1.181 Gerlinger Heide

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Gerlinger Heide« vom 30. Dezember 1991 (GBl. v. 17.02.1992, S. 77).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20.Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Gerlingen, Landkreis Ludwigsburg, und der Stadt Leonberg, Landkreis Böblingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Gerlinger Heide«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

( 1 ) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 14,9 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 3.April 1991 auf dem Gebiet der Stadt Gerlingen, Gemarkung Gerlingen, die Flurstücke Nrn. 6404, 6405/1 (teilweise) und 6405/2 und auf dem Gebiet der Stadt Leonberg, Gemarkung Leonberg das Flurstück Nr. 1532/3.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31.Januar 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31.Januar 1990 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Ludwigsburg in Ludwigsburg, bei der Stadt Leonberg in Leonberg und beim Landratsamt Böblingen in Böblingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 näher bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung einer landschaftlich reizvollen, exponiert liegenden Heidefläche mit ihrer für einen Ballungsraum bemerkenswerten Tier- und Pflanzenwelt.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu betreiben;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      das Gebiet außerhalb des bestehenden, asphaltierten Weges mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

14.      im Gelände amtlich kenntlich gemachte Pfade und Flächen zu betreten;

15.      Hunde unangeleint laufen zu lassen;

16.      Veranstaltungen jeglicher Art durchzuführen, ausgenommen bleiben Veranstaltungen innerhalb des Bereichs der Wiese östlich des asphaltierten Weges beim Steinbruch.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, der bisherigen Intensität und der Maßgabe, daß nur unmittelbar beim Schafstall und auf den Wiesen östlich des ehemaligen Steinbruches gepfercht werden darf und mit der weiteren Maßgabe, daß die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 19. Dezember 1980 (BGBl. I S.2335), geändert durch die Anpassungsverordnung vom 21. März 1986 (BGBl. I S. 363), zu beachten sind;

3.   für forstliche Pflegemaßnahmen, die darauf abzielen, entlang der Stuttgarter Straße einen dichteren, ansonsten aber lichten, überwiegend aus Kiefern bestehenden Wald zu erhalten;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Wege und der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß Erholungseinrichtungen (z. B. Sitzbänke) nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde errichtet werden dürfen;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung angeordnet werden.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten die »Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen und Landschaftsbestandteilen entlang der Reichsautobahnen Stuttgart-Heilbronn und Stuttgart-Karlsruhe in den Kreisen Leonberg und Vaihingen/Enz« vom 22.Mai 1941, veröffentlicht im Leonberger Tagblatt vom 18. Juni 1941, sowie die Landschaftsschutzgebietsverordnung des Landratsamtes Böblingen »Leonberg« vom 23. April 1987, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegen.

 

STUTTGART, den 30. Dezember 1991

DR. ANDRIOF