1.182 Hacksberg und Steckental

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Hacksberg und Steckental" (Weil der Stadt, Grafenau, Ostelsheim, Landkreise Böblingen und Calw) vom 20. Dezember 1991 (GBl. v. 29.02.1992, S. 100).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979, S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Weil der Stadt, Grafenau (Landkreis Böblingen) und Ostelsheim (Landkreis Calw) werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Hacksberg und Steckental".

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 160 ha (60 ha Regierungsbezirk Karlsruhe, 100 ha Regierungsbezirk Stuttgart). Es umfaßt folgende Grundstücke:

 

a) auf dem Gebiet der Gemeinde Weil der Stadt,
Gemarkung Weil der Stadt die Grundstücke Ftst. Nm. 6494/2 und /3;
Gemarkung Schafhausen FIst. Nrn. 2669, 2725/2, 2726/1 und /4 und /6, 2753, 2753/1, 2754-2757 /1 und /2, 2981 (Bgl.), 2981/1 und /3 und 4 und /5; E.B. 1, 2; FW 18, 21; H. Str. 214, 215;

b) auf dem Gebiet der Gemeinde Grafenau,
Gemarkung Dätzingen FIst. Nrn. 210, 212 (tw.), 255, 256/1 (tw.), 270 (tw.), 271, 271/1, 297 (tw.), 315, 317, 318, 327-333, 335, 337, 340, 342-348/1 und /2, 349-351, FW 4/2, 33;

c) auf dem Gebiet der Gemeinde Ostelsheim
Flst. Nrn. 475, 476, 47711-4, 478/1-/3, 591, 593, 594, 604, 605, 606/1 und /2, 610, 611 (tw), 613 (tw.), 614, 615, 672/2, 769/1 und 2, 791/1 und /2, 792, 793-795, 801, 802, 804, 807, 808, 809, 818, 816-823, 832/1 und /2, 829/1 und /2, 837-839, 847, 842-844, 858, 859, 860/1 und /2, 864-869, 875, 876, 877 (tw.), 903, 904, 925, 929/1 (tw.). 1003, 1004, 1005,1006, 1009, 1012 (tw), 1018, 1029/1-/3, 1030, 1031/1 und /2, 1032. 1034/1-/3, 1033, 1035. 1036, 1037, 1038, 1039/1-/3, 1040-1044. 1045/1 und /2, 1046, 1047, 1048. 1051, 1052-1054, 1061, 1062, 1066, 1067/1 und /2, 1070, 1071, 1076, 1077, 1078, 1098, 1099, 1110, 1101, 1102, 1109/2, 1110/1 (tw.), 1113/1-/3, 1114, 1115/1 und /2. 1116-1130, 1142, 1466/1; E.-B. 1/1, 1/2; FW 2, 27, 28, 33, 46/1, 47, 49, 50 (tw.), 52, 54 (tw.), 78, 110, 111, 112, 113, 124, 125, 126 (tw.), 209; Vic.W. 1 (tw.), 4 (tw.), 9/1 (tw.), 9/2 (tw.).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und bei den Landratsämtern Calw in Calw, Vogteistraße 44 und Böblingen in Böblingen, Parkstraße 16, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung, Entwicklung und Pflege der unterschiedlichen Trockenbiotope mit den zahlreichen typischen und gefährdeten Pflanzen und Tierarten, die Erhaltung der heterogen strukturierten Gebiete als Lebensraum für charakteristische und seltene Tierarten, insbesondere für Kleinsäuger, Vögel, Insekten, Spinnen und Weberknechte und die Sicherung der typischen Heckengäulandschaft.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.      außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten, die Verbrennung von Gehölzschnitt ist zulässig;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigung oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      die Wege zu verlassen;

14.      die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

15.      Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

16.      Dauergrünland umzubrechen (die Umwandlung von Acker in Grünland ist zulässig);

17.      außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

18.      Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen oder zu zerstören, abgängige Bäume können durch entsprechende Neupflanzungen ersetzt werden;

19.      zu reiten;

20.      Hunde frei laufen zu lassen;

21.      Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd, mit der Maßgabe, daß Fütterungs- und Kirrplätze nur auf Ackerflächen und im Wald und Wildäcker nur auf Ackerflächen angelegt werden. Jagdkanzeln und Hochsitze nur in herkömmlicher Holzbauweise und nicht innerhalb von Feucht- und Trockenbiotopen errichtet werden und die Fallenjagd sowie die Jagd auf Waldschnepfen unzulässig sind;

2.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen § 4, Abs. 2, Nr. 3, 4, 5, 9, 11, 16 bis 18 und 21 (auf Ackerflächen ist die Aufbringung von Humus und Oberboden bis maximal 10 cm zulässig);

3.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß nur standortgemäße, heimische Gehölze gepflanzt werden, die Altholzbestände möglichst langfristig zu erhalten sind, möglichst natürlich verjüngt wird, Kahlhiebe über 1 ha vermieden werden, Altholzinseln gefördert und einzelne, sonnenexponierte Tothölzer erhalten werden; auf § 17 Naturschutzgesetz wird hingewiesen;

4.   für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.   für die Wiederaufnahme des Verkehrs auf der Eisenbahnstrecke Calw-Weil der Stadt einschließlich der dafür notwendigen Anlagen (diese in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde).

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie Wald betreffen im Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde.

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

§ 10 Außerkrafttreten

§ 1 Abs. 1 Nr. 12 (Abhang des Hacksbergs, Markung Dätzingen, Gemeinde Grafenau) der Verordnung des Landratsamtes Böblingen über Landschaftsschutzgebiete vom 10. Oktober 1974 (Böblinger Bote vom 26.Oktober 1974) tritt außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 20. Dezember 1991

Dr. Miltner