1.183 Vordere Hohbachwiesen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Vordere Hohbachwiesen« vom 23. Dezember 1991 (GBl. v. 29.02.1992, S. 109).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12) wird, verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet'

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Urbach, Rems-Murr-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Vordere Hohbachwiesen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1)Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 12,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 12. Dezember 1991

auf dem Gebiet der Gemeinde Urbach, Gemarkung Unterurbach, Rems-Murr-Kreis, die Flurstücke Nrn.: 3172/4 (Weg), 3172/3, 3242, 3250/1, 3250/2, 3251, 3253/1. 3253/2. 3254/2 (Weg). 3255, 3255/1 (Weg), 3256-3264, Teile der Flurstücke Nrn. 1789 (GV), 3218, 3250 (Weg), 3252, 3254, 3254/1 (Weg), 3262/1 (Weg), 3336 (Wa 2).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12. Dezember 1991 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt, sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12.Dezember 1991 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis in Waiblingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         die Erhaltung und Förderung der mageren, blütenbunten Salbeiglatthaferwiesen und Magerwiesen mit ihrer typischen Flora und Fauna, darunter mehrere stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten;

·         die Erhaltung und Förderung des stufig aufgebauten, sehr schön ausgeprägten Waldmantels mit wertvollen Pflanzenbeständen;

·         die Erhaltung eines naturnahen Bachabschnittes mit begleitenden Ufergehölzen;

·         die Erhaltung des schönen Landschaftsbildes mit offenen Wiesen, kombiniert mit einzelnen Gehölzgruppen und einem schön ausgeprägten Waldmantel als Teile einer stark besuchten Erholungslandschaft.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen. verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      die Wege zu verlassen;

14.      außerhalb der Wege zu reiten;

15.      Modellflugzeuge oder andere Luftfahrzeuge zu starten oder zu landen;

16.      Hunde außerhalb von Wegen laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd unter Beachtung des Schutzzweckes und mit der Maßgabe, daß die Anlage von Wildäckern, Futterstellen und Kirrplätzen untersagt ist und durch die Jagdausübung, die Errichtung oder den Betrieb jagdlicher Einrichtungen wertvolle Pflanzenbestände und Tiervorkommen nicht beeinträchtigt werden;

2.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang als extensiv bewirtschaftete Wiesen und mit der Maßgabe, daß die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 19. Dezember 1980 (BGBl. 1 S. 2335), zuletzt geändert durch die Änderungsverordnung vom 21. März 1986 (BGBl. 1 S. 363), zu beachten sind;

3.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, mit der Maßgabe, daß der vorhandene naturnahe Laubholztrauf zu erhalten ist;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im - Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten die Naturdenkmalverordnungen Nr. 215 »Orchideenvorkommen am alten Weg zum Eulenhof« und Nr. 216 »Vorkommen des Salep Knabenkrauts« des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 23. August 1979, veröffentlicht in der Backnanger Zeitung, der Fellbacher Zeitung, der Murrhardter Zeitung, den Schorndorfer Nachrichten, der Waiblinger Kreiszeitung, der Welzheimer Zeitung und der Winnender Zeitung vorn 14.September 1979, außer Kraft.

 

STUTTGART, den 23. Dezember 1991

In Vertretung

DR. RAPP