1.189 Adell

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Adell« vom 6. November 1992 (GBl. v. 31.12.1992, S. 809).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19.Novernber 1991 (GBI. S.701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Königheim, Main-Tauber-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Adell«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 18,2 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 10. Oktober 1990 auf dem Gebiet der Gemeinde Königheim, Ortsteil Weikerstetten, die Flurstücke 7484-7486, 7488-7508, 7543, 7544, 7544/1, 7545-7547, 7554, die südliche Teilfläche des Flurstücks 7555, begrenzt durch die geradlinige Verbindung zwischen dem nordwestlichen Eckpunkt des Flurstücks 7562 und dem nordöstlichen Eckpunkt des Flurstücks 848, Flurstück 7556, 7557, 7562-7569, 7571-7576, 7584-7589 sowie die innerhalb dieser Fläche liegenden Teilflächen der Wege Flurstücke 7487, 7570 und 7577.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Oktober 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. Oktober 1990 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist Erhalt, Förderung und Erneuerung eines naturnahen, lichten, orchideenreichen Platterbsen-Buchenwaldes und seiner wärmeliebenden Säume sowie der Erhalt und die Wiederherstellung der offenen Halbtrockenrasen mit unterschiedlichen Sukzessionsstadien auf den früher landwirtschaftlich extensiv genutzten Flächen zur Sicherung der wertvollen, typischen Pflanzengesellschaften und Tiergemeinschaften.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- öder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, ausgenommen dem Schutzzweck entsprechende Maßnahmen;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu betreiben;

11.      außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      das Schutzgebiet mit Ausnahme der vorhandenen Wege zu betreten;

14.      Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß die Erstellung jagdlicher Einrichtungen mit Ausnahme einfacher Ansitzleitern aus Holz nicht zulässig ist. Die Ansitzleitern sind so anzubringen, daß weder Landschaftsbild noch wertvolle Pflanzenstandorte beeinträchtigt werden;

2.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigem Umfang;

a) für die forstwirtschaftliche Nutzung im öffentlichen Wald, soweit sie entsprechend den Bestimmungen der Schonwalderklärung »Adell« der Körperschaftsforstdirektion Stuttgart vom 15. Juni 1992 erfolgt mit der Maßgabe, daß bei Ausnahmen von den Bewirtschaftungsgrundsätzen der Schonwalderklärung das Einvernehmen mit der Naturschutzverwaltung herzustellen ist.
b) für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung im Privatwald in bisheriger Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß auf wertvolle Pflanzenstandorte Rücksicht genommen wird;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der zuständigen Forstbehörde - angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

(1) Schutz- und Pflegemaßnahmen im öffentlichen Wald richten sich nach den in der Schonwalderklärung »Adell« vom 15. Juni 1992 festgelegten Bewirtschaftungsgrundsätzen.

 

(2) Schutz- und Pflegemaßnahmen im übrigen Naturschutzgebiet werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der zuständigen Forstbehörde - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 8 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 10 Heilung von Verfahrensmängeln

 

Gemäß § 60 a NatSchG ist eine etwaige Verletzung der in § 59 NatSchG genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach dem Erlaß dieser Verordnung gegenüber dem Regierungspräsidium Stuttgart schriftlich geltend gemacht worden ist; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.

 

§ 11 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis »Königheim« vom 6.April 1981, veröffentlicht im Amtsblatt des Main-Tauber-Kreises vom 28.April 1981, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

STUTTGART, den 6. November 1992

Dr. ANDRIOF