1.185 Wiestal mit Rauber

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Wiestal mit Rauber« vom 13.August 1992 (GBl. v. 16.10.1992, S. 673).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweitverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten (85/337/EWG) vom 12.Dezeniber 1991 (GBI. S. 848), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Kirchheim u.T. und der Gemeinden Holzmaden und Ohmden, Landkreis Esslingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Wiestal mit Rauber«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 136,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 20. August 1990

auf dem Gebiet der Stadt Kirchheim u.T., Gemarkung Jesingen, die Flurstücke Nr.
1657-1659, 1666, 1669/2, 1670/2, 1672, 1696, 1697/1-3, 1697/5, 1697/6, 1698, 1700-1703, 1704/1, 1704/2, 1705, 1706/1, 1706/2, 1707-1727, 1723(Weg), 1728/1, 1728/2, 1729, 1730/1, 1730/2, 1731/1-3, 1732/1-3, 1733/1-3, 1734/1, 1734/2, 1735-1738, 1739/1, 1739/2, 1740/1, 1740/2, 1741-1744, 1745/1, 1745/2, 1746, 1747, 174811, 1748/2, 1749/1, 1749/2, 1750/1, 1750/2, 1751/1, 1751/2, 1752/1-4, 1753 (Weg), 1753/1, 1753/2, 1753/5, 1753/6, 1754/1, 1754/2, 1755/1, 1755/2, 1756/1, 1756/2,1757/1, 1757/2, 1758/1, 1758/2, 1759/1, 1759/2, 1760-1762, 1763/1, 763/2, 1764/1, 1764/2, 1765/1, 1765/2, 1766/1, 1766/2, 1767/1-/3, 1768/1-3, 1769/1, 1769/2, 1770, 1771, 1772/1, 1772/2, 1773-1778, 1778/1, 1779, 1779/ 1, 1780/1-/4, 1781, 1781/1, 1782, 1782/1, 1783/1-/6, 1784, 1784/1, 1785, 1785/1, 1786-1790, 1791/1, 1791/2, 1792-1794, 1795/1-/3, 1819, 1819/1-/3, 1820, 1821/1, 1821/2, 1822, 1823/1, 1823/2, 1824, 1825, 1825/1-/4, 1826, 1828, 1829/1-/4, 1830/1-/5, 1830-1835, 1835/1-3, 1836 (Weg), 1836/1 (Weg), 1837/1, 1837/2, 1838, 1839, 1839/1-6,1840-1842, 1843/1, 1843/2, 1844,1945,1846/1, 846/2,1847,1847/1-/3, 1848/1, 1848/2, 1849/1, 1849/2, 1850,1851/1,1851/2,1851,1852/1-/3, 1853-1856, 1858/1, 1858/2, 1859, 1859/1-/3, 1860/1, 1860/2, 1861, 1862/1, 1862/2, 1863-1869, 870/1, 1870/2, 1871-1879, 1880/ 1, 1880/2, 1881-1890, 1891/1, 1891/2, 1892-1899, 1900/1, 1900/2, 1901, 1902, 2000 teilweise (Trinkbach), 2371-2373, 2375 teilweise (Weg), 2377, 2626, 2627 (Weg), 2627/1, 2627/2, 2628, 2630, 2631, 2632, 2639/1, 2639/2, 2640-2645, 2647-2649, 2651/2, 2652, 2655, 2662,2664-2673,2674(Weg),2675-2678,2679 (K 1265), 2679/1-/17, 2679/20-26, 2680, 2681 (Weg), 2682 (Weg), 2683, 2684 (Weg), 2685, 2686, 2687 (Weg), 2688 (Weg), 2690, 2691, 2693-2696, 2698 (Weg), 2698/1-/3, 2699, 2700, 2701 (Weg), 2701/1-4, 2720 teilweise (Weg);

auf dem Gebiet der Gemeinde und Gemarkung Ohmden die Flurstücke Nr.
155 teilweise (Berbach), 156, 157/1, 178/3 teilweise (Dorfwiesenweg), 210 teilweise (Trinkbach), 252/1-/5, 253 (Weg), 254, 254/1-/5, 255/1-/4, 256, 256/1-6, 257/1-/4, 258/1, 258/2, 1623 teilweise (K 1265), 1623/1-/3, 1624, 1624/1, 1624/2, 1651-1653, 1654 (Weg), 1654/1, 1654/2, 1655-1674, 1675 (Weg), 1677-1681, 1682/1, 1682/2, 1683/1, 1683/2, 1684-1687, 1689, 1690, 1692/1, 1692/2, 1693-1695, 1696/1, 1696/2, 1697, 1698, 1699 (Weg), 1700-1705, 1745 teilweise (Weg), 1746, 1747, 1748/1-/3, 1749, 1750, 1751/1, 1751/2, 1752, 1753, 1754/1, 1754/2, 1755-1765;

auf dem Gebiet der Gemeinde und Gemarkung Holzmaden die Flurstücke Nr.
510, 511/1, 511/2, 512/1-4, 513, 514, 515 (Trinkbach), 515/1, 515/3, 516-519, 520/1-3, 521,523,692.

