1.193 Teufelsloch-Kaltenwang

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Teufelsloch-Kaltenwang« vom 8. April 1993 (GBl. v. 04.06.1993, S. 273).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S.654), geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Boll und Gruibingen, Landkreis Göppingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Teufelsloch-Kaltenwang«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 121,7 ha. Es umfaßt nach dem Stand vorn 6. September 1990

auf dem Gebiet der Gemeinde Boll, Ortsteil Eckwälden, Landkreis Göppingen, die Flurstücke Nrn.
1510 teilweise, 2175 teilweise, 22104, 2205, 2206, 2207, 2208, 2209, 2210, 2233, 2234, 2235, 2240/1, 2240/2, 2241, 2242, 2242/1, 2243, 2243/1, 2244, 2244/1, 2245, 2245/1, 2246, 2247, 2248, 2249, 2250/1, 2250/3, 2252, 2253, 2254, 2256/1, 2257, 2258, 2259, 2259/1, 2260, 2260/1, 2261, 2262/1, 2262/2, 2263/1-4, 2264, 2264/1, 2267, 2268, 2268/1, 2269/1 teilweise, 3394, 3395, 3396, 3401/2 teilweise, 3401/5 und

auf dem Gebiet der Gemeinde Gruibingen, Landkreis Göppingen, die Flurstücke Nrn.
4526, 4527, 4528, 4529, 4530, 4558 teilweise, 4559, 4560, 4561, 4589/1, 4605/1, 4610, 4611/1-4, 4612/1, 4612/2, 4613/1-3, 4614/1-11, 4615/1-9, 4616/1-5, 4627, 4641, 4650, 4658, 4659, 4669, 4670, 4671, 4672, 4674, 4699, 4700, 4723 und 4724.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6. September 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt, sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 6.Septernber 1990 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Göppingen in Göppingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist

·         die Erhaltung der urtümlichen Schluchten des unteren Braunen Jura mit interessanten geologischen Aufschlüssen und ihrer Umgebung;

·         die Erhaltung eines zusammenhängenden und reich gegliederten, wenig erschlossenen Schluchtensystems mit seiner typischen Tier- und Pflanzenwelt, als Rückzugsgebiet vieler bedrohter Arten;

·         der Schutz und die Förderung eines von teilweise naturnahen Laubwäldern, Wiesenauen, Bächen, Felsen, Feuchtgebieten und Quellen geprägten Landschaftsbildes;

·         die Gewährleistung einer naturschonenden Nutzung im Hinblick auf ihre ökologische Verträglichkeit.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Felsblöcke oder Steine zu entfernen;

5.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.         Gewässer anzulegen, zu verunreinigen oder sonst die Wasserqualität nachteilig zu verändern, insbesondere verunreinigtes Wasser einzuleiten;

7.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

8.         Loipen anzulegen;

9.         Mauern, Zäune, Hecken oder ähnliche Einfriedigungen zu errichten, sofern nicht bereits Nr.1 Anwendung findet, oder Hecken anzupflanzen;

10.      Chemikalien, Dünger oder Biozide einzubringen;

11.      das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, die nicht der land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung dienen;

12.      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

13.      Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

14.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

15.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

16.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

17.      Feuer anzumachen oder Feuerstellen anzulegen;

18.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

19.      Erholungseinrichtungen, ausgenommen Holzbänke, zu erstellen;

20.      Wege oder Pfade im Bereich der Wälder und Wiesen zu verlassen;

21.      Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte oder Flugmodelle zu starten oder zu landen;

22.      zu reiten und das Gebiet mit bespannten Wagen zu befahren;

23.      Hunde unangeleint laufen zu lassen;

24.      Obstbäume ohne vernünftigen Grund zu fällen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß im unmittelbaren Bereich der Schluchten keine Wildäcker oder Fütterungs- und Kirrplätze angelegt werden und Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird;

2.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei im Rahmen des Schutzzwecks;

3.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit der Maßgabe, daß kein Grünland in Ackerland umgebrochen wird und die Streuobstwiesen in der traditionellen Form bewirtschaftet werden; insbesondere ist für eine angemessene Beweidung oder Wiesenmahd sowie dafür zu sorgen, daß abgängige Obstbäume innerhalb eines Jahres durch Hochstämme ersetzt werden;

4.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit der Maßgabe, daß
a) das Bannwaldgebiet »Teufelsloch« entsprechend der Bannwalderklärung der Forstdirektion Stuttgart vom 15. März 1989 behandelt wird;
b) im übrigen Gebiet
- der naturnahe Laubmischwald erhalten bleibt und seine Verjüngung möglichst auf natürlichem Weg und möglichst langfristig und kleinflächig (Dauerbestockung) erfolgt unter Zugrundelegung relativ langer Produktionszeiträume,
- die nicht standortsgerechten Nadelbaumbestände - nach Möglichkeit auch im Privatwald langfristig in naturnahe, standortsgerechte Laubmischbestände umgebaut werden und die standortsgerechten Nadelbaumbestände in der vorhandenen Flächenausdehnung erhalten bleiben können,
- Waldwege nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde angelegt werden,
- Erholungseinrichtungen, mit Ausnahme der in § 4 Abs. 2 Nr. 19 genannten Holzbänke, nicht erstellt werden,
- Ausbauarbeiten an den Bächen nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden;

5.   für das Reiten auf dem Fahrweg Nr. 33 bis zur Wendeplatte (Parallelweg zum Teufelsklingenbach) und auf dem Fahrweg Nr. 21 ca. 250 m bis zur Wendeplatte (Kaltenwang Südteil); diese Wege sind in der Flurkarte braun hervorgehoben;

6.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

7.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - angeordnet werden;

8.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten die Verordnung des Landratsamts Göppingen über das Landschaftsschutzgebiet »Albtrauf im Raum Bad Boll« vom 23.Dezeniber 1975, veröffentlicht in den Göppinger Kreisnachrichten und in der Geislinger Zeitung vom 30. Dezember 1975, sowie die Verordnung des Landratsamts Göppingen über das Landschaftsschutzgebiet »Oberes Filstal - Gemeinde Gruibingen« vom 8.Februar 1984, veröffentlicht im Oberen Filsboten vom 17. Februar 1984, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegen.

 

STUTTGART, den 8. April 1993

Dr. Andriof