1.175 Haarberg-Wasserberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Haarberg-Wasserberg« vom 4. Dezember 1990 (GBl. v. 28.02.1991, S. 87).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch die 3. Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 13. Februar 1989 (GBI. S. 101) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12), zuletzt geändert durch die 3. Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 13. Februar 1989 (GBI. S. 101), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Deggingen, Gemarkung Reichenbach im Täle, Landkreis Göppingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Haarberg-Wasserberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 109,6 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 31.Januar 1990 auf dem Gebiet der Gemeinde Deggingen, Gemarkung Reichenbach im Täle, die Flurstücke Nrn. 737, 744-749, 775-781, 781/1, 782, 782/1, 783, 1308, 1310, 1311, 1402-1423, 1426-1429, 1454, 1455, Weg 1401 sowie Teile der Flurstücke Nrn. 1400, Weg 785.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31. Januar 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31. Januar 1990 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Göppingen in Göppingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kosten­losen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         der Erhalt einer vielfältigen, klein strukturierten Landschaft mit einem naturnahen Laubmischwald, Wacholderheiden, Gebüschzonen, Hecken, Sukzessionsflächen und extensiv genutzten, artenreichen Wiesen mit den jeweils typischen, zum Teil stark gefährdeten Pflanzen- und Tierarten und als wertvolles Erholungsgebiet.

·         Erhalt und Förderung einer landschaftsbestimmenden Wacholderheide mit Kalkmagerrasen, Trockenrasen, Hangschutthalden, Trockengebüsch als Nahrungs- und Lebensraum für viele, zum Teil gefährdete Pflanzen- und Tierarten.

·         Erhaltung und Förderung des naturnahen Steppenheidewaldes, der kleebwaldartigen Bestände mit Quellbereichen und des Buchenhangwaldes mit besonders für die Vögel wertvollen Altholzbeständen.

·         Erhaltung des Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alte Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, mit Ausnahme der Umwandlung von Acker in Grünland;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      zu reiten;

14.      Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen, ausgenommen sind Holzbänke entlang der markierten Wege;

15.      die markierten Wege zu verlassen;

16.      Luftfahrzeuge jeglicher Art zu starten oder zu landen;

17.      Heideflächen zu düngen;

18.      Chemikalien einzubringen;

19.      Hunde außerhalb von Wegen laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
    a) keine weiteren Fütterungen oder Kirrungen errichtet werden;
    b) keine Wildäcker angelegt werden und
    c) das Errichten von Hochsitzen oder Jagdkanzeln nur mit Zustimmung des Regierungspräsidiums zulässig ist;

2.   für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang mit der sich aus § 4 Abs. 2 Nummer 17 ergebenden Einschränkung und mit der Maßgabe, daß
a) die naturnahe standortgerechte Laubholzbestockung erhalten und gefördert und dabei Naturverjüngung angestrebt wird;
b) mit Ausnahme von Eiben in geringem Umfang kein Anbau von Nadelgehölzen oder nicht heimischen Baumarten erfolgt;
c) land- und forstwirtschaftliche Erschließungswege im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium angelegt werden;

3.   für die ordnungsmäßige Beweidung mit Schafen mit der Maßgabe, daß im Bereich der Wiesen auf Parzellen Nr. 780-782 und der Heide nicht gepfercht werden darf;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nummer 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die »Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Kreis Geislingen« vom 2. November 1937, Bekanntgabe in der Geislinger Zeitung vom 6. November 1937, sowie die »Nachtragsverordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Kreis Göppingen« vom 4. Mai 1948, Bekanntgabe im Amtsblatt für den Landkreis Göppingen vom 15. Mai 1948, über die Landschaftsschutzgebiete »Wasserberg« und »Haarberg« für den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 4. Dezember 1990

DR. ANDRIOF