1.190 Unter dem Burz

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Unter dem Burz« vom 20. November 1992 (GBl. v. 27.01.1993, S. 50).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Neidlingen, Landkreis Esslingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Unter dem Burz«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 26,9 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 6. August 1992 auf dem Gebiet der Gemeinde Neidlingen die Flurstücke Nrn.: 3361, 3363, 3364, 3377, 3284, 3190-3193, 3195, 3285 (Weg), 3286; sowie Teile der Flst. Nrn.: 364 (Weg), 3184, 3186-3188, 3194, 3196 (Weg), 3362, 3365 (Weg), 3367-3371, 3373-3376 (Weg), 3383 (Weg), 3662.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6. August 1992 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6. August 1992 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Esslingen in Esslingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

die Erhaltung und Förderung der landschaftsbestimmenden Heide mit Kalkmagerrasen, einzelnen Gehölzgruppen und wärmeliebenden Säumen als Lebensraum zum Teil stark gefährdeter Pflanzen- und Tierarten;

die Erhaltung und Förderung der Streuobstwiesen und Salbeiglatthaferwiesen als ökologisch wertvolle Ergänzung zu der Heide und als Lebensraum für zum Teil stark gefährdete Pflanzen- und Tierarten;

die Erhaltung und Förderung der naturnahen Laubwälder, insbesondere des trockenen Weißjurahangbuchenwaldes und des frischen Weißjurahangbuchenwaldes mit Übergängen zum Schluchtwald mit ihrer jeweils typischen Kraut- und Strauchschicht und mit einem für Vögel und Insekten wertvollen, möglichst hohen Altholzanteil.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

die Bodengestalt zu verändern;

Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen, mit der Ausnahme von Holzbänken, anzulegen;

Feuer anzumachen;

ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

Hängegleiter, Ultraleichtflugzeuge oder Gleitsegel zu starten oder zu landen;

Modellflugzeuge oder andere Luftfahrzeuge in Betrieb zu nehmen;

das Gebiet außerhalb von den in der Flurkarte braun dargestellten Wegen (Teile der Flurstücke Nrn.: 364, 3196, 3376, 3383, 3662) mit Fahrrädern zu befahren;

das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, die nicht der land- oder forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Grundstücke dienen;

außerhalb der auf der Flurkarte braun dargestellten Wege (Teile der Flurstücke Nrn.: 364, 3196, 3376, 3383, 3662) und außerhalb des Weges Nr. 3365 Ski sowie Grasski zu fahren;

Wege und Pfade zu verlassen;

Hunde außerhalb von Wegen laufen zu lassen;

Heideflächen zu düngen oder darauf Biozide einzubringen sowie auf diesen Flächen zu pferchen;

Bäume, insbesondere Obstbäume, ohne vernünftigen Grund zu fällen;

fremdländische Gehölze sowie Nadelgehölze anzupflanzen oder Formhecken anzulegen;

außerhalb von den in der Flurkarte braun dargestellten Wegen (Teile der Flurstücke Nrn.: 364, 3196, 3376, 3383, 3662) zu reiten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit den Maßgaben, daß
a) lediglich einfache Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird;
b) keine weiteren Fütterungs- oder Kirrplätze errichtet werden und keine Wildäcker angelegt werden;

für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit den Maßgaben, daß
a) für gefällte Obstbäume innerhalb eines Jahres hochstämmige Obstbäume nachgepflanzt werden;
b) § 4 Abs. 2 Ziff . 20 und 21 zu beachten ist;
c) die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 (BGBl. I S. 1196), geändert durch die Änderungsverordnung vom 22. März 1991 (BGBl. I S. 796), zu beachten sind;

für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang mit den Maßgaben, daß
a) die naturnahe standortgerechte Laubholzbestockung erhalten und gefördert und dabei Naturverjüngung angestrebt wird;
b) das Vorhandensein eines gewissen Altholzanteils angestrebt wird;
c) insbesondere stehendes Totholz in einer angemessenen Menge auf der Fläche verbleibt;
d) eine möglichst hohe Umtriebszeit angestrebt wird (soweit es sich um naturnahe Bestände handelt);
e) im Klingenbereich im Gewann Türle die Holzaufbereitung nur bis zum 31. Januar jeden Jahres zulässig ist und das Überfahren bei der Nutzung nicht gestattet ist;
f) im Bereich des Märzenbecherstandorts das forsttechnisch schonendste Verfahren angewendet wird;
g) daß die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 (BGBl. I S. 1196), geändert durch die Änderungsverordnung vom 22. März 1991 (BGBl. I S. 796), zu beachten sind;

für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - angeordnet werden;

für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs . 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzgebietsverordnung »Neidlinger Tal« des Landratsamtes Esslingen vom 18. Dezember 1975, veröffentlicht in der Nürtinger Zeitung, im Teckboten und in der Esslinger Zeitung vom 31. Dezember 1975, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt. Ebenfalls tritt die Verordnung vom 25. August 1983 des Landratsamts Esslingen zum Schutz von Naturdenkmalen im Landkreis Esslingen, veröffentlicht in der Esslinger Zeitung vom 23. September 1983, außer Kraft, soweit sie die Naturdenkmale »Pflanzenstandort im Gewann Türle« (Nr.28.03) und »Fünf einzeln stehende Feldahorn« (Nr. 28.10a-e) betrifft.

 

STUTTGART, den 20. November 1992

DR. ANDRIOF