naturdenkmalverordnungen Nr. 5/7 »Wacholderheide Dalisberg« und Nr. 5/5 »Wettereiche« des Landratsamts Göppingen vom 22. Oktober 1984, veröffentlicht in der Neuen Württembergischen Zeitung (NWZ) - Göppinger Kreisnachrichten und der NWZ - Geislinger Zeitung vom 31. Oktober 1984 außer Kraft.

 

STUTTGART, den 24. Oktober 1990

DR. ANDRIOF