1.191 Nägelestal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Nägelestal« vom 16. Dezember 1992 (GBl. v. 16.02.1993, S. 65).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), und auf Grund von §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Kirchheim unter Teck, Landkreis Esslingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Nägelestal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 20 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 3. November 1992 auf dem Gebiet der Stadt Kirchheim unter Teck, Gemarkung Kirchheim, Landkreis Esslingen, die Flurstücke Nrn.: 4843 (teilweise), 4942/2, 4943, 4944, 4945/1, 4945/2, 4946, 4947, 4950/1 Weg, 4953, 4953/2 Weg, 4954, 4954/1 Weg, 4955, 4955/1, 4956 Weg, 4956/1, 4956/2, 4957/1, 4957/2, 4958, 4959, 4960, 4961, 4962, 4963, 4964, 4965, 4966/1, 4967, 4968 Weg, 4968/1, 4974/1 Weg, 5404, 5405, 5405/1 Weg (teilweise), 5406, 5407, 5408, 5409, 5410, 5410/1 Weg, 5411, 5412, 5413, 5414, 5415, 5416, 5417 Weg (teilweise), 5418, 5419, 5420, 5421, 5422, 5464, 5470 Weg, 5475, 5476, 5477, 5478, 5479, 5480/1, 5480/2, 5480/3 Weg, 6890; darüber hinaus ein zehn Meter breiter Streifen - östlich des Wegs 4950/1 - der Flurstücke 4948, 4949, 4950 und 4951, sowie Flurstück 4952 (teilweise). Die Südwestgrenze des Naturschutzgebiets verläuft entlang des Böschungsfußes am Damm der BAB 8.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 3. November 1992 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt, sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 3.November 1992 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Esslingen in Esslingen und bei der Stadt Kirchheim unter Teck in Kirchheim unter Teck auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Entwicklung des derzeit überwiegend extensiv genutzten Lebensraumes von Tieren und Pflanzen. Dazu gehören insbesondere Ödland- und Brachflächen, Bachläufe, feuchte Senken und Stillgewässer mit ihrer Ufervegetation, Heckenzüge und Hohlwege sowie Streuobstwiesen als Rückzugsgebiet für eine große Zahl gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, insbesondere Kleinsäugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien und Insekten.

Schutzzweck ist außerdem die Sicherung des faunistisch überregional bedeutsamen »Nägelestales« aus wissenschaftlichen und naturgeschichtlichen Gründen sowie die Erhaltung des charakteristischen kulturhistorischen Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen oder Auffüllungen;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu ändern;

6.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.         neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.      die Bewirtschaftung der Grundstücke zu ändern, insbesondere Intensivobstkulturen anzulegen oder Wiesen umzubrechen;

11.      zu reiten, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

12.      Feuer anzumachen;

13.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.      Modellflugzeuge zu starten oder zu landen;

15.      im Bereich des Naturschutzgebietes zu fotografieren oder zu filmen, soweit hierdurch eine Beeinträchtigung bzw. Störung von Brut- und Nistplätzen hervorgerufen wird, oder Feuerwerke abzubrennen;

16.      das Gebiet außerhalb von öffentlichen oder besonders gekennzeichneten Wegen oder Pfaden zu betreten;

17.      Hunde frei laufen zu lassen;

18.      Modellboote zu betreiben, die Stillgewässer mit Wasserfahrzeugen, Luftmatratzen oder Schlittschuhen zu befahren;

19.      außerhalb von öffentlichen Wegen Rad zu fahren;

20.      das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, soweit sie nicht der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Grundstücke dienen;

21.      fremdländische Gehölze sowie Nadelgehölze anzupflanzen oder Formhecken anzulegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd unter Berücksichtigung des Schutzzwecks, mit den Maßgaben, daß
    a) wie bisher keine Treibjagden durchgeführt werden;
    b) Wildäcker lediglich auf Ackerflächen angelegt werden;
    c) keine Kirrungen und Fütterungen in den Feuchtgebieten angelegt werden;
    d) lediglich einfache Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern erstellt werden;
    e) keine Jagd auf Wasservögel ausgeübt wird; bei Überhandnehmen einzelner Wasservogelpopulationen (z. B. Stockente) können gezielte Regulierungsmaßnahmen durchgeführt werden, die in Absprache zwischen dem Regierungspräsidium und der Jägerschaft festgelegt werden;
    f) an den Stillgewässern keine Ausbildung für Jagdhunde durchgeführt wird;

2.   für die ordnungsgemäße fischereiliche Nutzung mit der Maßgabe, daß an Stillgewässern nicht sowie am Kegelesbach nicht mit der Angel gefischt werden darf; die Ausübung der gesetzlichen Hegepflicht bleibt unberührt;

3.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, mit den Maßgaben,
a) daß die Bäume, insbesondere Obstbäume nicht ohne vernünftigen Grund gefällt werden,
b) daß für gefällte Obstbäume innerhalb eines Jahres hochstämmige Obstbäume nachgepflanzt werden müssen und
c) daß die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 (BGBl. 1 S. 1196), geändert durch die Änderungsverordnung vom 22. März 1991 (BGBl. 1 S. 796), zu beachten sind;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen wie Lehrtafeln oder ähnliches;

7.   für Gestaltungs- und Extensivierungsmaßnahmen, die gemäß dem Planfeststellungsbeschluß des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 15. Juni 1989 angeordnet wurden.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Naturdenkmalverordnung »Nägelestal auf Gemarkung Kirchheim« des Landratsamts Esslingen vom 24. August 1982, veröffentlicht am 31. August 1982 in der Nürtinger Zeitung, in der Filderzeitung, im Teckboten und in der Esslinger Zeitung, außer Kraft. Ebenso tritt mit Inkrafttreten dieser Verordnung die »Verordnung zum Schutz der Landschaftsbestandteile und Landschaftsteile im Kreis Nürtingen« vom 22. Oktober 1942, veröffentlicht am 26. Oktober 1942 im Teckboten, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

STUTTGAPT, den 16. Dezember 1992

DR. ANDRIOF