Das Naturschutzgebiet umfaßt:

·         auf dem Gebiet der Stadt Kirchheim u.T., Gemarkung Jesingen, folgende Gewanne und Teile von Gewannen: Rauber, Vetterschieß, Wacholder, Lauxrain, Schmale Wiesen, Kreben, Bühl, Grundwiesen, Schönberg, Schmale Wiesen, Egertle, Hebsack, Biegelwiese, Vorwiesen, Dietenau, Heuschrecken, Hofwiesen, Reute, Brühl, Zweigeleswiesen;

·         auf dem Gebiet der Gemeinde und Gemarkung Ohmden umfaßt das Naturschutzgebiet folgende Gewanne und Teile von Gewannen: Ameisen, Brüdelbett, Lehenwiesen, Traiffelhalde, Bergäcker;

·         auf dem Gebiet der Gemeinde und Gemarkung Holzmaden umfaßt das Naturschutzgebiet folgende Gewanne und Teile von Gewannen: Telle, Gogel, Eseläcker.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 20. August 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen sowie in einer Flurkarte (Blätter 1 bis 6) des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 20. August 1990 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Esslingen in Esslingen und bei der Stadt Kirchheini u. T. in Kirchheini u. T. auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         die Erhaltung und Wiederherstellung der naturnahen Wiesenaue des Trink- und Seebachtals mit ihren vielfältigen, ökologisch wertvollen Biotoptypen;

·         die Erhaltung und Sicherung der ökologisch wertvollen Hanglagen des »Rauber« mit ihren vielfältigen, ökologisch wertvollen Biotoptypen;

·         die Sicherung der vernetzten Lebensverhältnisse für die im Schutzgebiet in reichem Maß vorkommenden Tier- und Pflanzengesellschaften.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung, zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.         Gewässer anzulegen, zu verunreinigen oder auf andere Weise die Wasserqualität nachhaltig zu verändern, insbesondere verunreinigtes Wasser einzuleiten;

6.         Abfälle, Erdaushub oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Äcker umzubrechen;

11.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.      Feuer anzumachen;

13.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.      Erholungseinrichtungen an Wegen zu errichten, ausgenommen ist die Errichtung von Holzbänken;

15.      fremdländische Gehölze oder Koniferen zu pflanzen oder Formhecken anzulegen;

16.      Luftfahrzeuge, insbesondere Modellflugzeuge und Ultraleichtflugzeuge zu starten oder zu landen;

17.      das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, die nicht der land- und forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Grundstücke dienen;

18.      Loipen anzulegen;

19.      zu reiten, mit Ausnahme auf den in der Flurkarte braun angelegten Wegen und Straßen;

20.      das Gebiet mit Fahrrädern zu befahren, mit Ausnahme auf den in der Flurkarte braun angelegten Wegen und Straßen;

21.      Hunde unangeleint und außerhalb von Wegen laufen zu lassen;

22.      Wege zu verlassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
    a) südlich der Kreisstraße K 1265 keine Treibjagden durchgeführt werden;
    b) Wildäcker lediglich auf bisher acker- und gartenbaulich genutzten Flächen angelegt werden;
    c) keine Kirrungen in den Feuchtgebieten angelegt werden;
    d) lediglich einfache Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird;
    e) südlich der Kreisstraße K 1265 keine Jagd auf Wasservögel ausgeübt wird, wobei bei Überhandnahme einzelner Wasservogelpopulationen (z. B. Stockente) gezielte Regulierungsmaßnahmen durchgeführt werden können, die in Zusammenarbeit zwischen dem Regierungspräsidium und der Jägerschaft festgelegt werden;
    f) an den Stillgewässern keine Ausbildung für Jagdhunde durchgeführt wird;

2.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die künstlich geschaffenen Stillgewässer nicht zum Fischen genutzt werden; die Ausübung der gesetzlichen Hegepflicht bleibt unberührt;

3.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit Ausnahme von § 4 Abs. 2 Nr. 10 und mit der Maßgabe, daß
a) für einen entfernten Obstbaum innerhalb eines Jahres auf demselben Grundstück ein neuer hochstämmiger Obstbaum zu pflanzen ist;
b) die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 19.Dezember 1980 (BGBI.1 S. 2335), geändert durch die Änderungsverordnung vom 22.März 1991 (BGBI.1 S. 796), zu beachten sind;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß zur Unterhaltung der Gräben das Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle hergestellt wird;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des §64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dein Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzgebietsverordnung des Landratsamts Esslingen »Kirchheim unter Teck« vom 23. März 1984, veröffentlicht im Teckboten vom 27. März 1984, für den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 13. August 1992

DR. ANDRI0F